Oscars für Ledger, Winslet und Penn

Ehemalige BEM-Accounts  

Die Nacht der Nächte hat endlich mal wieder gehalten, was man sich von ihr verspricht: ganz große Emotionen!

Die großen Sieger bei den Schauspielern: Heath Ledger, Kate Winslet und Sean Penn Bild: Warner, © A.M.P.A.S.

Was für eine Gala! Moderator Hugh Jackman wirbelte singend, tanzend und feine Pointen abfeuernd durch den Abend, auf der Bühne herrschte ein nie dagewesener Auflauf von Hollywood-Größen und dazu gab’s einen der anrührendsten Momente der Oscar-Geschichte überhaupt – die Worte von Heath Ledgers Schwester Kate, nachdem dieser den Preis als bester Nebendarsteller in „The Dark Knight“ zugesprochen bekam:

„Wir hatten so viel über das gesprochen, was der Joker bedeuten könnte, wir hatten sogar zusammen davon geträumt, vielleicht hier zu stehen – und ich wünschte so sehr, das würdest Du!“ Dafür erntete Kate Ledger feuchte Augen überall im Publikum, von Anne Hathaway bis Robert Downey jr. Vater Kim Ledger bedankte sich beim gesamten Saal für die Standing Ovations: „Dieser Preis bedeutet das, was Heaths größter Wunsch war, nach dem er in aller Bescheidenheit strebte: Von Ihnen allen angenommen und geschätzt zu werden!“ Es war erst der zweite postume Oscar nach Peter Finch 1976.

Heimsten die meisten Goldjungs ein: Danny Boyle, Madhur Mittal, Freida Pinto und Dev Patel für "Slumdog Millionär" Bild: © A.M.P.A.S.

Ich glaub, mein Daddy pfeift!

13 Stars, die zusammen mit ihren Kindern in bekannten Filmen auftraten

Der erfolgreichste Film des Abends war „Slumdog Millionär“ über einen armen indischen Quizteilnehmer, der bei zehn Nominierungen acht Oscars gewann, darunter in den Königskategorien Bester Film und Beste Regie. Danny Boyle grüßte seinen beiden kleinen Kids und sprach allen aus der Seele, als er sagte: „Ich weiß nicht, wie’s am Fernseher rüberkommt, aber die Show heute Abend ist verdammt wundervoll!“

Kate Winslet

Sean Penn fuhr für "Milk" einen Überraschungssieg ein und forderte "Gleichberechtigung für alle Gruppierungen" Bild: © A.M.P.A.S.

Landei vor der Ohnmacht

Etwas überraschend stach bei den Hauptdarstellern Sean Penn als Schwulenrechtler in „Milk“ den Favoriten Mickey Rourke („The Wrestler„) aus. Zuvor hatte Penn die schönste Lobrede des Abends von seinem Laudator Robert De Niro zu hören bekommen: „Heute geht es um den besten Schauspieler, aber im Leben geht es darum, der beste Mensch zu sein. Und das ist mein Freund, Sean Penn, der behutsam Regierungen eine bessere Politik vorschlägt und milde und gütig den Paparazzi seine Überzeugungen näher bringt.“ Darauf meinte Penn: „Ich weiß, ich mache es niemandem leicht, mich zu mögen.“ Auch er spürte wohl, dass man eher mit Rourke als Sieger gerechnet hatte und verabschiedete sich mit den Worten: „Mickey kommt wieder ganz nach oben und er ist mein Bruder!“

Große Worte fand auch Penélope Cruz, die erwartungsgemäß den Preis als beste Nebendarstellerin für ihre energiegeladene, sexy Künstlerin in Woody Allens Liebesgroteske „Vicky Cristina Barcelona“ gewann. „Ich falle hier gleich als erste in Ohnmacht“, scherzte sie erst und erklärte: „Ich habe als Kind immer davon geträumt hier zu stehen, was kein besonders realistischer Traum ist, wenn man in einem Kaff wie Alcobendas lebt. Ich bin als Kind immer aufgeblieben um diese Show anzusehen, weil ich fand, dass dieser Abend die Welt vereint. Kunst ist die Sprache, die die ganze Welt versteht, wir müssen alles tun, was wir können, um sie zu schützen.“

Jochen Freydank bejubelte seinen Überraschungs-Oscar für "Spielzeugland" Bild: © A.M.P.A.S.

