Mathieu Kassovitz

Mathieu Kassovitz

Leben & Werk

Sein zweiter Spielfilm als Regisseur explodierte 1995 als bis dahin nicht gesehener Trip in die “banlieue” von Paris, die Bannmeile der Vororte, wo die sozialen Zeitbomben ticken, die Jugendlichen sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern und Gewalt an der Tagesordnung ist. “Haine – Hass” hieß der in schwarzweiß und Cinemascope gedrehte Film über den Status quo, der Mathieu Kassovitz den “Regiepreis des Festivals von Cannes” einbrachte und Vincent Cassel als Vinz, der einen Polizisten erschießen will, zum Star machte.

Zwei Jahre später legte Kassovitz mit “Assassin(s)” wieder einen umstrittenen Film vor: Die Geschichte um die Freundschaft eines jungen (Kassovitz) und eines alten Profikillers (Michel Serrault) und die Gier der Medien nach mörderischem Stoff blieb in Cannes ohne Preis. Mit “Die purpurnen Flüsse” wandte sich Kassovitz 2000 völlig dem Genrefilm zu und landete in Frankreich mit dem Action-Thriller einen Millionenhit. In einer Universitätsstadt in den Alpen stößt ein bärbeißiger Kommissar (Jean Reno) bei seinen Ermittlungen in einem Mordfall auf eine Mauer des Schweigens, während in Paris ein junger Kollege (Vincent Cassel) eine Grabschändung untersucht. Beide Fälle hängen zusammen, die Morde häufen sich, die Geschichte einer Rache wird entwickelt, und das Finale findet auf einem Gletscher statt.

Auf “Die purpurnen Flüsse” ließ Kassovitz als Schauspieler gleich den nächsten großen Erfolg folgen: In “Die fabelhafte Welt der Amélie” verfällt er dem Charme der zauberhaften Audrey Tautou – und mit ihm allein über 3 Millionen Kinozuschauer in Deutschland. Auf internationales Terrain begeben sich die Freunde Kassovitz und Cassel in “Birthday Girl” als russische “Cousins” von Katalogbraut Nicole Kidman. Und als aufrechter Ethiker Ricardo und Gegenspieler von Ulrich Tukur brilliert der Franzose in Costa-Gavras brisanter Adaption von Rolf Hochhuths Polit-Thriller “Der Stellvertreter”, der auf der Berlinale 2002 uraufgeführt wurde.

2003 gelang es ihm, Stars wie Halle Berry und Robert Downey Jr. für seinen Horrorfilm “Gothika” zu casten. In der atmosphärisch dichten Inszenierung gerät eine Psychologin nach einem Gedächtnisverlust in den Verdacht, ihren eigenen Mann bestialisch ermordet zu haben. Nach Mitwirkung in Steven Spielbergs Drama “München” und Produktionsengagements in Daniel Cohens “Les deux mondes” sowie dem Actionfilm “Nèg Maron” brachte Kassovitz 2008 den Science-Fiction-Film “Babylon A. D.” auf die Leinwand. Vin Diesel spielt den Söldner Toorop, der von Mafiaboss Gorsky (Gérard Depardieu) beauftragt wird, eine junge Frau innerhalb weniger Tage von Russland nach Amerika zu begleiten.

Kassovitz wurde 1967 in Paris geboren und begann neben der Schauspielerei mit Kurzfilmen. Mit 25 drehte er 1992 sein Debüt “Métisse – Lola liebt’s schwarzweiß”, in dem eine 18jährige Mulattin einen weißen (Kassovitz) und einen schwarzen Liebhaber hat. 1995 erhielt er den “César” als bester Nachwuchsdarsteller für seine Rolle in Jacques Audiards “Série Noire”-Krimi “Regarde les hommes tomber – Wenn Männer fallen”, in dem er einen schäbigen jungen Gauner spielte, der an der Seite der älteren Kriminellen (Jean-Louis Trintignant und Jean Yanne) nichts als überleben will. Mathieu Kassovitz hat mit Julie Mauduech eine gemeinsame Tochter. Das Paar lebt mittlerweile getrennt.

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