Leben & Werk

Das „Auge des Jahrhunderts“ wird der Spanier Luis Buñuel (1900 – 1983) genannt, der in seinem mit Salvador Dali gestalteten surrealistischen Debütfilm 1928 mit einer Rasierklinge durch den Augapfel einer Frau zu schneiden scheint. Das Prinzip dieser „image-chocs“ innerhalb assoziativer Bildfolgen variierte Buñuel, der damit am Beginn subversiven Filmschaffens steht und Generationen von Filmemachern bis zu David Lynch beeinflusst hatte, im Folgefilm „Das goldene Zeitalter“, wobei er diesmal Kirche und Bourgeoisie zur Zielscheibe seiner satirischen, visuellen Attacken machte.

Buñuel wurde in einer Jesuiten-Schule erzogen, gehörte zu dem berühmten Freundeskreis spanischer Künstler um Federico Garcia Lorca und arbeitete in Paris als Regieassistent, bis er mit dem Geld seiner Mutter das Skandaldebüt „Un chien andalou“ realisieren konnte, den surrealistischen Film schlechthin. Buñuel drehte 1932 den Dokumentarfilm „Las Hurdes“ über eine arme Bergregion und ging 1939, nach dem Sieg General Francos im Spanischen Bürgerkrieg, in die USA, wo er im Museum of Modern Art Arbeit fand. 1949 ging er nach Mexiko und inszenierte zehn Jahre mit niedrigstem Budget Filme, deren schnörkelloser Stil mit Buñuels schwarzem Humor eine geniale Einheit einging. Zu den bedeutendsten Filmen dieser Epoche zählen das Slum- und Jugenddrama „Los Olvidados„, in das Buñuel Charakteristika seiner Bildsprache wie Träume, Insekten und Hühner, einbringt, „Das verbrecherische Leben des Archibaldo de la Cruz„, der wie viele andere Filme Bunuels dem Fetischismus als Lustprinzip gehorcht und Frauenbeinen huldigt (und in Pedro Almodócars „Live Flesh“ zitiert wird), und „El“, in dem Bunuel die befreiende Kraft sexueller Leidenschaft feiert. In „Nazarin“ schildert er das Scheitern eines Priesters und christlicher Caritas.

In Spanien hatte Buñuel Zensurprobleme mit „Viridiana„, der Geschichte einer Novizin, die verboten wurde. Wieder in Mexiko, entstand mit „Der Würgeengel“, in dem Personen einen Raum nicht verlassen können, eine weitere bürgerliche Provokation. Von 1964 an arbeitete Buñuel mit französischen Produzenten und drehte mit Jeanne Moreau „Tagebuch einer Kammerzofe“, mit Catherine Deneuve „Belle de Jour“ und „Tristana„, mit „Die Milchstraße“ eine höhnische Satire auf die Kirchengeschichte, und mit den sprichwörtlich gewordenen Filmen „Der diskrete Charme der Bourgeoisie„, „Das Gespenst der Freiheit“ und „Dieses obskure Objekt der Begierde“ weitere elegante Satiren auf Bürgertum und Kirche und erklärte sein Filmschaffen für beendet.

1982 erschien seine äußerst witzige und ironische Autobiographie „Mein letzter Seufzer“. Buñuels Interviews, Essays, Filmkritiken und Gespräche sind in mehreren Büchern veröffentlicht. Sein Sohn Juan ist ebenfalls Filmregisseur.

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