Alte Männer in allen Ehren

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Joel Coen Poster

Mit vier Oscars zeigte der härteste Film des skurrilen Regieduos, wie erfolgreich sich Blut in Gold verwandeln lässt. Bei solcher Zauberei musste sich der Konkurrent von der Ölproduktion, „There Will Be Blood“, mit halbem Ertrag, mit zwei Preisen, zufrieden geben.

Hollywoods Wunderkinder Joel und Ethan Cohen räumten mit "No Country for Old Men" ab Bild: © A.M.P.A.S.

Vor den Gewinnern standen bereits die Verlierer des Jahres fest, waren doch „Zodiac - Die Spur des Killers“ und „Into the Wild“ von der Academy ignoriert oder nur unzureichend gewürdigt worden. Zu ihnen gesellte sich beim 80. Oscar-Jubiläum das Kostümdrama „Abbitte„, das mit einem Musik-Preis abgespeist wurde.

Da streikten nach den Drehbuchautoren nun offensichtlich auch die Geschmacksnerven der Voter, obwohl solche Stoffe traditionell als Delikatesse gelten. So triumphierte mit „No Country For Old Men“ nicht Opulenz, sondern Ökonomie.

Auch auf dem Roten Teppich war das ein Trend. Die Ohrringe von Daniel Day-Lewis, der wie erwartet für seinen giftigen Öltykoon aus „There Will Be Blood“ prämiert wurde, waren das Auffälligste beim obligatorischen Star-Defilee. Lobenswerte Erwähnung verdient allenfalls John Travoltas kurz geschorener Kopf, von dem man ideal Golfbälle hätte abschlagen können.

Penélope Cruz überreicht dem österreichischen Regisseur Stefan Ruzowitzky den Auslands-Oscar für sein KZ-Drama "Die Fälscher" Bild: © A.M.P.A.S.

Farbenfrohes auf dem Roten Teppich

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Zurückhaltend gab sich auch Moderator Jon Stewart, der seine besten Momente im Eröffnungsmonolog hatte, als er Hollywoods Ex-Drogenkönig Dennis Hopper persönlich begrüßte, „nur damit dieser auch wisse, wo er sich gerade befände.“

Für den Rest des Abends wurde der hintergründige Witz Stewarts weitgehend vermisst oder vom Auditorium des Kodak Theater nicht verstanden. Bei den oscarnomierten Songs bestätigte sich, dass diese Kategorie kreatives Notstandsgebiet bleibt. Einmal war da wirklich genug, nur den Siegersong aus dem Indie-Musical „Once“ hätte man mehrfach hören können.

Ihre Darstellung der französischen Chanson-Legende Edith Piaf überzeugte die Academy: Marion Cotillard Bild: © A.M.P.A.S.

Applaus für Madame Cotillard

Unerbittlich von der Uhr getrieben bedankten sich die meisten Gewinner mit dem Charisma von Buchhaltern, während in Einspielungen gezeigt wurde, was vor Jahren noch möglich war (Cuba Gooding Jr. als explodierender Springteufel).

Am besten bewältigte Javier Bardem (Bester Nebendarsteller für „No Country For Old Men“) den Zeitdruck: Er bedankte sich bei der anwesenden Mutter in Spanisch, brachte dabei mehr Wörter unter als alle ihm folgenden Preisträger zusammen.

Die erste Überraschung lieferte Tilda Swinton, die für ihre skrupellose juristische Ausputzerin in „Michael Clayton“ prämiert wurde. Völlig erstaunte Gesichter aber setzte es, als nicht Julie Christie, sondern Edith Piaf-Darstellerin Marion Cotillard („La Vie en Rose„) den Oscar sichtlich überwältigt in den Händen hielt. Da verlor selbst „ElizabethCate Blanchett mit aufgerissenen Augen die königliche Contenance.

Nicole Kidman gratuliert Ausstatter Robert Boyle zu seinem Ehren-Oscar Bild: © A.M.P.A.S.

Oscar für Österreich

Mit den Tränen kämpfte Diablo Cody, die sonst so coole Autorin des Überraschungshits „Juno„. Sie wurde die erste Ex-Stripperin, die tatsächlich einen Goldjungen mit nach Hause nehmen durfte.

Nachdem Österreichs Beitrag „Die Fälscher“ den Siegeszug deutschsprachiger Produktionen in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ fortgesetzt hatte, schafften die Coen-Brüder als Autoren, Regisseure und Koproduzenten einen echten Hattrick.

„No Country For Old Men“ - auf diesen Abend traf das also nicht zu. Zumal der mit dem Ehrenoscar ausgezeichnete Ausstatter Robert Boyle mit 98 Jahren nach großem Respektbeifall die beste Rede hielt: „Das ist der Vorteil, wenn man so alt wird, den Rest aber kann ich nicht empfehlen.“

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