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Oscars: Colin Firth dankt wie in "The King's Speech", Natalie Portman weint

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Joel Coen Poster
© A.M.P.A.S

„Wenn Du nominiert bist und dann Deinen Namen hörst - das fühlt sich an wie ein lautloses impressionistisches Gemälde…“

Von der Academy vierfach gewürdigt: Hauptdarsteller Colin Firth und "The King's Speech" - bei den Damen siegt Natalie Portman für "Black Swan" Bild: ©A.M.P.A.S

So beschrieb Hollywoods Liebling Tom Hanks zu Beginn den besonderen Reiz einer Oscar-Verleihung. Dieser blumige Vergleich muss auch den großen Sieger Colin Firth verwirrt haben. Denn der Brite rang ganz wie seine stotternde Filmfigur König George in „The King’s Speech“ mit den richtigen Worten, nachdem er den magischen Satz „And the Oscar goes to… Colin Firth“ gehört hatte: „Ich habe so ein komisches Gefühl im Bauch, das sich den Weg zu meinen Füßen bahnen will - aber meinen Freudentanz will ich lieber niemandem zumuten.“

Den Rest seiner Dankesrede absolvierte Colin Firth sichtlich um Fassung bemüht im Stotterrhythmus - und dabei war garantiert kein Method Acting im Spiel: Der feinsinnige Brite steckte nicht etwa noch in seiner Rolle fest, er war schlicht vollkommen überwältigt.

Dabei war Colin Firths Sieg ebenso wenig überraschend wie der Preis für Natalie Portmans Glanzleistung in „Black Swan„. Als Ballerina, die unter enormem Leistungsdruck die Grenzen ihres Körpers und ihrer Seele überschreitet, beeindruckte sie wie Millionen deutscher Kinozuschauer auch die ehrwürdige Academy - und nahm den Oscar als beste Hauptdarstellerin entgegen.

„Das ist der Wahnsinn!“, rief Natalie Portman und kämpfte bei jedem Wort mit den Tränen. Sie dankte brav ihren Eltern sowie Luc Besson für ihre erste Rolle in „Leon - der Profi„. Als sie sich schließlich an den Choreographen von „Black Swan„, Benjamin Millepied, wandte, verlor Portman endgültig die Fassung: „Du hast mir die wichtigste Rolle meines Lebens gegeben“, schluchzte Natalie dem Mann entgegen, von dem sie ein Kind erwartet.

Aaron Sorkin, Drehbuchautor von "The Scocial Network" sorgte für den politischen Kommentar, den es fast bei jeder Oscar-Verleihung gibt Bild: ©A.M.P.A.S

Der größte Verlierer

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Tränen dürfte es auch bei den Coen-Brüdern gegeben haben: Ihr Western-Remake „True Grit“ war zehn Mal nominiert und ging dennoch vollkommen leer aus. Stattdessen wurde „The King’s Speech“ mit vier Goldjungs neben „Inception“ (ebenfalls vier Preise) der meistausgezeichnete Film des Abends. Dabei heimste das berührende Monarchendrama, das insgesamt zwölf Mal nominiert war, allerdings den wichtigsten Oscar für den besten Film ein. Außerdem gewann Newcomer Tom Hooper gleich auf Anhieb den begehrten Regie-Oscar. Auch fürs Drehbuch gab’s einen Academy Award. „Inception“ erhielt die Preise eher in den kleineren technischen Kategorien wie Visual Effects, Kamera und Ton.

Auch der hochgehandelte „The Social Network“ gewann nur drei von acht möglichen Oscars (adaptiertes Drehbuch, Schnitt und Musik). Dafür überraschte Autor Aaron Sorkin mit einem Plädoyer für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der im Film alles andere als gut wegkommt: Ohne ihn wäre keine Revolution in Nordafrika möglich geworden, gab Aaron Sorkin zu bedenken.

