Luc Dardenne

Luc Dardenne

Leben & Werk

Belgische Regisseure, Drehbuchautoren und Produzenten. Die wallonischen Brüder Dardenne gehören zu den bedeutendsten Autorenfilmern des Gegenwartkinos und zum kleinen Kreis derer, die zwei Mal die Goldene Palme von Cannes gewonnen haben (1999 für “Rosetta“; 2005 für “Das Kind”). Im Bemühen, sich stilistisch nicht zu wiederholen, haben die vom Dokumentarfilm kommenden Brüder eine glasklare, reduzierte und unmittelbar physische Filmsprache entwickelt, deren Reduktion aufs Wesentliche besticht. Mit der digitalen Handkamera (seit “La Promesse” Alain Marcoen), bei natürlichem Licht, ohne Filter, mit intensiven, dicht an den Figuren klebenden Nah- und Großaufnahmen, entstehen Werke, deren bildnerische Schönheit eine metaphysische und spirituelle Ebene, ähnlich der bei Robert Bresson schafft

Das Duo Dardenne thematisiert in äußerlich spröden, mit innerer Spannung aufgeladenen realistisch-naturalistischen Dramen von existenzialistischer Wucht (“Der Sohn“) und ethischer Ambivalenz (“Lornas Schweigen”) die Katastrophen und moralischen Engpässe orientierungsloser Menschen. Ihre “Helden”, Verlierer der Globalisierungs- und Wohlstandsgesellschaft, stammen aus Unterschicht, Arbeiterschaft und Immigrantenmilieu, aber die Dardennes lehnen es ab, ihre Filme als Sozialdramen bezeichnet zu sehen: “Wir bevorzugen eine moralische Fabel aus der Unterschicht, nehmen die Protagonisten ernst… Wir mögen diese Menschen.”

Jean-Pierre Dardenne wurde 1951 in Engis, südwestlich von Lüttlich, sein Bruder Luc 1954 in Awirs, geboren. Jean-Pierre absolvierte eine Dramaturgie-Ausbildung in Lüttich, Luc studierte Philosophie an der Katholischen Universität in Löwen. Als Assistenten von Armand Gatti (“Briefe aus Sibirien”) sammelten sie Erfahrungen, gründeten 1975 in der Videobewegung die Produktionsfirma Dérives und drehten und produzierten über 60 Arbeiterporträts, Reportagen und Dokumentarfilme über Emigranten und die ökonomische Krise der Heimatregion. 1978 entstand, “Le Chant du Rossignol”, ein Dokumentarfilm über die belgische Résistance-Bewegung im Zweiten Weltkrieg.

Mit “Falsch” (1987) inszenierten sie erstmals einen fiktionalen Stoff: In einer Nacht auf dem Flughafen erinnert sich Joe (Bruno Cremer), einziger Überlebender der jüdischen Familie Falsch, die im KZ ermordet wurde, an die Vergangenheit. “Ich denke an euch” (1992) folgt dem Schicksal eines entlassenen Stahlarbeiters und seiner Frau. Mit “La Promesse” (1996) beginnt die Zeit der Meisterwerke. Der damals 15-jährige Jéremie Rénier, in mehreren Dardenne-Werken präsent, wird von seinem Vater für kleinkriminelle Machenschaften missbraucht. In “Rosetta” will Emilie Dequenne (Darstellerpreis Cannes 1999) weg von der alkoholsüchtigen Mutter und vom Campingplatz in ein geregeltes Leben. In “Der Sohn” erkennt ein Schreiner (Olivier Gourmet, Darstellerpreis Cannes 2002) im neuen Lehrling den Mörder seines Babys, will ihn umbringen – und vergibt ihm. In “Das Kind” (Goldene Palme 2005) verkauft ein kleiner Gauner (Rénier) seinen Säugling an Kinderhändler, erkennt die Konsequenzen seines Handelns. In “Lornas Schweigen” (Drehbuchpreis Cannes 2008) lebt eine albanische Einwanderin (Arta Dobroshi) der belgischen Staatsbürgerschaft wegen in Scheinehe mit einem Junkie (Rénier), lässt sich auf kriminelle Machenschaften ein und steigert sich nach seinem Tod in eine Scheinschwangerschaft.

Außer mit den genannten Preisen, wurden die Dardennes 2005 mit dem Bremer Filmpreis und 2008 mit dem Filmpreis Köln ausgezeichnet.

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