Leben & Werk

Sensible Schilderungen schwieriger menschlicher Charaktere waren die Spezialität des Regisseurs Martin Ritt (1920 - 1990), der sich in über 30 Filmen den Ruf eines „denkenden“ Filmemachers erwarb. „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (1965), eine Verfilmung des Romans von John Le Carré, in dem Doppelagent Leamas (Richard Burton) bei der Flucht über die Berliner Mauer erschossen wird, gilt als der beste Spionagefilm der Filmgeschichte und ist in seiner Komplexität unerreicht. Ritt brachte Sally Field als Gewerkschaftlerin in „Norma Rae“ den „Oscar“ als beste Hauptdarstellerin, Paul Newman als rebellischen Ranchersohn in „Der Wildeste unter Tausend“ eine „Oscar“-Nominierung, Paul Winfield als schwarzen Landarbeiter in „Sounder - Das Jahr ohne Vater“ (auch „Oscar“-nominiert als bester Film) eine „Oscar“-Nominierung und ebenso Mary Steenburgen als Schriftstellerin in den Südstaaten in „Cross Creek“ eine „Oscar“-Nominierung, was für seine Schauspielführung spricht. Ritt inszenierte teils nach Romanvorlagen berühmter Autoren wie William Faulkner („Der lange heiße Sommer“, „Fluch des Südens“) und wagte 1964 ein Western-Remake von Akira Kurosawas Meisterwerk „Rashomon“ als „Carrasco, der Schänder„, in dem Ritts Lieblingsschauspieler Paul Newman die Hauptrolle des Banditen spielte. Newman war in „Man nannte ihn Hombre„, einem der besten Western der 60er Jahre, der Indianer, der eine ausgeraubte weiße Reisegesellschaft durch die Wüste führt und vor Banditen rettet, indem er sich opfert. In vielen Genres leistete Ritt ungewöhnliche Beiträge, so im Gewerkschafterfilm „Ein Mann besiegt die Angst„, im Bergarbeiterfilm mit „Verflucht bis zum Jüngsten Tag“ (mit Sean Connery und Richard Harris), im Mafia-Film („Bei Auftrag: Mord“, mit Kirk Douglas) , im Jazz-Film („Paris Blues“, mit Paul Newman) oder im Boxerfilm („Die große weiße Hoffnung„). Viele Filme Ritts waren trotz ihres sozialen Realismus, differenzierter Charaktere, brisanter Themen und professionellen Machart nicht so erfolgreich, wie erhofft. Sein letzter Film „Stanley & Iris„, mit Jane Fonda und Robert De Niro, behandelt das Problem des Analphabetismus. Zu seinen besten Arbeiten zählt eine satirische Abrechnung mit der McCarthy-Zeit der kommunistischen Hexenjagd: „Der Strohmann“, mit Woody Allen in der Titelrolle, schildert die Auswirkungen des Berufsverbots auf Künstler und greift auf Erfahrungen einiger am Film Beteiligter (z.B. Komiker Zero Mostel) zurück. Ritt, der als Schauspieler begonnen hatte und als Protegé von Elia Kazan selbst Schauspielunterricht gab, wobei Paul Newman einer seiner Schüler war, spielte in der Friedrich-Dürrenmatt-Verfilmung „Der Richter und sein Henker“ von Maximilian Schell die Hauptrolle. In einem Interview bedauerte er, dass Thriller mit reißerischen Handlungen eher beim Zuschauer ankommen, als schön erzählte Geschichten, für die die Menschen keine Zeit mehr aufbrächten.

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