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Italienischer und finnischer Trübsinn

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Nanni Moretti Poster
© Festival de Cannes

Politische Filme sind dieses Jahr in Cannes Programm. Nach „The Wind that shakes the Barley„, „Summer Palace“ und „Fast Food Nation“ ist jetzt in „Il Caimano“ Berlusconi-Bashing angesagt.

Schwermut an der Croisette: "Il Caimano" und "Lights in the Dusk" Bild: Festival de Cannes

Auch wenn Berlusconi inzwischen nicht mehr das italienische Staatsoberhaut ist, die Kritik in „Il Caimano“ ist nach wie vor aktuell. „Die Probleme sind noch da, ein paar Wählerstimmen haben nichts daran geändert“, wettert Regisseur Nanni Moretti. „Wir haben uns an eine Situation gewöhnt, die eigentlich nichts mit Demokratie zu tun hat. Es stört niemanden, dass ein Politiker in der Regierung sitzen und gleichzeitig diese ganzen Fernsehsender betreiben kann.“

In „Il Caimano“ ist Produzent Bruno Bonomo beruflich und privat am Ende. Als ihm ein Skript zu einem Film über Berlusconi in die Hände fällt, wittert er seine große Chance. Bonomo begibt sich auf die Suche nach einem Hauptdarsteller und versucht parallel dazu, seine Ehe zu retten.

In "Il Caimano" gerät das Leben von Bruno Bonomo aus den Fugen Bild: Festival de Cannes

Persönliche Sicht

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Der Ansatz, politische Kritik aus einer persönlichen Perspektive zu erzählen, kommt bei dem Festivalpublikum gut an. Störend ist nur, dass der Film bisweilen zwischen politischer Satire und Beziehungsdrama schwankt.

In Italien lief „Il Caimano“ zwei Wochen vor der Wahl, viel Einfluss hatte er offensichtlich nicht. In Bezug auf seine Aussichten in Cannes ist Moretti, der 2001 für „Das Zimmer meines Sohnes“ die goldene Palme erhielt, zuversichtlich. „Im Gegensatz zu Berlusconi gefällt mir Wettbewerb, deswegen bin ich schon zum fünften Mal hier“, so der Mann aus Südtirol.

Nordische Melancholie

Ein Film über Berlusconi soll die Rettung sein Bild: Festival de Cannes

Auch der Finne Aki Kaurismäki ist ein erfolgreicher Festival-Veteran. 2002 sahnte er für „Der Mann ohne Vergangenheit“ gleich drei Preise ab. Jetzt präsentiert er mit „Lights in the Dusk“ den dritten Teil seiner Arbeitslosigkeits-Trilogie mit einem eindinglichen Soundtrack.

In dem melancholischen Drama singt er erneut das Lied des einfachen Mannes. Dieses Mal steht der Nachtwächter Koisinen im Mittelpunkt. „Er durchsucht die unbarmherzige Welt nach einer kleinen Nische, in die er sich zurückziehen kann“, beschreibt der Regisseur den Einzelgänger. „Nach und nach lösen sich all seine Hoffnungen in Luft auf.“

Lost in Helskini: "Lights in the Dusk" Bild: Festival de Cannes

Fatale Einsamkeit

Dem einsamen Koisinen läuft eines Tages die mysteriöse Mirya über den Weg. Er folgt ihr ergeben und nach einigen Verabredungen bringt die Femme fatale ihn schließlich dazu, einen Raubüberfall zu begehen.

„Der Film handelt von Einsamkeit. Es geht um einen Menschen, der niemanden hat, der nicht einmal von jemandem träumt“, bringt Kaurismäki das traurige Thema auf den Punkt. Ob der Filmemacher selbst am Ende des Festivals einen Grund zur Freude hat? Bei seinem minimalistischen Stil scheiden sich die Geister.

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