Leben & Werk

Er war ein intellektueller, von Brecht beeinflusster Regisseur, dessen Analysen der britischen Klassengesellschaft, von Machtstrukturen und psychosozialem Verfall, Sexualität, Gewalt und Grausamkeit sowie Ausweglosigkeit und Bedrohung in labyrinthischen Welten und Häusern zu einem der ungewöhnlichsten Werke der Filmgeschichte führten. Der Amerikaner Joseph Losey (1909 – 1984) studierte Literatur, schrieb Theater- und Literaturkritiken für „The New York Times“ und war Inspizient in der Radio City Music Hall. Nach Radioprojekten und Dokumentarfilmen für die US Army und der Begegnung mit Bertolt Brecht debütierte er 1948 als Regisseur. Schon nach wenigen Filmen („Die Nacht der Wahrheit“, der Film noir „Dem Satan singt man keine Lieder“), in denen er soziale Spannungen als Klassenkonflikte thematisierte, fand seine Karriere durch den McCarthy-Senatsausschuss für unamerikanische Umtriebe ein Ende. Er wurde auf die „Schwarze Liste“ gesetzt und emigrierte nach England, wo er unter Pseudonymen Auftragsarbeiten drehte. Ende der 50er Jahre fand Losey mit den Kriminalfilmen „Die tödliche Falle“, „Die Spur führt ins Nichts“ und „Eva“ (mit Jeanne Moreau) und in der Zusammenarbeit mit dem Drehbuchautor Harold Pinter seinen charakteristischen Stil. Filme wie „Der Diener“, in dem sich das Verhältnis von Herr und Knecht dialektisch umkehrt, der Kriegsfilm „Für König und Vaterland“ und „Accident – Zwischenfall in Oxford„, ein Psycho-Drama im Uni-Milieu, machten Losey international berühmt. In diesen und anderen Filmen war Dirk Bogarde sein bevorzugter Hauptdarsteller, auch in der damals wenig gewürdigten, heute als Genre-Parodie anerkannten Agentenfarce „Modesty Blaise – Die tödliche Lady“ (mit Monica Vitti). Losey arbeitete mit Elizabeth Taylor („Brandung“, „Die Frau aus dem Nichts“), Jane Fonda (die Ibsen-Verfilmung „Nora“) und Richard Burton und Alain Delon („Das Mädchen und der Mörder – Die Ermordung Trotzkis“). Er nahm in seinem vielfach ausgezeichneten Meisterwerk „Der Mittler“ (mit Julie Christie und Alan Bates) die schwelgerische Ästhetik der Literaturverfilmungen von James Ivory vorweg, beschwor die Welt des Adels der Jahrhundertwende, die sich in strengen Ritualen und Konventionen aushöhlte. Sein Action-Film „Im Visier des Falken“ zeigt zwei Männer auf der Flucht vor einem Hubschrauber, der sie durch Ödland jagt – eine extrem reduzierte Parabel. 1976 zog Losey von England nach Paris, wo mit „Monsieur Klein“ (mit Alain Delon) ein weiteres Meisterwerk um einen Kunsthändler und seinen Doppelgänger während der Zeit der deutschen Okkupation und der Judenverfolgung entstand. Mit „Don Giovanni“ legte er 1978 eine opulente Opern-Verfilmung vor. In seinem letzten Film „Steaming“ treffen sich Frauen (u.a. Vanessa Redgrave und Diana Dors) in einem Dampfbad und diskutieren ihr Leben und ihr Frau-Sein. Losey komponierte seine Filme stets mit bewusster Raumaufteilung in die Tiefe und setzte harte Licht-Schatten-Kontraste. Sein Projekt einer Verfilmung von Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ blieb unrealisiert.

Filme und Serien

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