Leben & Werk

In seinen ersten Jahren war er gefeiertes „Wunderkind“ des New Hollywood. 1980 sorgte er jedoch mit einem Western für den Ruin des Hollywood-Studios United Artists und konnte sich im Lauf seiner Karriere nie wieder von diesem Debakel erholen. Michael Cimino, geboren 1943, studierte Architektur und diente bei den „Green Berets“, bevor er als Drehbuchautor mit John Carpenter und John Milius arbeitete. Das Buch zur „Dirty Harry“-Fortsetzung „Calahan“ (1973) gefiel Clint Eastwood, so dass er Cimino 1974 die Regie von „Thunderbolt and Lightfoot - Die letzen beißen die Hunde“ anvertraute. Die rasante Inszenierung dieser Gangsterballade, ihre ironisch gebrochene Handlung um einen alten (Clint Eastwood) und einen jungen Gauner (Jeff Bridges) und die ausnehmend schöne, an John Ford erinnernde Landschaftsfotografie charakterisieren bereits Ciminos Stil. Mit dem jahrelang vorbereiteten Vietnam-Drama „Die durch die Hölle gehen“, dessen erstes und letztes Drittel in der Stahlarbeiterstadt Pittsburgh spielen, hatte Cimino bei Publikum und Kritik Erfolg. Seine Akribie in der Zeichnung der russischen Einwandererkolonie und die Dramatik der Vietnam-Szenen sowie die Hirschjagd, bei der Robert De Niro als Enkel von Kapitän Ahab erscheint, brachten Cimino den Regie-„Oscar“ ein. Sein künstlerisch geschlossenstes, vierstündiges Meisterwerk „Heaven’s Gate„, ein Monumentalwestern von epischer Geschlossenheit, ist eines der großen Werke der Filmgeschichte. Es vereint nach europäischen Maßstäben Luchino Visconti, John Ford und Sam Peckinpah und erzählt eine kapitalismuskritische Geschichte vom historischen Weidekrieg im Johnson County Ende des 19. Jahrhunderts, mit Kris Kristofferson als Marshall zwischen Großgrundbesitzern, Einwanderern, Kleinfarmern und Huren. Aber dieser Abgesang auf amerikanische Ideale verschlang im Lauf seiner kostenintensiven Drehzeiten derart enorme Geldsummen, dass der - überdies in einer über ein Drittel gekürzten Fassung - in den Kinos laufende Film das Desaster von United Artists nicht mehr abwenden konnte. Erst fünf Jahre später konnte Cimino mit dem Cop-Film „Im Jahr des Drachen - Manhattan Massaker“ seine überragenden inszenatorischen Fähigkeiten noch einmal unter Beweis stellen, bevor er mit dem Mafia-Epos um den Sozialrebellen Salvatore Giuliano („Der Sizilianer“), dem Gangsterfilm „24 Stunden in seiner Gewalt„, einem Remake von „An einem Tag wie jeder andere“ (1955), und dem etwas esoterischen, in einem Reservat spielenden Spätwestern „The Sunchaser“ (1996) eine Reihe von unpersönlichen Auftragsarbeiten übernahm.

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