Luchino Visconti

Schauspieler • Producer • Musiker • Regisseur • Drehbuchautor
Luchino Visconti Poster

Leben & Werk

Neben Federico Fellini war Visconti der wichtigste Regisseur der italienischen und einer der bedeutendsten der europäischen Filmgeschichte. Luchino Visconti (1906 – 1976), der Mitbegründer des Neorealismus, der sich wie Fellini später von der Stilrichtung abwandte und in Filmen von großer epischer Kraft Schönheit, Tod, Verfall und die Dekadenz und Morbidität des Adels und des Großbürgertums in ausgeklügelten Arrangements ausbreitete, entstammte einer mailändischen Fürstenfamilie, die ihre Vorfahren bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen konnte. Er war ein kulturell gebildeter Mann und politisch Marxist, dessen Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen sich nicht erfüllten. Visconti arbeitete als Regieassistent von Jean Renoir, und begründete mit „Ossessione“ (1942), der in die Po-Ebene verlegten Verfilmung von James M. Cains „The Postman always Rings Twice“, den Neorealismus, in dem er den gelackten Komödien und Melodramen der Zeit ein Bild von Mord, Armut, Gier, Leidenschaft und zerstörerischer Kraft eines Tramps und einer Ehebrecherin entgegensetzte. Der Film wurde nur gekürzt freigegeben. Nach dem Krieg drehte Visconti mit Franco Zeffirelli, seinem damaligen Geliebten, und Francesco Rosi als Regieassistenten, auf Sizilien das Fischerdrama „Die Erde bebt„, und mit Anna Magnani „Bellissima“, eine Satire auf das Filmgeschäft und die unerfüllten Träume der armen Leute in der Not der Nachkriegszeit. Spätestens mit „Senso“ (1954), in dem sich eine Gräfin während der italienischen Befreiungskriege in einen Deserteur verliebt, demonstrierte Visconti seine außerordentliche Fähigkeit, melodramatische Stoffe opernhaft mit visueller Opulenz als große Abschiedssymphonien zu komponieren. „Rocco und seine Brüder„, in dem eine süditalienische Familie in Mailand zerbricht, steht zwischen neorealistischen Tendenzen und dem epischen Bilderreigen, der seinen Höhepunkt in Viscontis größtem Meisterwerk, in „Der Leopard“, findet, der als einer der schönsten Filme aller Zeiten gilt und auch international trotz Kürzungen durch den Verleih, ein Erfolg wurde und die Goldene Palme von Cannes erhielt. „Der Leopard“, mit der Traumbesetzung Burt Lancaster, Alain Delon und Claudia Cardinale, malt in einem prächtigen Familienepos den Übergang vom Feudalismus zur bürgerlichen Gesellschaft mit kostbaren Szenen, von denen die 45-minütige Ballsequenz, die noch Martin Scorsese und Michael Cimino beeinflussen sollte, nie wieder erreicht wurde. Mit „Die Verdammten“ (über die Ruhrbarone unter dem Faschismus), „Tod in Venedig“ (Verfilmung der Novelle von Thomas Mann) und „Ludwig II.“ (Helmut Berger als Märchenkönig der Bayern) schafft Visconti in seiner „deutschen Trilogie“ Bilder von dekadenter Todessehnsucht und Glanz im Angesicht des Untergangs. Die besonders in Deutschland heftig diskutierten Filme erweisen sich als zeitüberdauernd und, auch in der Zeichung von Sexualität und Faschismus, als modellbildend. „Gewalt und Leidenschaft“ und „Die Unschuld“, den er im Rollstuhl vollendet, waren Viscontis letzte Werke. Der Regisseur war international auch renommiert durch seine Operninszenierungen, unter anderem mit Maria Callas. 1971 erhielt er in Cannes einen Spezialpreis für sein Gesamtwerk.

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