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Setbericht: Emmerich dreht "Anonymous"

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Liam Neeson Poster
© Constantin

In den Babelsberg Studios realisiert Roland Emmerich zurzeit seinen Historienthriller „Anonymous“, in dem sich der Regisseur vom Weltuntergang abwendet und stattdessen das alte London wiederauferstehen lässt.

"Anonymous" stellt die spannende Frage, wer wirklich "Hamlet" & Co. schrieb… © Constantin

Nachdem das Geschäftjahr 2009 für das Babelsberg Studio trotz Großproduktionen wie „Der Ghostwriter“ und „Inglourious Basterds“ aufgrund fehlender Auslastungen in der zweiten Hälfte ein schwieriges war, sind die Hallen zurzeit wieder voll belebt. Neben dem Thrillerdrama „Unknown White Male“ mit Liam Neeson und Diane Kruger in den Hauptrollen, dem Abenteuerthriller „Hanna“ von Regisseur Joe Wright und dem Horrorthriller „The Apparition“ ist es vor allem Roland Emmerichs Historienfilm „Anonymous„, auf dem die Blicke und Erwartungen ruhen.

Dabei ist der Film mit rund 30 Mio. Euro für ein Werk des deutschen Regisseur eher schmal budgetiert. Und auch sonst scheint das Projekt nur wenig zu Emmerich zu passen, der in den letzten Jahren vor allem durch bildgewaltige Katastrophenfilme weltweit für volle Kassen sorgte. Geht es in „Anonymous“ doch um die weniger apokalyptische als vielmehr kulturhistorisch bedeutsame Frage, wer die Werke von William Shakespeare wirklich schrieb.

Schon seit Längerem herrscht unter Experten Unklarheit darüber, ob die Dramen und Gedichte, die unter seinem Namen veröffentlicht wurden, tatsächlich aus der Feder des Mannes aus Stratford stammen. Im Lauf der Zeit gab es verschiedenste Theorien, wer der wahre Urheber der weltberühmten Werke ist. Die meisten Zweifler an der Shakespeare-Urheberschaft präferieren mittlerweile Edward de Vere als wahren Schöpfer.

Wer war Shakespeare?

Lisa Wilson, Expertin auf dem Gebiet sowie Beraterin bei „Anonymous“ und Koautorin bemerkt, Emmerich sei nun „der erste Filmemacher, der sich des Stoffs annimmt“ und das Thema einem großen Publikum nahebringt. Dabei nehme sich Emmerich zwar die üblichen Freiheiten, um eine spannende Geschichte zu erzählen, er habe aber „seine Hausaufgaben gemacht“ und halte sich relativ nah an gesicherte Fakten. Aus der Grundgeschichte mache er einen „kontroversen und politischen Thriller“, wie der Regisseur und Koproduzent selbst feststellt.

Drehbuchautor John Orloff legt Wert darauf, dass die Autorenfrage vor allem als Aufhänger für eine viel tiefer gehende Erzählung diene. „Es ist eine Geschichte über Macht und Identität“, so Orloff, der bereits seit Langem an dem Projekt arbeitet und sichtlich aufgeregt ist angesichts der derzeitigen Realisierung seines Stoffs.

So außergewöhnlich das Thema für einen Emmerich-Film klingt, so klar macht der Regisseur, dass er es unangemessen findet, ihn rein auf Katastrophenfilme zu beschränken. Er habe auch früher schon nicht nur auf Weltuntergänge gesetzt und verweist beispielweise auf „Der Patriot“ mit Mel Gibson und Joely Richardson, mit der er auch bei seinem aktuellen Werk wieder zusammenarbeitet. Zudem ermöglichen es ihm erst Titel wie „The Day After Tomorrow“ und „2012„, Filme im Stil von „Anonymous“ zu realisieren: „Das ist kein Film, wie er üblicherweise in Hollywood produziert wird.“ Dabei hebt er hervor, wie wichtig es ihm war, diesen Film in Babelsberg zu machen: „Es fühlt sich schon ein bisschen nach Heimkehr an.“

Flüge übers alte London

Trotz des ungewöhnlichen Themas und dem vergleichsweise kleinen Budget sei der Film „ein typischer Roland-Emmerich-Film“, hebt Szenenbildner und Setdesigner Sebastian Krawinkel hervor. Denn neben der Glaubwürdigkeit der Geschichte lege er natürlich auch hier großen Wert auf den optischen Aha-Effekt. „Emmerich stellte von Anfang an klar, dass sein Film nicht wie ein Theaterstück aussehen soll“, wofür auch Kamerafrau Anna Foerster sorgt. Nichtsdestotrotz sei er „eindeutig ein Schwabe“, womit Emmerich seinen Ruf als sparsamer Regisseur untermauert.

So werden aufwendig gebaute Sets, wie das auf dem Studiogelände nachgebaute Rose Theater und ein Tor samt groß dimensionierter Green Screen, mehrfach verwendet und durch entsprechende Visual Effects in verschiedene Handlungsorte verwandelt. Hierfür sind die Emmerich-Regulars Volker Engel und Marc Weigert verantwortlich.

Die beiden Effektespezialisten, die auch als ausführende Produzenten auftreten, erschaffen das komplette London des mittleren 17. Jahrhunderts im Computer, um dem Regisseur seine charakteristischen Helikopterflüge und „die typische Größe eines Emmerich-Films“ zu ermöglichen.

Engel und Weigert gründeten dabei, wie für jede neue Produktion, eine eigene Firma und holten sich die benötigten Experten an Bord. Daher sei der eigentliche Standort der Dreharbeiten für sie auch nicht so bedeutend. „Wichtig ist, dass wir in der Nähe des Regisseurs sind.“

Experten finden sich auch auf der Castingliste. Neben Richardson, die die junge Königin Elizabeth mimt, treten Vanessa Redgrave als alte Königin, Rhys Ifans als Edward de Vere, Rafe Spall als Shakespeare sowie unter anderem David Thewlis und Edward Hogg in weiteren Rollen auf.

Für Babelsberg stehen die Zeichen also auf Aufschwung. Und auch Emmerich ist weiter gut im Geschäft. Nach „Anonymous“ wird er sich um die beiden Sequels seines Blockbusters „Independence Day“ aus dem Jahr 1996 kümmern und somit dem Katastrophengenre auch in Zukunft treu bleiben. mahe

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