Ein neuer Festivaldirektor hält Einzug am Lido und krempelt einiges um.

Ben Affleck und Rachel McAdams im gespannt erwarteten Wettbewerbsbeitrag "To The Wonder" von Kinomagier Terrence Malick Bild: Studiocanal

Alberto Barbera ist allerdings streng genommen kein neues Gesicht in Venedig, leitete er die Mostra doch schon einmal kurz - bis Moritz de Hadeln ihn 2002 ablöste. Diesmal hat sich Barbera viel vorgenommen. Er hat das Filmprogramm deutlich verschlankt auf 50 Spielfilme im offiziellen Programm - alle laufen als Weltpremiere. Dazu kommen Dokus und Specials außer Wettbewerb, Kurzfilme und restaurierte Filmklassiker.

Während Barberas Vorgänger Marco Müller im großen Stil Hollywood-Stars an den Lido holte, will Barbera sich nicht allein mit einem glamourösen roten Teppich zufrieden geben. Der Lido soll nach Barberas Vorstellung wieder stärker Plattform für die Entdeckung neuer Talente werden, gerade auch aus weniger etablierten Filmregionen.

Das Festival will auch junge Talente fördern mit dem neuen Biennale College-Cinema, einem Workshop für junge Filmemacher aus aller Welt, in dessen Rahmen drei abendfüllende Filme entstehen sollen. Barbera hat in den vergangenen Jahre das Nationale Filmmuseum in Turin geleitet, so überrascht es nicht, dass auch die Filmklassiker und die Konservierung des Filmerbes einen neuen Stellenwert erhalten.

In der neuen Reihe Venzia Classici wird - nach Vorbild von Cannes - jährlich eine Auswahl von neu restaurierten Filmklassikern präsentiert. In diesem Jahr werden 19 Filme gezeigt, darunter „Heaven’s Gate„, den Michael Cimino persönlich vorstellt.

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Der 80. Mostra-Geburstag wird mit einem kleinen Showcase gefeiert. Barbera möchte auch die Infrastruktur des Festivals verbessern. Er hofft, dass in zwei bis drei Jahren die schon unter Müller begonnenen Renovierungs- und Umbauarbeiten abgeschlossen sind und die lang ersehnten neuen Räumlichkeiten zur Verfügung stehen.

Was für Programmhighlights erwarten den Festivalbesucher? Etwa die mit Spannung erwarteten neuen Filme von Terrence Malick und Paul Thomas Anderson. Malicks „To the Wonder“ mit Ben Affleck, Rachel McAdams und Javier Bardem ist offenbar ein experimentelles romantisches Drama. Andersons „The Master“ dreht sich um die Entstehung einer Sekte in den Fünfzigerjahren, für die die Church of Scientology Pate stand - Philip Seymour Hoffman spielt einer Ron Hubbard nachempfundenen Figur, Joaquin Phoenix einen Mitstreiter, der am System zu zweifeln beginnt.

Im gesamten Programm sind zwölf US-Regisseure am Start, im Wettbewerb auch Harmony Korine („Spring Breakers“ mit James Franco als Rapper) und Ramin Bahrani („At Any Price“ mit Dennis Quaid und Zac Efron). Außer Wettbewerb laufen u. a. Robert RedfordsThe Company You Keep“ und Spike Lees Michael Jackson-Doku „Bad 25„.

Auch die Franzosen zeigen in diesem Jahr eine starke Präsenz am Lido, im Wettbewerb etwa mit Olivier Assayas‘Something in the Air“ über die Studentenrevolten im Paris der Sechzigerjahre und Xavier Giannolis Celebrity-Komödie „Superstar“ mit Kad Merad. Das Gastgeberland Italien schickt Marco Bellocchio („Bella addormentata“), Francesca Comencini („Un giorno speciale„) und Daniele Ciprì („È stato il figlio“) ins Löwen-Rennen.

Der Österreicher Ulrich Seidl ist mit „Paradies: Glaube“ dabei, dem zweiten Teil seiner Trilogie, der von der Kölner Tatfilm koproduziert wurde. Mit deutscher Beteiligung (Integral Film) entstand auch Brian De PalmasPassion„, ein in Berlin angesiedelter Noir-Thriller, in dem neben Rachel McAdams und Noomi Rapace auch Karoline Herfurth zu sehen ist.

Ein deutscher Regisseur ist diesmal nicht auf dem Festival vertreten, in den Nebensektionen wurden jedoch fünf weitere deutsche Koproduktionen eingeladen. Neue Filme von Susanne Bier („Love Is All You Need„), Brillante Mendoza („Sinapupunan“) oder Takeshi Kitano („Autoreiji„) komplettieren ein vielversprechendes Programm, in dem nicht weniger als 20 Regisseurinnen vertreten sind.

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