SciFi made in Dresden

Ehemalige BEM-Accounts |

Das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden als Thrillerkulisse: Michael Eklund und Karoline Herfurth in einer englischsprachigen Koproduktion.

Michael Eklund und Karoline Herfurth in "Errors of the Human Body" Bild: Pandastorm Pictures

Der gebürtige Australier Eron Sheean gibt bei „Errors of the Human Body“ sein Langfilmdebüt als Regisseur. Ein besonderes Verhältnis zu Dresden habe er schon lange, erzählt er. Es war die erste Stadt in Europa, die er besuchte: Mit seinem Kurzfilm „Fledgling“ wurde er 1999 zum Filmfest Dresden eingeladen. 2006 war er dann mit einem anderen Kurzfilm namens „Fish“ im Panorama der Berlinale vertreten. Dort lernte er einen der Direktoren des Max-Planck-Institutes in Dresden kennen.

In der Folge wohnte Sheean als „artist in residence“ in der Forschungseinrichtung. Der Aufenthalt inspirierte ihn zu einem Drehbuch, das er mit Darryn Welch von Instinctive Film weiterentwickelte. Der Brite hatte seine Firma 2007 in Berlin gegründet. Sheean arbeitet für ihn als Head of Development. Zunächst konzipierten sie den Stoff als Horrorfilm. Doch trotz mehrerer Versuche mit verschiedenen Koproduzenten kamen sie nicht über die Entwicklungsphase hinaus. „Eron kommt aus der Animations- und Puppentrickecke, und das wollte er auch in seinen ersten Langfilm einbeziehen. Ein Debüt ist aber oft auch so schon schwierig zu finanzieren“, erinnert sich Welch.

Also verfasste Sheean ein neues Skript mit einem kostengünstigeren Ansatz: weniger Effekte, dafür mehr Psychothrill. Protagonist ist Genforscher Geoff Burton, dessen Kind infolge einer genetischen Mutation starb. Die Erforschung der Krankheit wird für ihn zur Obsession. Als er eine Stelle am Max-Planck-Institut annimmt, trifft er auf eine ehemalige Kollegin, die ihn um Hilfe bei ihrer Forschung an einem Regenerationsgen bittet, das die Forschung revolutionieren könnte.

Zu jener Zeit stieß High5Films zu dem Projekt, die sich seit zwei Jahren in Berlin mit Instinctive Film Büroräume teilt. Gegründet wurde die GmbH 2009 von den Brüdern Mike und Georg Dehghan. Ihr Ziel: die Herstellung von Spiel- und Dokumentarfilmen mit einem Budget von unter zwei Mio. Euro. Nach der deutsch-österreichischen Koproduktion „Die Muse“, die sich in der Postproduktion befindet, ist „Errors of the Human Body“ ihr zweiter Langspielfilm.

Während Welch mit Instinctive hauptsächlich international tätig ist und Zugang zu Private-Equity-Geldern hat, verfügt Dehghan über profunde Kenntnisse der deutschen Förderlandschaft: „Leider wird bei den hiesigen Förderanstalten oft vorausgesetzt, einen TV-Sender im Boot zu haben. Das macht es gerade für kleinere Produktionsfirmen schwierig.“

Moderner Film Noir

Die MDM gewährt ihnen jedoch Unterstützung. Außerdem erklären sich Cast und Crew bereit, größtenteils auf Rückstellungen zu arbeiten. Als Executive Producer fungieren Welchs Stammpartner Chris Ouwinga, XYZ Films, Rolloco Productions sowie Rainer Bruns und Justus Peter von Pandastorm Pictures. Die beiden werden die Kino- und DVD-Auswertung übernehmen, sind aber auch auf der kreativen Ebene involviert. „Da wir als Verleih noch sehr jung sind, ist das für uns der erste Schritt in diese Richtung. Wir können mit unserem Vermarktungs-Know-how die Chancen einer optimalen weltweiten Vermarktung des Films erhöhen“, erzählt Peter.

Rund eine Million Euro kamen letztlich zusammen. Mit Karoline Herfurth gelang die Verpflichtung einer prominenten Hauptdarstellerin. In der Rolle des Geoff Burton ist der Kanadier Michael Eklund zu sehen. Er spielte bereits in der Instinctive-Produktion „The Divide„, für die Eron Sheean das Drehbuch schrieb. Ebenfalls dabei ist Tómas Lemarquis („Nói Albinói„).

Am 25. März ist nach 30 Tagen Dreh in englischer Sprache die letzte Klappe gefallen. Stattgefunden hat er komplett in Dresden und Umgebung. Das Max-Planck- Ins titut hatte sich bereit erklärt, Teile seiner Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die dortige Atmosphäre sei so wichtig wie die Figuren, findet Welch, der „Errors of the Human Body“ als „modernen Film noir“ betrachtet. Voraussichtlich im Frühjahr 2012 wird ihn Pandastorm ins Kino bringen. Die Fertigstellung des Films sei für September 2011 geplant, erzählt Dehghan.

Mit High5Films entwickelt er derzeit die Doku „La Soledad“ über Entführungen von Minderjährigen in Argentinien, die zur Prostitution gezwungen werden. Für Instinctive steht die Horror-Anthologie „Paris, I’ll Kill You“ an, die zehn Episoden über Mord und Totschlag in der Stadt der Liebe versammelt. Als Regisseure werden u. a. Louis Leterrier („The Transporter„), David R. Ellis („Snakes on a Plane„) und Vincenzo Natali („Cube„) in Aktion treten. Die Dreharbeiten sollen im Sommer beginnen.

Zu den Kommentaren

Kommentare

  1. Startseite
  2. News
  3. SciFi made in Dresden