Leben & Werk

Als Ufa-Star stand die Schwedin Kristina Söderbaum (1912-2001) während der Nazi-Zeit als Urbild arischer Germanin, blonde Kindfrau, unschuldig frisches Jungmädchen und zuletzt kämpferische Bauerstochter sieben Jahre lang auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes. Weil sie in zwei Filmen – „Reise nach Tilsit“ und „Das unsterbliche Herz“ – tragisch im Wasser endete, wurde sie bei aller sonstigen Beliebtheit im Volksmund spöttisch „Reichswasserleiche“ genannt. Alle ihre Filme wurden von Ehemann Veit Harlan inszeniert, der sie 1937 entdeckte und mit „Jugend“ (1938) erstmals in einem Film inszenierte, wo sie als westpreußische Adoptivtochter eines Pfarrers die erste Liebe und Leidenschaft erlebt.

Harlans Melodramen „Die goldene Stadt„, „Immensee“ und „Opfergang“ boten Söderbaums natürlicher Anmut und ihrem Leinwandschicksal als Duldnerin des Schicksals ausreichend Gelegenheit für schauspielerische Leistungen, die weit besser sind als ihr historischer Ruf. Was sich sogar am Durchhaltefilm „Kolberg“ (1945) gut ablesen lässt, wo sie als Bäuerin und Bewohnerin der von Franzosen belagerten Stadt nicht einfach Parolen von sich gibt, sondern tatkräftig bei der Überflutung der Stadt ihre Frau steht und Hand anlegt, wenn es zur Katastrophe kommt. In dem Hetzfilm „Jud Süß“ (1941) wird sie vom Titelheld (Ferdinand Marian) vergewaltigt und begeht Selbstmord. Ihr möglicherweise bestes Rührstück aus dieser Zeit ist „Reise nach Tilsit“ (nach Hermann Sudermann), wo sie als Fischersfrau auf der gemeinsamen Reise wieder zu ihrem Mann zurückfindet und auf der Heimfahrt während eines Sturms ertrinkt.

Nach dem Krieg erhielt Harlan Berufsverbot, was Söderbaum traf, denn sie wurde stellvertretend für ihn mit faulem Obst beworfen. Die wenigen Filme dieser Jahre, so „Unsterbliche Geliebte“ und „Die Geliebte des Maharadscha“, sind vergessen. Bei seinem Tod 1964 hinterließ Harlan einen Schuldenberg, sodass Söderbaum sich als Fotografin durchschlagen musste. Hans-Jürgen Syberberg setzte sie als Ehefrau des Volksschriftstellers in „Karl May“ 1974 an der Seite von Helmut Käutner ein.

Kristina Söderbaum wurde in Stockholm geboren und durfte sich erst nach dem Tod des Vaters, der dem Nobelpreiskomitee angehörte, schauspielerisch ausbilden lassen. Sie ging nach Berlin und wurde nach einem Film („Onkel Bräsig„) von Harlan entdeckt. In ihrer letzten Filmrolle in „Night Train to Venice“ (1993) wird Söderbaum pikanterweise als greise Reisende von Neonazis belästigt.

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