Für Links auf dieser Seite erhält kino.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder blauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
  1. Kino.de
  2. Stars
  3. Nicole Garcia
  4. Zerbrechlichkeit auf Zelluloid

Zerbrechlichkeit auf Zelluloid

Ehemalige BEM-Accounts |

Nicole Garcia Poster
© Festival de Cannes

In „Selon Charlie“ und „Red Road“ kommen die Hauptfiguren nicht klar. Was genau ihre Probleme sind und ob es eine Lösung gibt, ist lange nicht offensichtlich. Gerade das macht diese beiden Palmenanwärter so spannend.

"Selon Charlie" und "Red Road": Was ist mein Weg? Bild: Festival de Cannes

In „Red Road“ ist Jackie, die beruflich den ganzen Tag damit verbringt, die Aufnahmen der Überwachungskameras von Glasgow anzusehen und sich abends in ihre Wohnung zurückzieht, eindeutig nicht glücklich. Als sie auf einem Bildschirm einen Mann entdeckt, der eigentlich im Gefängnis sein sollte, fängt Jackie an, ihn zu verfolgen. Von einer inneren Unruhe getrieben beobachtet sie seine Bewegungen zuerst auf den Monitoren, dann fährt sie in sein Wohnviertel.

Der Mann ist Clyde, der Jackie den Mann und ihre Tochter genommen hat, und wegen guter Führung frühzeitig entlassen wurde. Jackie schleicht sich bei einer Party in seine Wohnung ein und die beiden kommen sich näher.

Jackie mit Clydes Mitbewohnern Bild: Festival de Cannes

Alles im Blick

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, denn Regisseurin Andrea Arnold selbst vermeidet bei Fragen weitere Details zur Handlung von „Red Road“. Und das ist auch gut so, schließlich es dauert ein Weilchen bis der Zuschauer weiß, wohin diese Situation führt. Bis zur Hälfte des Film blickt er zusammen mit Jackie auf die Bildschirme. So begreift man zwar ihren tristen Alltag, könnte aber auch leicht aussteigen. Wer sich aber auf die Geschichte einlässt, wird von ihrem Ausgang überrascht und berührt sein.

Erschreckend sind die Wege der Überwachungskameras, die eine Person quer durch Glasgow verfolgen und heranzoomen können. Die Szenen sind in einem rechten Büro entstanden und haben bei den Darstellern ihre Spuren hinterlassen. „Seitdem ich weiß, was möglich ist, rate ich den Teenagern davon ab, im Park zu knutschen“, erzählt Hauptdarstellerin Kate Dickie.

Drei Film für sieben Figuren

Hauptdarstellerin Kate Dickie unterwegs zur "Red Road" Bild: Festival de Cannes

„Das Thema übt eine unglaubliche Faszination auf mich aus“, so Oscarpreisträgerin Arnold, die auch das Drehbuch geschrieben hat. „Red Road“ ist im Rahmen des Projekts Advance Party entstanden. Drei Regisseure haben sich verpflichtet, verschiedene Geschichten mit denselben Personen zu erzählen. Jackie, ein Mann, mit dem sie regelmäßig eine kleine Nummer schiebt, ihr Schwiegervater, Clyde, seine Mitbewohner Stevie und April sowie eine Putzfrau, die Jackie auf den Monitoren beobachtet, sollen noch in einer romantischen und einer schwarzen Komödie eine Rolle spielen.

In „Selon Charlie“ geht es ebenfalls um sieben Personen, allesamt Männer. Da jeder von ihnen den gleichen Raum einnimmt, hat Regisseurin Nicole Garcia ihre Charaktere auf einzelne Fragmente reduziert: einen desillusionierten Lehrer, einen kompromisslosen Forscher, einen Bürgermeister samt seinem Berater, einen gutherzlichen Dieb und seinem Helfer sowie einen Vater, der seinen Sohn eine Affäre decken lässt.

"Selon Charlie": Der Bürgermeister muss sich zwischen Job und Sehnsüchten entscheiden Bild: Festival de Cannes

Auf der Suche

Durch den geschickten Wechsel zwischen den unterschiedlichen Figuren, deren Wege sich hin und wieder kreuzen, schafft Garcia es, sich nicht zu verzetteln. Leider wirken die Erzählstränge an manchen Stellen leicht konstruiert. „Ich wollte zeigen, dass jeder irgendwann seine eigene Geschichte trifft, die sein Leben für immer verändert“, erklärt die Filmemacherin.

Dass jeder der Männer ein greifbares Profil hat, liegt insbesondere an der Leistung der französischen Schauspieler. Vor allem Benoit Poelvoorde als schrulliger Kleinganove und Jean Pierre Bacri als Bürgermeister im Wahlkampf haben die Lacher auf ihrer Seite.

In „Selon Charlie“ gibt es eigentlich noch einen Mann: den prähistorischen Dirk. Der Forscher im Film ist der Ansicht, dass der von ihm entdeckte Steinzeit-Mensch auf der Suche nach sich selbst war, als er von der Eiszeit eingeholt wurde. Er starb mit Blick auf den Sonnenaufgang.

Zu den Kommentaren

News und Stories

Kommentare