Louis de Funès

Louis de Funès

Leben & Werk

Der Molière für die Masse, gallische Donald Duck und cholerische Spießbürger ist weit mehr als ein Grimassenschneider und Fratzenmime mit Gesichtsartistik. Louis de Funès (1914-1983) ist ein komödiantisches Jahrhundertgenie, das in seinen neurotisch entfesselten Groteskeskapaden seiner Zeit voraus war und rennend, rettend, flüchtend die Hektik moderner Lebensstile präzise pointiert einfing und bissig karikierte. Wutschnaubender Vater, gestikulierender Gendarm, rasender Kleinbürger und gnadenlos verbissener Besserwisser hielt er kleinlichen „Radfahrer“-Typen wie bombastischen Popanzen den Spiegel vor und gab sie der Lächerlichkeit preis, nicht ohne ihnen Würde zu belassen. Am Angelhaken des Lebens zappelnd, war dieser temperamentvolle Poltergeist schon zu Lebzeiten eine Legende und ist der überragendste Giftzwerg der Filmgeschichte.

Louis de Funès, der Mann mit der Hakennase und liebevoll „Fufu“ genannte „kleine Sausewind“, entstammte einer spanischen Adelsfamilie, versuchte sich als Fotograf, Kürschner und Pariser Bar-Pianist, bevor er 1945 im Film debütierte und zwanzig lange Jahre bis zu seinem endgültigen Durchbruch brauchte. De Funès spielte in über 140 Filmen, erhielt 1956 – da hatte er schon 80 Nebenrollen hinter sich – seine erste Hauptrolle. 1968 wurde er vor Alain Delon und Jean-Paul Belmondo zum beliebtesten französischen Filmschauspieler gewählt. Mit dem Verdienst aus seinen Filmen ersteigerte er 1965 ein Schloss mit 365 Fenstern an der Loire, ehemaliger Wohnsitz der Familie seiner Frau, einer direkten Nachfahrin des Autors Guy de Maupassant.

Mit zwei Serien katapultierte sich de Funès 1964/65 kometenhaft an die Spitze. Als Gendarm Cruchot in der „Der Gendarm von St. Tropez“-Reihe und als Kommissar Juve in der „Fantomas“-Trilogie wäre er allein unsterblich geworden, aber die Alltagskomödien, die in Deutschland gekürzt, schlecht synchronisiert und mit den Namen „Balduin“, „Louis“ oder „Oscar“ in dem zudem häufig wechselnden Titeln liefen, festigten daheim seinen Ruf als „Gagaholic“ und komische Sprungfeder, die in halsbrecherischen Verfolgungsjagden („Scharfe Sachen für Monsieur“), in aberwitzigen Verkleidungen („Die Abenteuer des Rabbi Jakob“) und mit umwerfenden Wutausbrüchen (“ Der Querkopf“) alle an die Wand spielte und das Publikum hinriss. Ob er neben einer Nonne Motorrad fuhr oder Nackte vom Strand scheuchte, im Auto auf einem Baum über einem Abgrund hing oder in Nizza seinen Platz als erster Autofahrer in der Reihe behauptete, als Vater von Coluche („Brust oder Keule“) mit dem Sohnemann in eine Farbenfabrik einbrach, als Choreograf die Puppen tanzen ließ oder vergeblich Meisterverbrecher Fantomas jagte: De Funès ist ein Klassiker, immer wieder neu zu entdecken. Seine Arbeitswut endete mit einem Finale furioso: Er starb mit 68 Jahren am Herztod.

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