Leben & Werk

Er wurde als Zyniker im Salon bezeichnet, als sarkastischer Gentleman mit Lust am gesellschaftlichen Intrigenspiel und Dialog-Gefechten, deren Brillanz und Schärfe seine Stärke war. Im Gegensatz zu Howard Hawks verlieren sich seine Figuren dabei nicht in Bewegungen, sondern bleiben sturmumtoste Charaktere in theaterhaften Inszenierungen, die allein durch die Kraft der Sprache, die eine mächtige Waffe wird, bestehen können. Joseph L. Mankiewicz (1909 – 1993), jüngerer Bruder des Drehbuchautors Herman Mankiewicz (Co-Autor von Orson Welles‘ „Citizen Kane„), begann als Reporter in Chicago, wurde mit 19 nach Berlin geschickt, um für die Ufa Zwischentitel ins Englische zu übersetzen, und begann als Drehbuchautor und Produzent (Fritz Langs „Fury“). Als Ernst Lubitsch erkrankte, konnte er mit der psychologischen Horrorstory „Weißer Oleander“ (mit Gene Tierney) den ersten seiner 19 Filme inszenieren, beinahe alle „dramatische Komödien“ (Francois Truffaut) um Erfolg, Karrieren, Eitelkeiten, vorgetäuschte Fassaden und betrogene Betrüger in tragikomischen Situationen. Sein größter Erfolg wurde „Alles über Eva“ mit 14 „Oscar“-Nominierungen und sechs „Oscars“, darunter Buch und Regie für Mankiewicz. Bette Davis als alternder Star wird darin von der jungen Schauspielerin Eve (Anne Baxter) vampirisch ausgesaugt. „Die barfüßige Gräfin“ (mit Ava Gardner und Humphrey Bogart) verfolgt das Thema weiter: Eine Filmschauspielerin verausgabt sich in Leben und Liebe. Mankiewicz machte daraus eine Abrechnung mit der Traumfabrik. Mankiewicz adaptierte Shakespeares „Julius Caesar“ (mit Marlon Brando), drehte die Films noirs „Irgendwo in der Nacht“ (mit Fritz Kortner als Hellseher) und „Der Hass ist blind“, die Verwechslungskomödie „Ein Brief an drei Frauen“, die Fantasy-Komödie „Ein Gespenst auf Freiersfüßen“, den Spionage-Thriller „Der Fall Cicero“ (mit James Mason) und den von Rouben Mamoulian übernommenen Monumentalfilm „Cleopatra“ mit Elizabeth Taylor als idealer ägyptischer Königin, dessen jahrelange Dreharbeiten für Schlagzeilen sorgten und MGM beinahe ruinierten. Seine Konversationsstücke „Venedig sehen und erben“ (1967) und „Mord mit kleinen Fehlern“ (1972), in dem sich Michael Caine und Laurence Olivier ein brillantes Schauspielerduell lieferten, zeigen noch einmal Mankiewicz‘ Kunst des intellektuell geschliffenen Dialogs und der geistreichen Anspielungen in erbarmungslosen Wort-Kämpfen. Ungewöhnlich in seinem Oeuvre ist der Western „Zwei dreckige Halunken“, in dem Henry Fonda den Sträfling Kirk Douglas jagt und der auf absurde Weise stirbt, als er die Beute aus einem Erdloch greift und von einer Schlange gebissen wird. 1972 zog sich Mankiewicz vom Filmgeschäft zurück. Arbeiten für das Fernsehen lehnte er kategorisch ab.

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