Lasse Hallström

Lasse Hallström

Leben & Werk

Von den „Kindern aus Bullerbü“ bis zum „Oscar“-Gewinn mit „Gottes Werk & Teufels Beitrag“ brauchte der schwedische Regisseur Lasse Hallström 14 Jahre – eine atemberaubende internationale Regiekarriere. Hallströms Vorlieben sind liebenswert schrullige, verschrobene und verträumte Charaktere, die in originellen Situationen über sich hinauswachsen. 1946 in Stockholm geboren, arbeitete Hallström für das Fernsehen, inszenierte Musikvideos vor allem für die Gruppe ABBA und folgte ihnen 1977 in seinem Regiedebüt „ABBA – The Movie“ auf ihrer Welttournee nach Australien, wo die Band bis heute Kultstatus genießt. Auf mehrere TV-Filme, darunter der humorvolle „Der Gockel“ über eine Gemeinde um die Jahrhundertwende, folgte 1985 mit „Mein Leben als Hund“ der internationale Durchbruch. Aus der Sicht eines 12-Jährigen entstand eine liebevolle Sommergeschichte aus dem Schweden des Jahres 1958, die von der Hauptstadt in die Provinz führt, wo der Junge auch seine ersten erotischen Beobachtungen macht. Zwei „Oscar“-Nominierungen und der Preis der New Yorker Filmkritik waren der Lohn. Für das junge Publikum verfilmte Hallström werkgetreu und mit traumhaft schönen Landschaftsbildern die von Astrid Lindgren ersonnenen Abenteuer der Kinder aus Bullerbü („Wir Kinder aus Bullerbü“ und „Neues von uns Kindern aus Bullerbü“), die sich 1986 und 1987 erfolgreich im Kino behaupten konnten. Hallström zog in die USA, begann mit der Komödie „Ein charmantes Ekel„, in der Richard Dreyfuss sich als exzentrischer Immobilienmakler in Holly Hunter verliebt und von deren Familienclan (u.a. Danny Aiello, Gena Rowlands und Laura San Giacomo) vereinnahmt wird. Der warmherzige Ton des Films findet sich in „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ wieder: Johnny Depp spielte einen Teenager, der sich in der Provinz um seine Außenseiterfamilie, speziell den geistig behinderten kleinen Bruder („Oscar“-Nominierung für Leonardo DiCaprio) kümmert und sich in Juliette Lewis verliebt, bevor er nach dem Tod der Mutter aus dem Ort ausbricht. Sieben „Oscar“-Nominierungen (darunter für den Film und die Regie) brachte ihm die Verfilmung von John Irvings Roman „Gottes Werk & Teufels Beitrag“ ein, der 2000 zwei „Oscar“ für Michael Caine als bestern Nebendarsteller und für Irving für sein adaptiertes Drehbuch gewann. Die hervorragend von Tobey Maguire, Charlize Theron und Caine gespielte Tragikkomödie um die Ambivalenz von Gut und Böse am Beispiel eines Waisenhauses in Maine, Neuengland, in dem Caine in den 30er- und 40er-Jahren als Arzt verbotene Abtreibungen vornimmt und seinen Ziehsohn Homer Wells (Maguire) in die Welt ziehen lässt, der nach ersten Lebens- und Liebeserfahrungen zurückkehrt und nach dem Tod Caines das Heim weiterführt, erzählt warmherzig von Liebe, Familie, Ehre und Erwachsenwerden und leistet in der Kameraarbeit Großartiges. Nicht minder sympathisch folgte daraufhin der Publikumshit „Chocolat“, eine humorvolle Fabel über die magische, moralisch-religiöse Fesseln lösende Kraft von Schokolade mit Juliette Binoche und Johnny Depp in den Hauptrollen. Auf „Chocolat“ folgte mit „Schiffsmeldungen“ 2001 eine weitere Literaturverfilmung, in der Kevin Spacey als gedemütigter Mann einen Neuanfang in Neufundland wagt. Auch hier zeigt Hallström mit ausgesuchter Besetzung und filmischer Reife gute Unterhaltung, ohne wirkliche dramatische Intensität zwar, aber mit malerischen Bildern eines ungewöhnlichen Schauplatzes, sprachlichem Niveau und seinem typischen Humor, der keine Schwermut aufkommen lässt. Nach längerer Pause meldet sich Hallström gleich mit zwei Filmen auf der Leinwand zurück, dem (Familien-)Drama „Ein ungezähmtes Leben“ mit Robert Redford und Jennifer Lopez sowie einer neuen Aufbereitung des „Casanova“-Stoffes mit Heath Ledger als gleichnamigen Frauenheld.

Hallström ist seit 1994 mit der schwedischen Schauspielerin Lena Olin („Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins„) verheiratet und hat zwei Kinder.

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