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Leben & Werk

Sein zweiter Film „1984“, der im Orwell-Jahr 1984 startete, machte den 1950 in Neu-Dehli als Sohn einer Österreicherin und eines Engländers geborenen Michael Radford weltweit bekannt. Die negative Utopie eines von einem „Big Brother“ genannten Diktator beherrschten, totalitären Überwachungsstaates brachte Radford den François-Truffaut-Award als bester Regisseur und die Goldene Tulpe in Istanbul ein. Die ungewöhnliche, düstere Zukunftsvision, werkgetreu nach George Orwells Roman entstanden, ist jedoch vor allem durch die eindringliche Besetzung mit John Hurt als scheiterndem Auflehner gegen das System und Richard Burton in seiner letzten Rolle als folternder Parteigenosse so überzeugend geworden.

Radford hatte nach seinem Studium in Oxford als einer der ersten Filmstudenten die 1971 gegründete National Film School in London besucht, bevor er nach Dokumentarfilmarbeiten mit dem Spielfilm „Another Time, Another Place“ 1982 in der Regie debütierte. Für die Geschichte von drei neapolitanischen Soldaten, die während des Zweiten Weltkriegs 1944 bei einer jungen schottischen Farmersfrau einquartiert werden, wollte Radford den Schauspieler Massimo Troisi als Hauptdarsteller, was jedoch scheiterte, weil es Troisi zu kalt war. Dafür spielte Troisi zwölf Jahre später in „Der Postmann“ die Hauptrolle des Postboten, der durch die Gedichte des im Exil lebenden chilenischen Poeten Pablo Neruda (Philippe Noiret) eine neue Weltsicht erfährt und die Texte „klaut“, um die Liebe einer Frau zu gewinnen. Troisi („Wie spät ist es?„, „Splendor“) starb einen Tag nach den Dreharbeiten im Alter von nur 41 Jahren an Herzversagen.

Zwischen „1984“ und dem „Postmann“, der für fünf Oscars nominiert war und einen für die beste Musik (Luis Enrique Bacalov) erhielt, konnte Radford, der sich mit TV-Commercials über Wasser hielt, nur die Kolonialsatire „Die letzten Tage in Kenia“ realisieren, in der ein Kriminalfall die britische Gesellschaft aus Society-Löwen, Ehebrechern und heißblütigen Schönen in Afrika (u.a. Greta Scacchi, Sarah Miles, Joss Ackland, Charles Dance) in die Krise treibt.

Mit Asia Argento, der Tochter des italienischen Horrorfilmregisseurs Dario Argento, in der Hauptrolle inszenierte Radford 1997 den Liebesthriller „B. Monkey„, in dem sich ein Lehrer in eine unkonventionelle Diebin verliebt. Doch der Versuch, an den Erfolg von „Der Postmann“ anzuknüpfen, mißlang ihm ebenso wie mit seinem folgenden Film, „Dancing at the Blue Iguana„, der ernüchternd das unglamouröse Leben von fünf Stripperinnen (unter ihnen Daryl Hannah) portraitierte.

Nach einem Beitrag für das Episodenfilmprojekt „Ten Minutes Older - The Cello„, in dem Radford in seinem Segment („Addicted to the Stars“) mit Einsteins Relativitätstheorie spielte, begab er sich mit „Der Kaufmann von Venedig“ auf Klassiker-Terrain: In der opulent ausgestatteten, starbesetzten Shakespeare-Verfilmung glänzt Al Pacino als Jude Shylock, von dem sich der Kaufmann Antonio (Jeremy Irons) Geld leiht, für das er mit einem Pfund Fleisch aus seiner Brust bürgt.

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