Martin Scorsese

Martin Scorsese

Leben & Werk

Seine Helden sind schwarze Engel, Schuld und Katholizismus bestimmen ihr Schicksal. Die Gewaltbereitschaft der Figuren von Martin Scorsese entsteht aus Frustrationen und den Enttäuschungen des modernen Großstadtlebens, die Gefühlskälte ihrer Umwelt macht sie „kaputt“, bis sie explodieren und in einem Ausbruch von Gewalttätigkeit und Brutalität wie besessen zur Tat schreiten. Häufig autistisch, manchmal obsessiv, nehmen die Helden von Martin Scorseses Filmen geradewegs ihren Lauf durch das Fegefeuer, bis sie Erlösung finden, oft im Tod.

Martin Scorsese, geboren 1942 in Little Italy, New York, wurde wesentlich durch das italo-amerikanische Milieu sowie durch die katholische Religion geprägt. Nach einem Filmstudium und einigen Kurzfilmen arbeitete er unter anderem als Cutter bei dem Musikfilm „Woodstock“. Sein in sechs Jahren Arbeit entstandenes Debüt „Who’s That Knockin‘ on My Door“, beeinflusst von der „Nouvelle Vague“, fand nur einen Verleih, weil er 1969 eine Nacktszene einfügte. Sein zweiter Film „Boxcar Bertha„, ein Gewerkschaftsdrama, wurde von Roger Corman, Förderer vieler Talente des New Hollywood, produziert.

Mit „Mean Streets“ fand Scorsese seinen persönlichen Stil aus kaskadenartiger Montage, Gewalt und Leidenschaft. Für sein Meisterwerk „Taxi Driver“, in dem Robert De Niro als Vietnamveteran eine junge Hure retten will, erhielt Scorsese 1976 die Goldene Palme von Cannes. Seine Vielseitigkeit und an musikalischen Strukturen orientierte Kunst erprobte Scorsese mit dem Musical „New York, New York“ und dem Dokumentarfilm „The Last Waltz“ über das Abschiedskonzert der Gruppe „The Band“.

Komödien („Die Zeit nach Mitternacht“), Kostümfilme und Literaturadaptionen („Zeit der Unschuld“), Filme über religiöse Themen („Kundun“) und der Spielerfilm „Die Farbe des Geldes“ (eine Fortführung von Robert Rossens „Haie der Großstadt„) weisen Scorsese als vielseitigen Stilisten aus, der Remakes von Thrillern („Kap der Angst“) ebenso virtuos bewältigt wie die Mafiafilme, mit denen sein Name meist verbunden ist („Good Fellas“, „Casino“). Seine Verfilmung von Nikos Kazantzakis‘ Roman „Die letzte Versuchung Christi“ löste in den USA Proteste religiöser Fundamentalisten aus. In einer dreiteiligen TV-Dokumentation führte Scorsese 1995 durch die amerikanische Filmgeschichte, von 2001 bis 2003 produzierte er die auf sieben Filme angelegte Musikdokureihe „The Blues“ und übernahm für einen Teil selbst Regie.

1999 kehrte Scorsese mit Anklängen an „Taxi Driver“ auf die Straßen New Yorks zurück und schilderte in „Bringing Out the Dead“ 72 Stunden im Leben eines Ambulanzfahrers (Nicolas Cage), der von den Geistern der Menschen verfolgt wird, die er nicht retten konnte. Einem früheren Zeitalter der Stadt widmete sich Scorsese in „Gangs of New York„: Sein monumentaler Bilderrausch zeigt einen schmutzigen, von Bandenkriegen geprägten Hexenkessel, in dem sich Daniel Day Lewis und Leonardo DiCaprio duellieren. Auf letzteren griff Scorsese auch für „Aviator“, das epische Portrait des Filmmoguls und Flugpioniers Howard Hughes zurück.

2007 erhielt Scorses nach der sechsten Nominierung endlich einen hochverdienten Oscar für den Gangsterfilm „Departed – Unter Feinden„. Hochkarätig besetzt (Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson) und voll der vertrauten Virtuosität erwies sich der Film als Filmpreis-Abräumer (Saturn Award, BSFC Award, DGA Award). Mit seinem Porträtfilm über die Rolling Stones, „Shine a Light“, kehrte er zum Doku-Genre zurück und eröffnete damit 2008 die 58. Berlinale.

1997 erhielt Scorsese als jüngster Regisseur den Life Achievement Award des American Film Institute. Er ist zum fünften Mal verheiratet (seine zweite Ehefrau war von 1979 bis 1983 Isabella Rossellini) und hatte 1977 eine Affäre mit Liza Minnelli. Seine 1999 geborene Tochter Francesca Scorsese aus der Ehe mit Helen Morris spielte sowohl in „Aviator“ als auch in „Departed – Unter Feinden“ mit.

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