Leben & Werk

Deutscher Regisseur und Drehbuchautor. In seinen Spielfilmen geraten Menschen in existenzielle Umbruchsituationen, deren Faszination laut Michael Klier seinem neorealistischen Anspruch entspricht, dramatische Veränderungen an grauen Rändern der Großstadt aufzuspüren. Seine Filme „Überall ist es besser, wo wir nicht sind“ (1988) und „Ostkreuz“ (1991) wurden Vorboten und Begleiter der Wende um 1989/90, verfolgten die Ankunft von jungen Leuten aus dem Osten in West-Berlin. In „Heidi M.“ (2001), letzter Teil der Trilogie, haben die Protagonisten bereits Phasen der Neuorientierung, versuchen Träume und Lebensentwürfe zu verwirklichen: Heidi M. (Katrin Saß), 50, erhält eine zweite Chance. In Kliers Tragikomödie „Alter und Schönheit“ (2008), treffen drei Männer jenseits der 50 (Henry Hübchen, Armin Rohde, Burghart Klaußner) am Krankenbett des Freundes (Peter Lohmeyer) zusammen, um seinen letzten Wunsch zu erfüllen. Klier inszeniert den Stoff ums Älterwerden mit zärtlicher Leichtigkeit.

Michael Klier wurde 1943 in Karlsbad (heute Karlovy Vary) geboren, floh 1947 mit der Familie in die DDR und 1961 in die BRD. Der gelernte Theatermaler verbrachte mehrere Jahre in Paris, wo er das italienische und französische Kino lieben lernte, war eine Zeit lang Profi-Fußballer und studierte ab 1969 Philosophie und Geschichte in Berlin. Bevor er sich als Filmemacher etablierte, war er Darsteller in Filmen von Harun Farocki und Rudolf Thome („System ohne Schatten“) und drehte TV-Porträts von Roberto Rossellini, Joseph Losey, Alexander Kluge, François Truffaut und Wim Wenders. Kliers Dokumentarfilm „Der Riese“ (1983) ist ein Essay über Videoüberwachung, in „Out of America“ (1995) porträtiert er vier schwarze GIs, die nach Abzug der Alliierten aus familiären Gründen in Deutschland blieben.

Mit „Überall ist es besser, wo wir nicht sind“, dessen Titel einem polnischen Sprichwort entlehnt ist, beginnen Kliers von zarter Melancholie bestimmte Erzählungen über Durchgangsstationen. Was die Polen Jerzy und Ewa mit Witz, Organisationstalent und schmutzigen Geschäften erleben, wird in „Ostkreuz“ mit der fünfzehnjährigen Elfie (Laura Tonke), die mit der Mutter aus Ungarn nach Berlin kommt und sich von ihr löst, fortgesetzt. In Kliers „Farland“ (2002/04), spielt Tonke eine Frau, die sich in der Klinik zögerlich einem in ähnlicher Lebenssituation stehenden Mann (Richy Müller) annähert.

Michael Klier inszenierte Kurzfilme, von denen „Ferrari“ (1965) in „Alter und Schönheit“ eine Rolle spielt, Werbefilme und trug zu „99 Euro Films“ (2001) die Episode „Ein Mann boxt sich durch“ (mit Axel Prahl) bei. Er war am Drehbuch der Liebesgeschichte „Der Rote Kakadu“ (2006) beteiligt. In fast allen Filmen führte Sophie Maintigneux die Kamera.

Michael Klier wurde für „Überall…“ und „Ostkreuz“ mit dem Grimme-Preis, für „Ostkreuz“ 1991 in Locarno mit zwei Preisen für die Beste Regie, und mit dem Bayerischen Filmpreis für die Beste Regie ausgezeichnet.

Er lebt in Kleinmachnow bei Berlin.

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