Meret Becker

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Leben & Werk

Die Kindfrau des deutschen Films der 90er-Jahre, überrascht Meret Becker als kantige Lolita weniger mit verführerischer zielsicherer Strategie als mit unruhig unsicherer Suche nach Fixpunkten. Stets bricht sie ihre Rollen, bringt Clowneskes und Punkhaftes ein und scheint oft nicht da zu sein, träumerisch sich über den Alltag hinwegsetzend. So war ihre Bahnhofshure in Doris Dörries Frankfurt-Krimi „Happy Birthday, Türke!“ angelegt, so rannte sie als Kleinkünstlerin mit der singenden Säge in „Kleine Haie“ durch München, und so war sie im Berliner Milieu der 20er- und 30er-Jahre in „Comedian Harmonists“ die Freundin von Ulrich Noethen.

Häufig tritt Becker als Malocherin auf, in einem Schlachthof in „Das Leben ist eine Baustelle„, als friesisches Landmädel in „Das Gelbe vom Ei“ oder als Arbeiterin in „Der Einstein des Sex„. Für ihre Partner ist Meret Becker die gefährliche Freundin: In „Der Blaue“ versuchte ihr Vater (Manfred Krug), ihren Geliebten (Ulrich Mühe) beseitigen zu lassen, in „Die Sieger“ (dafür Bayerischer Filmpreis 1994) spielte sie die Witwe eines Polizisten, der dann doch nicht tot ist und wieder auf der Bildfläche erscheint, und in Margarethe von Trottas „Das Versprechen“ (dafür Bayerischer Filmpreis 1995) war sie die junge Sophie, die aus Ost-Berlin flieht, ihren zu spät gekommenen Freund in der DDR zurücklässt, im Westen bleibt und den Prager Frühling erlebt.

Becker prägt Rollen in Ensemblefilmen wie „Rossini“ (als lesbische Schauspielerin im Kellertheater und Geliebte von Veronica Ferres) ebenso wie Hauptrollen (als Altenheimpflegerin in dem TV-Film „Die Schamlosen“). Sie war in der trashigen Actioncomedy „Mutti - Der Film“ der Berliner Kabaretttruppe vom Teufelsberg ebenso zu sehen wie in Ralf Schmerbergs „Poem“ als eine der Vortragenden von 19 deutschen Gedichten. In Tomy Wiegands Gaunerkomödie „Polly Blue Eyes“ spielte sie die reichlich naive Mutter in einer durch und durch kriminellen Kleingangsterfamilie.

Becker ist die Tochter des Schauspielers Rolf Becker und der Schauspielerin Marion Hansen und Schwester von Ben Becker. Nach der Trennung der Eltern (als sie fünf war) wurde sie die Stieftochter von Otto Sander. Mit 17 schmiss sie die Schule, heiratete in Las Vegas den Gitarristen der Gruppe „Einstürzende Neubauten“ und trat in Berliner Kabaretts und Variétés auf. Später verfolgte sie parallel zu ihren zahlreichen TV- und Filmauftritten in vielen Nebenrollen eine Karriere als Sängerin und veranstaltete zahlreiche Liederabende mit selbst geschriebenen Songs. 2004 wurde sie beim Saarbrücker Filmfestival Max-Ophüls-Preis für ihre Musik zu der Coming-of-Age-Geschichte „PiperMint… das Leben, möglicherweise“ ausgezeichnet.

Zur Berliner Szene gehörend, ist Becker für Spontanentscheidungen wie ein TV-Ständchen zu Billy Wilders 95. Geburtstag 2001 oder Nacktaufnahmen im Ambiente der 20er-Jahre im „Playboy“ (November 1999) bekannt.

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