Jean-Pierre Melville

Schauspieler • Producer • Regisseur • Drehbuchautor • Cutter
Jean-Pierre Melville Poster

Leben & Werk

Filmhistorisch ist er der erste und in seiner Personalunion als Produzent, Regisseur und Autor der einzige „auteur complet“ der französischen Filmgeschichte. Jean-Pierre Melville (1917 – 1973) hat als Ästhet und Chronist des Gangsterfilms in ungeheurer, nach Jahrzehnten noch überwältigender und überzeugender formaler Perfektion das Genre auf einen einsamen Gipfel der Vollkommenheit geführt. Melvilles Filme sind ein Universum für sich, ein abgezirkelter, eigenständiger Kosmos, ohne wirkliche Vorbilder, auch wenn sich Einflüsse vom Film noir, vom Western und der Literatur erkennen lassen. Melville hat sie jedoch in einer Weise verändert und in seinen Themenkomplex integriert bzw. seiner ureigenen Bildsprache angepasst, dass jeder Verweis müßig ist. Schon im ersten seiner 13 Spielfilme ist Melvilles Welt etabliert. Sie bezieht aus Entdramatisierung, absolutem Professionalismus seiner Personen und vor allem aus der Ambiguität und Ambivalenz allen Handelns in beinahe paradoxer Weise ihre faszinierende innere Spannung. Wer Melville-Filme betrachtet, erlebt gleichzeitig Kino und Meta-Kino in Vollendung. Melville, eig. Jean-Pierre Grumbach, nannte sich nach dem Autor des „Moby Dick“ Melville, gründete nach Kriegs- und Résistance-Zeit 1945 seine eigene Produktionsfirma und baute die Studios Jenner in Paris auf, die 1967 abbrannten. Sein erster Film „Das Schweigen des Meeres“ (1947) entstand unter abenteuerlichen Bedingungen (Geldmangel und wenig Filmmaterial) und heiklen politischen Vorzeichen, weil die Résistance ein Mythos war, den Melville gleichwohl unterlief, indem er statt heroischer Taten passiven Widerstand in absolutem Schweigen inszenierte. In „Eva und der Priester“ und „Armee im Schatten“ greift er die Themen des Widerstand wieder auf. Der Cocteau-Verfilmung „Die schrecklichen Kinder“ und dem Melodram „Und keine blieb verschont“ folgte mit „Bob le flambeur – Drei Uhr nachts“ der erste jener Unterweltfilme, die Melvilles Ruhm ausmachen. War „Bob“ noch Melvilles Jugendzeit mit den Ganoven am Montmartre verpflichtet, und der in New York gedrehte „Zwei Männer in Manhattan“ (in dem er selbst spielte) eine Recherche zweier Journalisten zwischen Jazz, Western und der Melancholie der Metropole, so legte „Der Teufel mit der weißen Weste“ (mit Jean-Paul Belmondo) Melvilles Kanon fest. Dieser kreist um Freundschaft, Ehrenkodex, Verrat und Einsamkeit. „Der zweite Atem“ (mit Lino Ventura) überführte die immer in den Tod führenden Endzeitspiele Melvilles in die Dimension der Regelhaftigkeit und Ausweglosigkeit jeglichen Handelns. In der Figur des Profikillers Jeff Costello (Alain Delon) in „Le samourai – Der eiskalte Engel“ wurde ein Höhepunkt erreicht: Der zwischen die Fronten von Auftraggebern und Polizei geratene Killer begeht Harakiri. Delons Charisma, die Lakonie seiner Bewegungen und die eleganten Gesten des Todesengels weitete Melville in „Vier im roten Kreis„, einem mit den 18 Standardsituationen des Genres unterfütterten Requiem um den letzten Coup dreier Männer, seinem größten finanziellen Erfolg, noch einmal aus, um mit seinem letzten Film „Un flic – Der Chef“ einen Zustand völliger Reduktion zu erreichen, der wie das Gesamtwerk singulär in der Filmgeschichte ist.

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