Laute Töne hätte man auch von Christian Bale erwartet, der bei seiner ersten Oscar-Nominierung auch gleich gewann - doch der exzentrische Mime wirkte nachgerade demütig Bild: ©A.M.P.A.S

Ärger um das F-Wort

Einer der wenigen Momente schallenden Gelächters in einer ansonsten arg braven Oscar-Nacht war ausgerechnet Christian Bale zu verdanken. Er gewann den Preis für die beste Nebenrolle als Mark Wahlbergs Bruder in „The Fighter“ und spielte auf der Bühne mit seinem Image als spaßgebremster Perfektionist: „Ich werde hier keine F**k-Arie ablassen, das kennt ihr ja schon zur Genüge von mir!“ Bale hatte sich am Set von „Terminator 4“ einen legendären Ausraster geleistet und einen Beleuchter minutenlang wüst beschimpft, weil dieser durchs Bild gelaufen war.

Auch der zweite Nebenrollen-Oscar ging an „The Fighter„: Melissa Leo, die zuletzt schon für „Frozen River“ nominiert gewesen war, wurde für ihren Part als biestige Mutter der boxenden Brüder Wahlberg und Bale ausgezeichnet. Sie benutzte in ihrer Dankesrede allerdings tatsächlich das böse F-Wort: „Als Kate Winslet hier oben stand, sah das so verf*ckt einfach aus!“ In der US-Übertragung, die wegen des Superbowl-Eklats (Janet Jacksons „Nipplegate“) um einige Sekunden zeitversetzt über den Äther ging, wurde diese Stelle prompt überpiept.

Er hatte für seine Musik zu "Inception" die besten Karten, doch Komponist Hans Zimmer konnte keinen Oscar nach Deutschland holen Bild: ©A.M.P.A.S

Ausnahmsweise kein deutscher Jubel

Den Auslands-Oscar gewann Susanne Bier für Dänemark mit dem Familiendrama „In einer besseren Welt„. Ein deutscher Beitrag war in diesem Jahr ausnahmsweise nicht nominiert. Deutsche Oscar-Chancen hatten aber Hans Zimmer für die Musik in „Inception“ sowie Jakob Schuh und Max Lang für ihren animierten Kurzfilm „Der Grüffelo“ gehabt. Die Preise gewannen jedoch „The Social Network“ respektive „The Lost Thing“.

Als bester animierter Spielfilm wurde erwartungsgemäß „Toy Story 3“ geehrt, der auch als bester Film nominiert gewesen war. Für Ausstattung und Kostüme erhielt Tim Burtons knallbunte Mär „Alice im Wunderland“ zwei Oscars, beim Makeup triumphierte - fast zwangsläufig - „Wolfman„.

Kirk Douglas war der heimliche Held der Oscar-Nacht - und die unbändige Freude von Nebenrollen-Preisträgerin Melissa Leo steckte an! Bild: ©A.M.P.A.S

Wall Street hinter Gitter, greise Flirt-Attacke

Einiges Aufsehen erregte die Dankesrede von Charles Ferguson, der für seine Finanzkrisen-Doku „Inside Job“ einen Oscar erhielt: „Vor drei Jahren wurde eine weltweite Finanzkatastrophe durch massive Betrügereien verursacht. Doch bis heute musste dafür noch kein einziger Finanz-Manager ins Gefängnis. Da läuft etwas völlig falsch!“

Ach ja, außer den Gewinnern waren auch noch zwei Moderatoren im Kodak Theatre von Los Angeles zugange. Allerdings fielen Anne Hathaway und James Franco kaum auf, obwohl Letzterer sogar als Hauptdarsteller in „127 Hours“ (der bei sechs Nominierungen übrigens auch komplett leer ausging) selbst eine Oscar-Chance hatte. Wie mau die Gags der beiden waren, zeigte eine Rückblende auf Bob Hopes genial-pointierte Moderationen - die waren sogar in schwarzweiß lebendiger als die des Jahres 2011!

So war der schönste Oscar-Moment der 83. Verleihung auch nicht Anne Hathaway oder James Franco zu verdanken, sondern einer 94-jährigen Hollywood-Legende: Kirk Douglas! Am Stock gehend und mit schleppender, kaum noch zu verstehender Stimme verlieh er den Preis für die beste Nebendarstellerin. Dabei erwies er sich als galanter Charmeur: „Du siehst toll aus! Wo warst Du nur, als ich noch Filme gedreht habe?“, fragte er eine mädchenhaft errötende Anne Hathaway.

Antwort: weit weg von einer Oscar-Verleihung - und das wäre wohl besser auch so geblieben…

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