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Lustige Nachlassverwalter

Ehemalige BEM-Accounts |

Jerry Bruckheimer Poster
© Buena Vista

Während in Deutschland das Ende der Spaßgesellschaft proklamiert wird, haben die Amis eben jene für sich entdeckt. Im Kino, abseits der Leinwand - und in Interviews, wie denen zu Jon Turteltaubs Hochgeschwindigkeits-Schnitzeljagd.

Henne im Korb: Diane Kruger zwischen Nicolas Cage und Justin Bartha Bild: Buena Vista

Sean ist ein netter, ruhiger Kerl. Einer mit dem man gerne ins Fußballstadion oder auf ein Bier geht - oder auch beides. Sean redet nicht gerne. Vor allem gibt er nur sehr ungern Interviews. Ja, unschwer zu erkennen, Sean hasst Interviews richtiggehend. Das wäre ja auch weiter nicht tragisch, wenn Sean mit Nachnamen nicht ausgerechnet Bean heißen würde.

Dann nämlich wäre er kein internationaler Filmstar, er würde nicht in Jerry Bruckheimers neuester Produktion „Das Vermächtnis der Tempelritter“ mitspielen und wäre ob dieser Tatsache auch nicht gezwungen, Interviews zu geben!

Schielt schon nach dem Notausgang: Sean Bean, an seiner Seite John Voigt Bild: Buena Vista

Cage als Eiserne Lady?

Allein ist Sean Bean in dieser Bedrängnis nicht, alleine dastehen tut er dagegen schon. Denn die gute Laune seiner Arbeitskollegen Nicolas Cage, Justin Bartha, Jon Turteltaub und - wenn sich so etwas bei ihm überhaupt feststellen lässt - Jerry Bruckheimer ist geradezu ansteckend.

Eine Mordsgaudi haben sie gehabt beim Dreh, sagen sie alle. Nein, für Geschichte haben sie sich bisher nicht so interessiert, sagen Bartha und Cage. Das werde sich nun aber ändern, meint zumindest letzterer. Er interessiere sich nun sogar so sehr für Geschichte, dass er sich in der gerade anschwappenden Biopic-Welle zwischen „Alexander“ und Howard Hughes („Aviator„) bereits nach einer Rolle als Margaret Thatcher umschaue. Spaßvogel.

Action an historischen Schauplätzen Bild: Buena Vista

Science Fantasy

Jon Turteltaub dagegen interessierte sich schon immer für Geschichte: „Wir haben versucht, alles so exakt wie möglich zu machen. Natürlich ist es eine fantastische Geschichte über einen Schatzsucher. Aber die grundlegenden Fakten sind richtig. Viele Gründerväter waren Freimaurer, die historischen Orte und Gebäude sind alle korrekt dargestellt. Von dieser Basis ausgehend, sagen wir lediglich, dass es so sein könnte.“.

Anschließend umreißt er kurz die Story über seinen Helden Benjamin Franklin (!) Gates, der die Unabhängigkeitserklärung stehlen muss, um eine auf der Rückseite des Dokuments versteckte Karte zum legendären Schatz der Tempelritter vor den bösen Buben, allen voran dem schweigsamen Sean, zu retten.

Regisseur Turteltaub erklärt Cage den richtigen Kniff beim Drehen Bild: Buena Vista

Explosive Geschichtsstunde

Bean wollte zwar tunlichst keine Bösewichter mehr in amerikanischen Filmen spielen, weil sein Leumund mittlerweile derart schurkisch ist, dass es nicht mehr zum Spaßen ist. Aber beim Lesen des Drehbuches hatte auch er so viel Freude, dass er die Rolle dann doch übernahm. Da wusste er auch noch nichts von den Interviews.

„Erst beim Drehen habe ich gemerkt, dass in all der Action dieser rasanten Schnitzeljagd auch ein ganz ernster Kern steckt. Die Unabhängigkeitserklärung, Independence Hall - all das sind ganz reale Dinge aus der Historie. Vielleicht interessiert der Film auf dieser Ebene die Menschen für Geschichte.“ Und wenn nicht, dann gibt es wenigstens ordentlich Rabatz und was zum Lachen.

