Leben & Werk

Er provozierte zeit seines Filmschaffens mit seinen ungewöhnlichen Filmen, von seinem bekanntesten Werk „Das große Fressen“ bis zu „Fleisch“, in dem ein Mann seine Geliebte zeitweise in der Hundehütte hält. Marco Ferreri (1928-1997) brach das Studium der Tiermedizin ab, arbeitete als Spirituosenhändler und Werbekaufmann und produzierte seit 1951 das Filmmagazin „Documento mensile“, für das u.a. Fellini und Visconti Kurzbeiträge lieferten. Da er in Italien nicht über Drehbücher, Assistenzen und Schauspielerei hinauskam, ging Ferreri nach Spanien und verkaufte optische Geräte für Filmstudios. In Spanien lernte er den Drehbuchautor Rafael Azcona kennen, mit dem er mehrfach arbeitete. Seinem Regiedebüt „Die kleine Wohnung“ folgte 1959 „Los Chicos“, über Jugendliche in den Slums, der verboten wurde. Zurück in Italien, drehte Ferreri einige makaber-sarkastische Ehekomödien, die um den Mann als Hahnrei kreisen und die italienische Ehegesetzgebung sowie das Matriarchat kritisieren. Die bekannteste dieser im spätneorealistischen Stil gedrehten Satiren wurde „Die Bienenkönigin“ (1963, Buch: Azcona), in dem Ugo Tognazzi von der sexuell unersättlichen Marina Vlady in die Impotenz getrieben wird. Im Gegenzug erschießt Unternehmer Michel Piccoli in „Dillinger ist tot“ seine Ehefrau (Anita Pallenberg) und schifft sich nach Tahiti ein. Ferreris Meisterwerk „Das große Fressen“ (1973), in dem sich Marcello Mastroianni, Michel Piccoli, Ugo Tognazzi und Philippe Noiret in einer Villa einschließen und systematisch zu Tode fressen, war einer der großen Skandalfilme der 70er-Jahre, der in seiner Kritik an der saturierten Gesellschaft die Selbstzerstörung als einzige Alternative sieht. Gérard Depardieu schneidet sich in „Die letzte Frau“ (1975) mit einer Brotsäge den Penis ab, in „Affentraum“ kommuniziert er nur noch durch eine Trillerpfeife. Als Alternative zu den zivilisationskritischen Filmen entstand „Mein Asyl“ (1980), in dem Roberto Benigni als Kindergartenlehrer in Bologna mit Phantasie und Experimentierwillen Freiräume erkämpfen will. Doch schon „Ganz normal verrückt“, in dem Ben Gazzara den Schriftsteller Charles Bukowski spielte, der nie die Offenbarung des Mysteriums Frau erlebt, nahm die Utopie zurück, zeigte an der sich selbst an der Vagina verstümmelnden Prostituierten (Ornella Muti, eine von Ferreris Lieblingsschauspielerinnen) die scharfe Trennung von Mann und Frau. Mit Hanna Schygulla in der Hauptrolle entstanden in den 80er-Jahren „Die Geschichte der Piera“ und „Die Zukunft heißt Frau„, in beiden huldigte er der feministischen Kultur jener Jahre, in deren Körperkult Ferreri Möglichkeiten zu einer besseren Welt angelegt sah. Im Umkehrschluss verliebt sich Christopher Lambert in „I love you“ in einen Schlüsselanhänger mit Frauengesicht, der auf Pfeifen mit „I love you“ reagiert. In „Carne - Fleisch“ schließlich zieht sich ein Barpianist (Sergio Castellito) mit der üppigen Francesca (Francesca Dellera) in ein Haus am Meer zurück, tötet die Geliebte nach ausgiebigen Sex- und Fressorgien und beginnt, sie zu verspeisen. Sex im Altersheim in „Haus der Freuden“ (1990), in dem Ingrid Thulin angesichts des Todes aufzublühen scheint, beschloss Ferreris provokative Geschlechterkämpfe. Der Film wurde 1991 in Berlin mit dem „Goldenen Bären“ ausgezeichnet, zugleich auch eine Würdigung von Ferreris Gesamtwerk.

Filme und Serien

Videos und Bilder

News und Stories

Wird oft zusammen gesucht

Kommentare