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Shrek bald als James Bond?

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Nicole Kidman Poster
© Universal / Sony Pictures

Ameisen, Mammuts, Oger, Clownfische, Pinguine - seit Jahren schwappt eine Welle von Filmen mit Pixel-Helden über die Leinwände.

Achtung, Mr. Craig! Könnte der Neu-007 durch einen rüpelhaften Oger ersetzt werden? Bild: Universal / Sony Pictures

Von „Antz“ über „Ice Age“ bis „Madagascar„, von „Shrek“ über „Findet Nemo“ bis „Happy Feet“ - die knallbunten Helden aus den Prozessoren von Hollywoods Super-Computern haben die Herzen von kleinen und großen Kids im Sturm erobert. Doch während die gepixelten Hauptdarsteller anfangs noch ein Hingucker waren, ersäuft inzwischen mancher Filmfan in der Flut von CGI-Komödien.

Aber Hollywood wäre nicht Hollywood, wenn es die rasant steigenden Rechnerleistungen nicht nutzen würde, um in der Welt des digitalen Films auch ganz neue Wege zu beschreiten. Denn die comichaft-stilisierte Darstellung von Figuren aus dem Tierreich ist nur eine der vielen Spielwiesen für Pixel-Freaks.

Für ihn führten US-Filmkritiker 2003 extra die Auszeichnungs-Kategorie "Beste digitale Schauspiel-Leistung" ein: Gollum in "Der Herr der Ringe 2" Bild: Warner

Hanks und Hopkins als Hampelmänner

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Die Umsetzung von Gollum in „Der Herr der Ringe - Die zwei Türme“ setzte 2002 neue Maßstäbe - viele forderten damals einen Oscar für den Schauspieler Andy Serkis, der die Bewegungen des Bösewichts lieferte. Diese wurden durch einen Anzug mit vielen Leuchtpunkten auf dem Körper und einer Spezialkamera aufgezeichnet und später im Rechner mit dem Aussehen Gollums verschmolzen.

Motion-Capturing heißt diese Technologie, mit der seitdem in vielen Filmen gearbeitet wird - wie beispielsweise im US-Hit „Der Polarexpress“ mit Tom Hanks als digitalisiertem Schaffner oder, ebenfalls von Regisseur Robert Zemeckis, demnächst im Fantasy-Spektakel „Beowulf“ mit Pixel-Versionen von Angelina Jolie, Sir Anthony Hopkins und John Malkovich.

Lebendig oder gepixelt? Bei Angelina Jolie ist das in "Beowulf" auf den ersten Blick schwer zu sagen… Bild: Warner

Digitaler Haarschnitt für 20 Millionen

Dennoch fragt sich mancher, warum man mit solchen Stars nicht gleich einen Realfilm dreht. Im Fall von „Beowulf“ liegt der Vorteil auf der Hand: Für einen Fantasy-Film entstehen Landschaften, Festungen und viele Kreaturen ohnehin im Computer, wie beispielsweise Minas Tirith und die Ork-Scharen in „Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs“ - selbst im Falle von „Titanic“ waren die panischen Passagiere in vielen Szenen Pixelwesen. Es macht die Sache natürlich deutlich einfacher und vor allem billiger, wenn auch die Hauptdarsteller rein digital sind.

Zum Leidwesen von Hollywoods Pixel-Zauberern ist das Kinopublikum aber noch skeptisch, wie „Final Fantasy“ zeigt, der erste Film mit fotorealistischen Computerhelden: Das teure SciFi-Experiment machte 2001 80 Millionen Dollar Miese. Dass vorgeblich echte Menschen aus dem Computer beim Publikum derzeit noch nicht so recht ankommen, hat dabei vor allem einen Grund: Man sieht ihnen die Herkunft aus dem Prozessor noch zu sehr an, und das irritiert. Probleme bereiten hier vor allem Haare und Kleidung. Eine menschliche Frisur besteht beispielsweise aus etwa 150.000 Haaren, die sich abhängig voneinander bewegen und aufeinander Schatten werfen müssen. Allein dafür wurden für „Final Fantasy“ 20 Millionen Dollar Animationskosten fällig.

