Bei sieben Nominierungen brachte „Babel“ nur einen Goldjungen ins Ziel. Bessere Quoten verbuchte der mexikanische Konkurrent „Pans Labyrinth“, der drei von fünf möglichen Oscars aus dem Kodak Theatre entführte.

Endlich ein Oscar für Martin Scorsese Bild: © A.M.P.A.S.

Doch der Abend gehörte „The Departed - Unter Feinden„, der bei fünf Nominierungen viermal erfolgreich war, und Florian Henckel von Donnersmarck. Denn der zwei Meter große deutsche Funkturm sendete auch in Hollywood Siegessignale.

Dreamgirls beherrschten wie immer den Roten Teppich. Helen Mirren gab sich in beigem Chiffon aristokratisch wie auch Cate Blanchett, die andere „Elizabeth„, in Lindgrün. Perfekt gestylt bis zum Bauchnabel erschien Penélope Cruz, während weiter südlich die Rüschen bis zum Sunset Boulevard wucherten. Meryl Streep hatte ihre Richtlinien aus „Der Teufel trägt Prada“ von der Festplatte gelöscht und zeigte sich im schwarzen Neo-Kimono, als stünde noch ein Training mit Steven Seagal an.

Die Oscargala als Lady's Night: Nicole Kidman und Naomi Watts Bild: Kurt Krieger

Das Dilemma der Komiker

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7 Stars, denen gesagt wurde, sie seien zu hässlich für Hollywood

Wie gewohnt im Doppelpack erschienen N & N - Naomi Watts in Dottergelb, Nicole Kidman in Feuerrot und mit Schulterschleife im Durchmesser eines Laternenpfahls. Oben ohne gab sich Jack Nicholson, dem nach Nichtnominierung für „The Departed“ offensichtlich die Haare ausgefallen waren.

„Wir haben keine Zeit für langweilige Reden“, gab Moderatorin Ellen DeGeneres die Maxime vor, an die sich dann keiner halten wollte. Auch die blonde Giftschleuder nicht, die ungewohnt gemäßigt wirkte und ihre Wunderwaffe, die Spontaneität, kaum zum Einsatz brachte. Witziger als Ellens gelegentliche Territorialausfälle ins Publikum waren Will Ferrell, Jack Black und John C. Reilly. Singend spottete das Trio über das Dilemma aller Komiker, nie ernst genommen zu werden, was sie daran hindern würde, nicht nur mit einem Oscar, sondern auch mit Helen Mirren nach Hause gehen zu dürfen.

Als deutsche Botschafter in Hollywood unterwegs: Ulrich Mühe und Sebastian Koch Bild: Kurt Krieger

Überraschtes Dreamgirl

Die Britin war die Ballkönigin, machte überzeugend Werbung für Herbsterotik und holte sich den überfälligen Oscar für ihre Monarchin wie Forest Whitaker den seinen für Diktator Idi Amin in „Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht„. Gut vorstellbar, dass der leicht enttäuschte Kampftrinker Peter O’Toole nach dieser Entscheidung in die nächste Bar einfiel - so wie einst „Lawrence von Arabien“ in Akaba. Überrascht von ihrem Oscar als Beste Nebendarstellerin zeigte sich „DreamgirlJennifer Hudson, während Alan Arkin bei den Männern wie ein Staubsaugervertreter seine Rede hielt, der jeglicher Witz von „Little Miss Sunshine“ fehlte.

Animierend dagegen der Auftritt von Florian Henckel von Donnersmarck, der mit dem Triumph über „Pans Labyrinth“ Werbung für seinen Film wie auch für sich als verletzungsfrei Englisch sprechender Deutscher machte. Gerührt, aber als Einziger konsequent in der Muttersprache, bedankte sich Ennio Morricone für seinen Ehrenoscar und wurde kurz darauf Zeuge, wie Gustavo Santaolalla für „Babel“ zum zweiten Mal in Folge genau den Oscar gewann, der Morricone immer verwehrt geblieben war.

Trat mit "Pans Labyrinth" an: Guillermo Del Toro Bild: Kurt Krieger

Schnellsprecher Scorsese

Endlich erfolgreich war dagegen ein weiterer Veteran, dem das TitanentrioGeorge Lucas, Steven Spielberg und Francis Ford Coppola die Statue überreichte. Martin Scorsese war der Einzige, der dank MG-Rhetorik in seiner Redezeit das Doppelte an Infos unterbrachte - und gleichzeitig auch der beste Darsteller, weil er sich von Nicholson lächelnd umarmen ließ, obwohl ihn der Superstar beim Dreh in den Wahnsinn getrieben hatte.

Als sich „The Departed“ auch noch mit dem Oscar als bester Film davonmachte, war Mexikos Angriff auf Kalifornien endgültig abgewehrt. Dabei war „Children of Men„, der vielleicht überzeugendste Film 2006 und ebenfalls von einem Mexikaner inszeniert, nur in Nebenkategorien wie Schnitt oder Kamera nominiert. Und das ist, um es mit Oscargast Al Gore zu sagen, „Eine unbequeme Wahrheit„.

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