Nagisa Oshima

Schauspieler • Producer • Regisseur • Drehbuchautor

Leben & Werk

Der Sohn einer ehemals aristokratischen Familie aus Kyoto wurde 1976 weltweit mit dem Skandalfilm „Im Reich der Sinne“ bekannt, einem erotischen Meisterwerk, das international auf Zensurprobleme stieß und in mehreren Ländern verboten wurde. Die in dieser Form nie gesehene Kombination von Sex und Gewalt basiert auf einem wahrem Ereignis von 1936, als eine Geisha einen Mann auf dessen Wunsch hin während des Liebesaktes tötete. Oshima wurde 1932 geboren, verlor früh seinen Vater, musste sich mit der verarmten Mutter durchschlagen und war in seiner Studienzeit Vorsitzender des Studentenverbandes. Er nahm in den 50er Jahren aktiv an den Demonstrationen der neuen, jungen Linken gegen die japanische Nachkriegsgesellschaft teil. Versuche, sich als Redakteur oder Journalist zu etablieren, scheiterten. Eher zögernd übernahm Oshima Regieassistenzen in Tokio, schrieb nebenher Filmkritiken und erkannte seine Berufung. Mit vier 1959 und 1960 gedrehten Filmen (u.a. „Nackte Jugend“ und „Nacht und Nebel über Japan“) wurde Oshima zum Hauptvertreter der „japanischen Nouvelle Vague“ - ein Begriff, den Oshima selbst jedoch ablehnte -, die den nationalen Film in den folgenden zehn Jahren veränderte. In seinen Filmen greift Oshima immer wieder soziale und politische Tabus der Nachkriegsgesellschaft auf und entwickelt einen Stil, bei dem sich Ritualisierung in den Verhaltensweisen und ausgesuchte Bildkompositionen durchdringen. Filme wie „Tod durch Erhängen“ (der Kieslowskis „Ein kurzer Film über das Töten“ vorwegnahm) oder „Die Zeremonie“ (der harsche Kritik an der Familie, als Symbol der japanischen Gesellschaft, übt) machten Oshima auch im Westen bekannt. Oshima versteht die Darstellung von Sexualität und Gewalt als Mittel des Protests gegen die Unterdrückung durch den Staat. Nach dem Erfolg von „Im Reich der Sinne“ entstand 1978 mit „Im Reich der Leidenschaft“ eine Variation des ersten Films, die in Cannes ausgezeichnet wurde. „Merry Christmas, Mr. Lawrence“ (1983) schildert die Konfrontation von japanischen Soldaten und britischen Lagerinsassen während des Zweiten Weltkriegs und ist prominent mit David Bowie, Ryuichi Sakamato und Takeshi Kitano (in seinem Darstellerdebüt) besetzt. „Max mon amour“ (1986) hat die „amour fou“ zwischen einem Schimpansen und einer Diplomatengattin (Charlotte Rampling) zum Thema. Oshima drehte Dokumentationen über seine Heimatstadt (1991) und die japanische Filmgeschichte (1994) und stellte 2000 in Cannes mit „Gohatto - Taboo“ einen Film über die Auflösung der Samurai-Kaste vor. Er verbindet darin das Thema der verbotenen homosexuellen Liebe mit einer meisterhaft stilisierten und minuziös durchdachten Farbdramaturgie. Als Hauptmann der Samurai war Takeshi Kitano einer der vier Hauptdarsteller. Oshimas Essays zum Film liegen in Buchform in deutscher Übersetzung (1982) vor.

Filme und Serien

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