"Final Fantasy" setzte Maßstäbe in Sachen Fotorealismus aus dem Computer. Doch auf das Kinopublikum wirkte das immer noch deutlich zu mechanisch. Bild: Columbia Tristar

Digital-Helden mit Herz

Selbst wenn hier die modernen Prozessoren immer mehr möglich machen, bleibt ein weiteres Grundproblem: Reine Computer-„Schauspieler“ sind strohdumm, jede kleinste Bewegung muss ihnen der Animator extra vorgeben. Ein Mensch atmet und blinzelt völlig automatisch und unbewusst, eine Computerfigur macht nur das, was man ihr haarklein vorgibt.

Doch das soll sich ändern, wenn es nach Ken Perlin von der Universität New York geht. Er arbeitet an „Virtual Actors“, Computer-Schauspielern, die völlig selbstständig von einem Fuß auf den anderen treten, die in den richtigen Abständen blinzeln. Mehr noch: Die Art, wie sie das tun, soll von ihren Gefühlen abhängen. Ist die Filmfigur nervös, geht sie schneller und mit kleineren Schritten, atmet flacher und blickt sich öfter um. „Unser Ansatz ist, dass jede Bewegung, jede Haltung, ja die gesamte Körpersprache, von einem inneren psychologischen Zustand bestimmt ist“, erklärt Perlin. „Diese unbewussten Bewegungen führt die Figur völlig selbstständig aus. Der Animator gibt dann Anweisungen für willensgesteuerte Handlungen, die sich aus der Story des Films ableiten, und beides kombiniert sich dann zur Gesamtbewegung der Figur.“

So lässt Spezialist Ken Perlin seine virtuellen Schauspieler ihre "Gefühle" über die Körperhaltung ausdrücken Bild: New York University

Regiearbeit in virtueller Realität

Davon träumt auch Nadia Magnenat-Thalmann, Professorin an der Uni Genf und anerkannte Kapazität in Sachen Computeranimation: „Ich wünsche mir, mithilfe einer 3D-Brille in einer 3D-Umgebung zu stehen und meinen virtuellen Schauspielern direkt zu begegnen und ihnen direkte Anweisungen zu geben, die diese verstehen und umsetzen können: Mach dies, mach‘ das, geh da hinüber, öffne die Tür, nimm dieses Glas, lächle.“ Die Realisierung dieses Wunsches ist für die Expertin nur eine Frage der Zeit: „Es dauert zwar länger, als ich vor 20 Jahren vermutete, aber es passiert!“

Sie werden also kommen, die echt wirkenden Computer-Filmstars, die ohne das Motion-Capturing eines Schauspielers auskommen - und auch ohne dessen Aussehen. Wenn ein solcher virtueller Held seinen ersten Kinoerfolg gelandet hat, bleibt man ihm dann vermutlich genauso treu wie Hollywood derzeit seinen Stars aus Fleisch und Blut.

Wer spielt da wohl besser: der Super-Computer von "Final Fantasy" oder Tom Cruise demnächst als Graf Stauffenberg in "Valkyrie"? Bild: Columiba Tristar / Frank Connor

Romeo, oh, Romeo!

So könnte ein Held, den der Computer für einen Action-Kracher erschaffen hat, auch in einer virtuellen Liebeskomödie oder gar in einer CGI-Shakespeare-Verfilmung auftauchen. Es wäre doch jetzt schon eine witzige Vorstellung, den beliebten Oger Shrek statt durch fünf weitere Fortsetzungen im Land Weit weit weg zu hetzen, mal als Romeo oder neuen 007 zu besetzen. Oder den fiesen Bruce aus „Findet Nemo“ als Hauptdarsteller in „Der weiße Hai 7“ und die „Robots“ in der nächsten „Star Wars„-Trilogie als Kollegen von R2-D2 und C-3PO. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt - und im Falle von realistisch wirkenden CGI-Menschen erst recht nicht.

Sicher wird es extrem schwierig, am Computer Figuren zu erschaffen, die es mit dem feinen Körperspiel und der Mimik eines Dustin Hoffman oder einer Nicole Kidman aufnehmen können. Aber die Ausdrucksstärke von manch anderem so genannten Superstar scheint durchaus erreichbar. Schließlich haben es Leute wie Tom Cruise doch recht weit gebracht - mit gerade mal zwei Gesichtsausdrücken…

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