Joachim Król

Joachim Król

Leben & Werk

Der bewegteste Mann des deutschen Films, seit er 1994 in Sönke Wortmanns Komödienhit durch die Liebe völlig aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Den Commissario Brunetti in TV-Filmen nach Romanen der Krimi-Autorin Donna Leon spielte Joachim Król auf den ersten Blick kauzig-verschroben und hilfsbedürftig, aber auch pfiffig und verschmitzt und immer mit Seelentiefe.

In vielen seiner Rollen schwingen diese Attribute mit, weisen auf eine Skurrilität, die rührend ist, menschlich und sympathisch. Oft ist er der Realität gegenüber hilflos, erlebte als Schriftsteller Jakob Windisch ein Desaster in der Liebesnacht mit der rassigen Kellnerin Seraphina in “Rossini”, wo er anschließend von Hannelore Hoger vergewaltigt wurde. Verträumt als schüchterner Dortmunder Bierfahrer und Hobby-Fahrplanexperte Hannes in “Zugvögel … einmal nach Inari”, verliebte er sich unterwegs in eine Finnin. Als erfolgreicher Anwalt in Wortmanns “Das Superweib” stand er unter der Fuchtel der resoluten Mutter (Liselotte Pulver), vor der er sich in virtuelle Spielwelten flüchtete.

1957 in Herne geboren debütierte der Bergmannnssohn als junger Taubstummer in “Kaltes Fieber” und wurde durch Detlev Bucks “Wir können auch anders” bekannt: Als Kipp, stotternder Freigänger aus der Psychiatrie, unternahm er mit seinem Kumpel Most eine Tour in die neuen Bundesländer zwecks Erbschaft und erlebte Road-Movie-Überraschungen. Zum gefragten Schauspieler machte ihn der unglücklich in einen Hetero (Til Schweiger) verknallte tragikomische Schwule aus “Der bewegte Mann“, der sich nackt in einem Schrank verstecken musste und der seinen Partner scheu auf die Schulter küsste. Das brachte Król 1995 Bundesfilmpreis und Bayerischen Filmpreis ein.

Speziell in den frühen Rollen linkisch und weltfremd, haben seine Figuren Ziele, lernen sich zu behaupten wie der Trapper in “Die Stunde des Lichts“, der die Polarnächte in der Arktis in unfreiwilliger Begleitung einer holländischen Studentin verbringt und nackt mit ihr über Eislandschaften tollt.

Dem Fernsehen verweigerte sich Król, gestandener Theaterschauspieler in Moers, Bochum und Hannover, bis er im Remake von “Es geschah am hellichten Tag” die Heinz-Rühmann-Rolle des Kommissar Matthäi spielte. An der Seite von Barbara Auer als seiner Filmehefrau war er 1999-2001 vier Mal der in Venedig ermittelnde Commissario Brunetti, bis er 2002 im russisch-deutschen Drama “Der Kuss des Bären” als Groppo, Clown eines Wanderzirkus, und dem Thriller “Lautlos” als Profikiller auf die Leinwand zurückkehrte. In einer Nebenrolle war er in Hans-Werner Geißendörfers “Schneeland” zu sehen, einem in Lappland angesiedelten Schicksalsreigen, während er in der österreichischen schwarzen Komödie “Silentium” als Sportpräfekt einem verdutzten Josef Hader erklären durfte, was der Filmtitel bedeutet: “Halt’s Maul – auf Lateinisch”.

2005 verkörperte er den Pathologen Gottfried Binder in “Tod eines Keilers“, der nach einer Lungentumorentfernung den kuriosen Einfall hat, seinen kettenrauchenden Chef umzubringen. Regisseur Urs Eggers wurde hierfür mit der Goldene Romy ausgezeichnet. In der Nebenrolle als Herausgeber Moritz Szeps spielte er bei Robert DornhelmsKronprinz Rudolf” mit und zur Dokumentation “Warum halb vier?” von Lars Pape, die den Fußballfan ins Rampenlicht stellt, gehört auch ein Interview mit Król, der von frühen Stadionbesuchen mit seinem Vater berichtet. Wieder als Kriminalhauptkommissar, diesmal in Essen, ermittelt er als Alex Lutte in der Krimireihe “Lutter – Um jeden Preis” und “Essen is’ fertig”. An seiner Seite ist der etwas schüchterne Assistent Bergmann, gespielt von Lucas Gregorowicz.

Joachim Król ist mit Heidrun Teusner verheiratet, die beiden haben einen Sohn. Król, mit trockenem Ruhrgebietshumor gesegnet, sagt von seiner Karriere: “Ist doch gut. Ich mag’s.” Und über die Zeit von “Rossini”: “Es war aufregend, hier mit so viel prominenten Kollegen in der Champions League, wie ich es nenne, zu arbeiten.”

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