Prüfender Blick: Cage und Bartha Bild: Buena Vista

Helden mit Köpfchen

Justin Bartha scheint für so etwas wie gemacht. Im Kino wie im richtigen Leben. Mit breitem Grinsen und sichtlichem Spaß beantwortet er auch die x-te Frage nach seinem Mega-Flop „Liebe mit Risiko„, flirtet offen mit Journalistinnen und wirkt tatsächlich genau so wie der putzige Technik-Freak Riley im „Vermächtnis der Tempelritter“. Wer möchte da noch behaupten, dass Typecasting etwas Schlimmes wäre.

Außerdem braucht man solche Figuren nun mehr denn je. Dieser Ansicht ist zumindest Jon Turteltaub: „Hollywood gibt dem Publikum viel zu wenig intelligente Helden. Ben Gates ist ein kluger Bursche, und er ist alles andere als langweilig. Solche Helden dabei zu beobachten wie sie Geheimnisse lösen, ist einfach großes Drama.“

Nach "Troja" der nächste Blockbuster für Kruger? Bild: Buena Vista

Klassentreffen

„Ich mag die Abwechslung“, meinte dann auch Nic Cage, auf seinen Part angesprochen. „Natürlich sind Rollen wie in ‚Adaption‚ oder ‚Tricks‚ ganz toll, aber auch ‚Das Vermächtnis der Tempelritter‘ ist eine große Sache. Ben Gates ist für mich eine interessante und herausfordernde Figur. Und außerdem war es einfach ein Riesenspaß.“ Da haben wir es wieder. Allein, man ist geneigt ihm zu glauben - so locker sitzt der ansonsten eher zugeknöpfte Nic Cage im weit aufgeknöpften Hemd da und so gelassen und entspannt erledigt er die lästigen PR-Pflichten.

Hinzu kommt, dass Jon Turteltaub mehr von der gemeinsamen Schulzeit mit Cage erzählt, als über die schwierigen Produktionsbedingungen zu klagen. Immerhin drehte man an historisch und aktuell höchst relevanten Orten einer Nation, die sich selbst den permanenten Kriegszustand auferlegt hat und die Bedrohungslage nur noch nach Nuancen zwischen rot und orange unterscheidet.

Könnte sich angesichts des Erfolges jetzt entspannen: Regisseur Turteltaub Bild: Buena Vista

Das Bruckheimersche Orakel

„Ach, ich interessiere mich eigentlich kaum für Politik.“, wiegelt Blockbuster-König Jerry Bruckheimer gleich ab. „Ich will einfach nur die Filme machen, die ich auch selbst sehen möchte. Ich möchte Spaß im Kino.“ Das sagt Bruckheimer nun schon seit Jahren - und zwar im Wortlaut. Dass der Wahrheitsgehalt dieser Aussage tatsächlich nur vom Bankkonto abhängt, um das man sich im Falle Bruckheimer keine Sorgen zu machen braucht, ist ohnehin klar.

Weiterhin gibt er munter Auskunft zu Themen wie dem Führungswechsel in der MPAA, Altersfreigaben, Zukunftsplänen, etc. - wie immer ohne dabei wirklich etwas zu sagen. Er hat Spaß daran, Journalisten und die Öffentlichkeit im Dunkeln tappen zu lassen, viel Spaß hat er dabei.

Zehn Dollar für ne Kinokarte und nochmal acht für das Wasser?! Bild: Buena Vista

Richtiger Riecher

Interessanter ist da schon, zu hören, wie sich Jon Turteltaub nach den düsteren Prognosen der Boxoffice-Auguren um den Erfolg des Filmes sorgt und plötzlich eine Panikattacke erleidet: „Ich hätte da Ideen für ein Sequel, aber das wird wohl nie stattfinden, weil der Film floppt und ich nie wieder arbeiten werde. Oh, Gott!“

Jerry Bruckheimer reagiert auf die Frage viel ruhiger, grinst in sich hinein und meint lapidar, man solle doch mal abwarten. Er wusste scheinbar schon im Vorfeld, dass „Das Vermächtnis der Tempelritter“ in den USA auf Platz eins starten und bereits am ersten Wochenende knapp 40 Millionen Dollar einspielen würde.

„Jerry hat ein Näschen für das Publikum“, meint Jon Turteltaub, wieder erholt von seiner Panikattacke. Damit ist wohl alles gesagt. „Noch Fragen? Keine? Na dann, schönen Abend noch“. Sean Bean steht vom Tisch auf, atmet laut hörbar und erleichtert aus und lächelt. Nun hat auch er Spaß - endlich.

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