Leben & Werk

Er entwickelte im Lauf seiner Karriere eine Vielzahl von Stoffen, die populär waren, Tabuthemen aufgriffen oder in ironisch gebrochener Form vom Ausbruch aus vorgegebenen Ordnungen berichteten. Obwohl er ihr Zeitgenosse war, gehörte Louis Malle (1932 – 1995) nie zur Gruppe um die „Nouvelle Vague“-Regisseure, deren Arbeiten er gleichwohl mit dem Film noir „Fahrstuhl zum Schafott“ 1957, für den Miles Davis einen berühmt gewordenen Jazz-Score aufnahm, und dem Liebesdrama „Die Liebenden“ (1958) begleitete. Jeanne Moreau spielte darin eine Frau, die Mann und Kind für ihren Liebhaber verlässt, was damals mehr noch als die erotische Freizügigkeit für einen Skandal sorgte. Um Brigitte Bardot inszenierte er den semiautobiografischen Film „Privatleben“, der B.B. als Opfer der Medien begreift. Moreau und Brigitte Bardot spielten in Malles erfolgreichstem Film „Viva Maria“ (1965), in dem sie den Striptease erfinden und in Mexiko Revolutionsheldinnen werden, Seite an Seite. Malle ließ eine elfjährige Göre in „Zazie“ durch ein chaotisches Paris irren, inszenierte mit Maurice Ronet die Studie eines Selbstmörders in „Das Irrlicht“, und wandte sich mit der nostalgisch-charmanten Diebeskomödie „Der Dieb von Paris“ (mit Jean-Paul Belmondo) dem Fin de siècle zu. In den 70ern erregte Malle mit der tragikomischen Inzestgeschichte „Herzflimmern“ wieder einen Skandal, drehte Filme um verwirrte Jugendliche („Black Moon“) und wandte sich mit „Lacombe, Lucien“, der einem jungen Kollaborateur seine Ambivalenz lässt, der Zeit der deutschen Besatzung zu, ein Thema, das er in „Auf Wiedersehen, Kinder“ (Goldener Löwe Venedig 1987) erneut aufgriff. Dieser Film basiert auf Malles Kindheitserinnerungen: Im Weltkrieg besuchte der Sohn reicher Zuckerfabrikanten ein von Karmelitermönchen geleitetes Internat, wo jüdische Jungen vor der Gestapo versteckt wurden. Als ein Angestellter die Kinder denunziert, werden sie und der Abt deportiert. Beinahe ein Jahrzehnt lebte Malle in den USA, wo mit dem Bordellfilm „Pretty Baby“ (mit Brooke Shields), dem Gangsterfilm „Atlantic City“ („Goldener Löwe“ Venedig 1980), in dem sich Burt Lancaster als alternder Ganove in Susan Sarandon verliebt, und „Alamo Bay“, einem Drama um Krabbenfischer (mit Ed Harris) drei Spielfilme und einige Dokumentarfilme über seine Wahlheimat entstanden. Zurück in Frankreich, entstand mit „Eine Komödie im Mai“ (1989) eine ironische, leichte und pastorale Komödie über die Auswirkungen des Mai 1968 im naturverbundenen provinziellen Frankreich. Malles letzte Filme waren „Damage – Verhängnis“, eine amour fou zwischen einem Diplomaten (Jeremy Irons) und der Verlobten seines Sohnes (Juliette Binoche), und „Vanya – 42. Straße“ (1994), in dem die Theaterproben zu Anton Tschechows „Onkel Wanja“ zu einer Reflektion über Kunst und Leben führen. Malle, der seit 1980 mit der Schauspielerin Candice Bergen („Reich und berühmt„) verheiratet war, starb 1995 an Krebs. 1993 erschien ein Mammut- Interview über Leben und Werk in Buchform.

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