MCU in der Kritik: „Irishman“-Regisseur befeuert die Superheldenfilm-Debatte

Author: Teresa OttoTeresa Otto |

Die Debatte um die MCU-Filme und ihre Berechtigung in der Filmwelt lässt Altmeister Martin Scorsese nicht zur Ruhe kommen.

Im Oktober 2019 bezeichnete Oscar-Preisträger Martin Scorsese in einem Interview mit dem Empire-Magazin die Filme aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) als „kein Kino“, wie wir berichteten. Damit begann eine Diskussion, in die sich viele Regisseure einschalteten, ganz gleich ob Altmeister wie Francis Ford Coppola („Apocalypse Now“), oder auch MCU-Regisseure wie James Gunn („Guardians of the Galaxy“) und Jon Favreau („Iron Man“). Die Meinungen scheinen festgefahren.

Martin Scorsese holt erneut aus: MCU sei „ohne Risiken“

In einem Meinungsartikel meldete sich Martin Scorsese nun erneut zu Wort, zu lesen bei der New York Times mit dem Titel „Martin Scorsese: Ich habe gesagt Marvel-Filme sein kein Kino. Lasst mich erklären.

Darin erklärt der 76-jährige Filmemacher seinen Groll auf die Filme des MCU zunächst, indem er auf eigene Inspirationsquellen wie Alfred Hitchcock, Ingmar Bergman und Jean-Luc Godard eingeht, die mit Filmen wie „Das Fenster zum Hof“, „Persona“ und „Die Geschichte der Nana S.“ das Publikum herausgefordert haben und zugleich die damalige Generation an Filmemachern inspiriert haben.

In den Filmen des MCU finde man zwar Elemente daraus wieder, nach denen Scorsese den Begriff „Kino“ definiert. Doch der entscheidende Unterschied kommt durch die formelhafte Wiederholung.

„Was fehlt ist Offenbarung, Mysterien oder eine ernsthafte emotionale Gefahr. Nichts ist in Gefahr. Die Filme werden produziert, um spezifische Anforderungen zu befriedigen und werden als Variationen einer vorbestimmten Anzahl von Themen konzipiert.

Es sind Fortsetzungen im Namen, doch eigentlich Neuverfilmungen im Geiste, und alles an ihnen wird dadurch sanktioniert, das nichts anderes gebraucht wird. Das ist die Natur des modernen Film-Franchise: am Markt erforscht, beim Publikum getestet, überprüft, verändert, erneut überprüft und erneut verändert, bis sie fertig für den Verkauf sind.“

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Franchise-Filme und die brutale Realität der Kinos

Scorsese warnt davor, dass Fortsetzungen, Neuauflagen und Franchise-Filme die primäre Auswahl im Filmkonsum heutiger Kinozuschauer sind. Die Kinos konzentrieren sich auf Fortsetzungen, immer weniger Independent-Produktionen werden gezeigt. Durch die Verstärkung des Streaming-Sektors haben Filmemacher der alten Schule wie Scorsese und Coppola, aber auch Spike Lee, Kathryn Bigelow und Ari Aster weniger Möglichkeiten, ihre fordernden Filme auf großen Leinwänden zu zeigen.

Mit „The Irishman“ produziert Scorsese selbst einen Film für Netflix, Streaming-Start am 27. November 2019. In seinem Meinungsartikel betont er, dass er sich darüber freue, den Film in ausgewählten Kinos zeigen zu können und gibt zugleich die brutale Realität wieder, dass kein anderes Studio den Film nach seinen Vorstellungen produziert hätte, wie es Netflix bewerkstelligt habe.

Der „Irishman“-Regisseur sagt selbst, dass es nicht mehr nur um Angebot und Nachfrage geht. „Wenn man den Leuten nur eine Sache anbietet und ihnen fortan weiterhin nur eine Sache anbietet, möchten sie natürlich nur diese eine Sache.“ Scorsese hat Angst davor, dass die finanzielle Dominanz wichtiger gestuft werde, als die Definition von „Kino“ mit der Scorsese aufgewachsen ist. Es werde somit für junge Filmemacher immer schwieriger, in der heutigen Filmlandschaft Fuß zu fassen.

MCU-Filme bleiben unbenannt, ebenso Gegenbeispiel „Joker“

In seinem Meinungsartikel rechnet Scorsese zunächst nur mit den Marvel-Filmen und großen Franchise-Produktionen direkt ab. Dabei benennt der Oscar-Preisträger keine einzelnen MCU-Filme wie „Avengers: Endgame“, immerhin der erfolgreichste Kinofilm aller Zeiten, namentlich. Zugleich lässt er Franchise-Filme von Regie-Kollegen wie Steven Spielberg („Jurassic Park“) und James Cameron („Avatar“) außen vor.

Dass das Publikum sich aktuell jedoch auch einer Mischformel zuwenden kann, die sowohl den Zuschauer herausfordert, als auch im Superhelden-Genre verankert ist, beweist „Joker“. Der Film zeigt trotz kontroverser Kritiken im Vorfeld, dass das Publikum einem unkonventionellen Film gegenüber nicht abgeneigt ist. Der Weltrekord als am meisten besuchter R-Rating-Film ist bereits sicher, aktuell steuert „Joker“ auf die Eine-Milliarde-US-Dollar-Umsatzmarke zu. Klare Inspirationsquelle für die Adaption waren für Regisseur Todd Philipps die Scorsese-Filme „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“ und „The King of Comedy“.

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