Leben & Werk

Der Iraner Mohsen Makhmalbaf zählt neben Abbas Kiarostami und Majid Majidi zu den bedeutendsten Regisseuren seines Landes. In seinen Arbeiten verbindet sich entschiedene Kritik an der Gesellschaftsordnung, wie sie sich in der Haltung des Irans Frauen, Kindern und Minderheiten gegenüber und in religiösem Fundamentalismus äußert, mit einer Form, die teils streng minimalistisch und halbdokumentarisch vorgeht, teils in rauhen poetischen Bildern und Farbenreichtum schwelgt. Makhmalbaf wurde 1957 in Teheran geboren, wuchs in einfachen Verhältnissen bei den Großeltern auf, verließ mit 15 Jahren die Schule und kämpfte für eine militante Organisation gegen den Schah. 1974 kam er ins Gefängnis. Dort wendete sich der religiöse Eiferer, der Kunst bis dahin als unrein abgelehnt hatte, den Künsten zu. Im Zuge der Revolution von 1979 wurde Makhmalbaf befreit. Er gründete ein Kunstzentrum, zu dem als Filmabteilung das Makhmalbaf Film House gehört. Von der Regierung gefördert, entstanden vier Spielfilme - eindimensionale Loblieder auf die Revolution. Nach und nach löste sich Makhmalbaf von der Indoktrination und inszenierte mit „Radfahrer“ (1987) und „Hochzeit der Auserwählten“ (1989) Filme, die von der Revolution vergessene Schicksale ins Zentrum stellen. Makhmalbaf geriet daraufhin in Konflikt mit der Zensur. Den nächsten Film („Zeit zu lieben“, 1990) musste er in der Türkei drehen. Der Film kam erst fünf Jahre später ins iranische Kino. Mit „Es war ein Mal Kino“ entstand 1992 ein humorvoller und formal eleganter Film, eine überschwengliche Liebeserklärung an das iranische Kino und seine Geschichte. In „Salaam Cinema“ (1995), seinem neunten Film, lädt ein Regisseur (Makhmalbaf selbst) zum Vorsprechen für den nächsten Makhmalbaf-Film. In „Gabbeh“ (1996) dokumentierte Makhmalbaf die Herstellung der titelgebenden Teppiche und die auf ihnen abgebildeten Geschichten und begleitete Nomadenstämme in den Steppen des Iran. Beide Filme wurden in Cannes gezeigt und machten Makhmalbaf international bekannt. Von „Ein Augenblick der Unschuld“ (1997) an arbeitete Makhmalbaf mit französischen Produzenten zusammen. So entstand das in Tadschikistan gedrehte Drama „Sokhout - Die Stille“, ein Meisterwerk um einen blinden Jungen, der die Familie mit ernähren muss, indem er mit seinem feinen Gehör als Stimmer von Saiteninstrumenten arbeitet. Wegen einer Tanzszene durfte der Film nicht im Iran gezeigt werden. Mit dem 2001 im Wettbewerb von Cannes gezeigten Film „Safar e Gandahar - Reise nach Kandahar“ attackierte der Regisseur das Taliban-Regime und erzählte von den Kriegsopfern, Flüchtlingen und rechtlosen Frauen an der iranisch-afghanischen Grenze. Makhmalbafs Tochter Samira, 1980 geboren, wurde 1997 mit ihrem sensationellen Regiedebüt „Der Apfel“ (um zwei elfjährige Mädchen, die sich nach Jahren des Eingesperrtseins an die Freiheit gewöhnen) bekannt. Als jüngste Regisseurin der Geschichte erhielt sie 2000 den Preis der Internationalen Jury in Cannes für „Schwarze Tafeln„: Ein Lehrer sucht an der iran-irakischen Grenze Schüler, die als Schmuggler arbeiten und inmitten von Flüchtlingsströmen verschwinden. Beide Filme wurden von ihrem Vater mitgeschrieben und produziert.

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