Oscar nach Deutschland

Auch für Deutschland gibt es Grund zur Freude: Jochen Alexander Freydank gewann den Oscar für seinen Kurzfilm „Spielzeugland“, in dem eine Mutter 1942 ihrem Sohn erzählt, die jüdischen Nachbarn müssten bald verreisen – ins titelgebende „Spielzeugland“. Der Produzent der TV-Serie „In aller Freundschaft“ erklärte dem US-Publikum: „Ich bin in Ostdeutschland aufgewachsen, also jenseits der Mauer. Da schien Westdeutschland schon unerreichbar – erst Recht, der Ort, an dem ich jetzt hier stehe.“

In der Kategorie nicht-englischsprachiger Film zog dagegen das deutsche RAF-Drama „Der Baader Meinhof Komplex“ überraschend gegen den japanischen Konkurrenten „Departures“ den Kürzeren, in dem ein arbeitsloser Cellist eine Stelle in einem Bestattungsunternehmen annimmt. Hier hatten alle mit einem Sieg des israelischen Beitrags „Waltz with Bashir“ gerechnet. Auch Werner Herzogs Antarktis-Doku „Encounters at the End of the World“ musste „Man on Wire“ über den Drahtseilkünstler Philippe Petit den Vortritt lassen.

Hugh Jackman mit den angesagten Musical-Profis aus "Mamma Mia!", "High School Musical" und "Dreamgirls" zusammen. Bild: © A.M.P.A.S.

13 Chancen, drei Trostpreise

Der größte Verlierer des Abends war aber „Der seltsame Fall des Benjamin Button„, der bei 13 Nominierungen nur drei Oscars gewann, und diese nur in den Nebenkategorien Ausstattung, Make-up und Visual Effects. Das Polit-Drama „Frost/Nixon“ ging bei fünf Chancen sogar komplett leer aus. Zum besten Animationsfilm wurde erwartungsgemäß „WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf“ gekürt.

Gewinner des Abends war aber vor allem auch der Moderator Hugh Jackman, der seine Qualitäten als Musical-Star voll ausspielte – ob in seiner gesungenen Eröffnungspersiflage auf die fünf als bester Film nominierten Werke oder in einem Potpourri aus Musical-Klassikern gemeinsam mit den Jungstars Zac Efron und Vanessa Anne Hudgens aus „High School Musical„, Amanda Seyfried und Dominic Cooper aus „Dominic Cooper“ sowie Beyoncé Knowles. Der gesamten Show war deutlich die Handschrift des neuen Produzenten Bill Condon anzumerken, dem Regisseur von „Dreamgirls„. So spritzig-witzig waren die Oscars seit Jahren nicht mehr.

Was für ein Gruppenbild: Robert De Niro, Michael Douglas, Anthony Hopkins und Ben Kingsley Bild: © A.M.P.A.S.

Geballte Oscar-Power

Auch das große Geheimnis um die Laudatoren, mit dem die Academy das zuletzt erlahmende Interesse an der Verleihungszeremonie neu schüren wollte, wurde mit einem Knalleffekt gelüftet. Statt nur eines einzigen Vorjahresgewinners als Preisüberbringer tummelten sich bei den Darstellern gleich jeweils fünf Oscarpreisträger aus den letzten Jahrzehnten auf der Bühne, die jeweils einen Nominierten vorstellen. Wann sieht man schon mal Robert De Niro, Michael Douglas, Sir Ben Kingsley, Sir Anthony Hopkins und Adrien Brody auf der selben Bühne – oder Sophia Loren mit Shirley MacLaine, Halle Berry, Marion Cotillard und Nicole Kidman.

Daneben glänzten als Überbringer der Goldjungs Natalie Portman, Ben Stiller, Will Smith, Reese Witherspoon, Daniel Craig und Sarah Jessica Parker – sowie Eddie Murphy, der seinem Vorbild, dem Kultkomiker Jerry Lewis, einen Ehrenoscar überreichen durfte.

Den Spruch des Abends brachte aber kein Komiker, sondern der Komponist A. R. Rahman, der für die Musik in „Slumdog Millionär“ geehrt wurde. Er begann seine Dankesrede mit den Worten: „So viel Angst hatte ich das letzte Mal vor meiner Hochzeit!“

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