Leben & Werk

Tschechischer Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Oscar-Preisträger. Einer der bekanntesten und erfolgreichsten tschechischen Regisseure aller Zeiten, verliebte sich Jiri Menzel in der Schule in die Filme von Chaplin, Jean Renoir und René Clair, deren Poesie des Alltags Eingang gefunden hat in sein eigenes Werk. Menzels Filme von „Liebe nach Fahrplan“ (1965) bis „Ich habe den englischen König bedient“ (2007) sind meisterhafte Tragikomödien, melancholische Schelmenstücke, der Solidarität kleiner Leute gegen die Mächtigen verpflichtet. Im Räderwerk der Geschichte gefangen wie der legendäre Schweijk aus Jaroslav Haseks „Der brave Soldat Schweijk„, mit subversivem und hintergründigem Humor, zeigen Menzels Filme im Spannungsverhältnis von Politik, Moral und Sexualität den tschechischen Nationalcharakter von Menschen, die Bier und Huren lieben, mit Geld um sich werfen und alle drei Lebensqualitäten feiern.

Jiri Menzel gilt filmhistorisch als treibende Kraft der tschechischen Neuen Welle, die Mitte der 60er-Jahre mit Filmen von Milos Forman („Die Liebe einer Blondine“), Véra Chytilova („Tausendschönchen“), Jaromil Jires und anderen den europäischen Film mit avantgardistischer Vielfalt bereicherte. Menzels erster Langfilm „Liebe nach Fahrplan“ schildert in für ihn typischer Weise, wie sich ein schüchterner Bahnpraktikant während des Zweiten Weltkriegs in eine junge Partisanin verliebt und Widerstand gegen die deutschen Besatzer leistet. Der Film wurde 1966 mit dem Auslands-Oscar ausgezeichnet. Während des Prager Frühlings 1968 gedreht, wurde Menzels dritter Film, die Politsatire „Lerchen am Faden“, die die Umerziehung dreier „bourgeoiser Elemente“ auf einem riesigen Schrottplatz schildert, verboten und lagerte zwanzig Jahre im Giftschrank, bevor er bei der Uraufführung 1990 mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet wurde.

Jiri Menzel wurde 1938 in Prag als Sohn eines Kinderbuchautors geboren, dessen umfangreiche Bibliothek Menzel zum Bücherwurm machte. Bis heute entstanden viele seiner Filme nach Vorlagen tschechischer Autoren, vor allem Bohumil Hrabal (1914-1977), der vier Drehbücher für Menzel verfasste und dessen Schelmenroman „Ich habe den englischen König bedient“ Krönung seines Werks wurde. „König…“ schildert Weltgeschichte aus der Perspektive des Kellners Dite, der zum Hotelbesitzer auf- und zum Waldarbeiter absteigt. Der Film umfasst vier Jahrzehnte nationaler Geschichte und brach 2006/07 Kassenrekorde in Tschechien.

Menzel begann 1957 ein Regiestudium an der Prager Filmhochschule, inszenierte Kurzfilme und Nachrichtenfilme und eine Episode des Omnibusfilms „Perlen auf dem Meeresgrund“ (1963). Nach dem Ende des Prager Frühlings arbeitete der mit Berufsverbot bedachte Menzel am Theater, kehrte 1974 zur Filmregie zurück. 1978 entstand mit „Die wunderbaren Männer mit der Kurbel“ eine der schönsten Huldigungen an die Pioniere der Stummfilmzeit. In den 80er-Jahren inszenierte Menzel mit „Kurzgeschnitten“ (1980), „Das Wildschwein ist los“ (1983), dem Oscar-nominierten „Heimat, süße Heimat“ (1985) und „Ende der alten Zeiten“ (1989) erfrischend charmante böhmische Dorfgeschichten als menschliche Komödien. 1989 übernahm er die Leitung der Prager Filmhochschule. Nach dem wehmütigen Militärschwank „Die denkwürdigen Abenteuer des Soldaten Iwan Chonkin“ (1993) arbeitete Menzel fürs Theater, inszenierte unter anderem 1991 eine Version der „Bettleroper“, in der er scharf mit Bertolt Brecht abrechnete.

Menzel war Darsteller in 60 Filmen, tschechische und ungarische Produktionen, dem Defa-Märchenfilm „Sechse kommen durch die Welt“ (1972) sowie in Costa-Gavras‘ Politsatire „Die kleine Apokalypse“ (1991). Seine Filme wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.

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