Jean-Pierre Jeunet

Producer • Regisseur • Drehbuchautor
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Leben & Werk

Er erzählt Märchen mit den Mitteln eines poetischen Realismus, der sich zwar am filmhistorischen Poetischen Realismus des französischen Kinos der 30er-Jahre orientiert, ihn aber in ein zeitloses Universum überträgt, das surreal, stilisiert, magisch und existentialistisch zugleich sein kann. Regisseur Jean-Pierre Jeunet schuf mit „Delicatessen„, „Die Stadt der verlorenen Kinder„, „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und „Mathilde – Eine große Liebe“ Filme, die durch pittoreske Dekors, rabenschwarzen Humor und verquere Romantik ihre eigene unverwechselbare Atmosphäre herstellen. In „Amélie“ und „Delicatessen“ sind es Montmartre und die Vorstadt, in „Stadt“ ein rätselhaftes Schloss im Meer vor der Küste. Alle Ortschaften sind bewohnt von einem bunten Völkchen seltsamer Leute, die ihren Obsessionen nachgehen, so der Metzger, der Menschenfleisch verwurstet, der Sonderling, der Kinder einfangen lässt, um ihnen ihre Träume zu stehlen, oder die bezaubernde Amélie (Audrey Tautou), die als Kellnerin von schrägen Typen umgeben ist und ihre magischen Fähigkeiten entdeckt.

Jeunet wuchs in Paris auf und arbeitete 15 Jahre gemeinsam mit seinem Partner Marc Caro an Animations- und Zeichentrickfilmen, Videoclips, Werbespots und Kurzfilmen, die mehrere Césars gewannen. Als manische Bastler und kompromisslose Künstler waren die beiden Studiofreaks, weil ihnen dort die Kontrolle über ihr Material gesichert war. Nach „Delicatessen“, der 1990/91 zum Überraschungserfolg wurde, folgte als letzte gemeinsame Arbeit „Die Stadt der verlorenen Kinder“, wo ihnen das Kunststück gelang, ihre Comicwelt bruchlos mit den an Jules Verne, E.T.A. Hoffmann und Charles Dickens erinnernden Fantasien zu verbinden. Mit „Alien – Die Wiedergeburt“ wagte Jeunet 1997 einen Ausflug nach Hollywood und schuf mit dem genialen Kameramann Daius Khondji („Sieben“, „Evita“) in der vierten Folge der „Alien“-Saga erneut ein Meisterwerk des SF-Horrorfilms in teils atemberaubender Visualisierung. Die im dritten „Alien“ geopferte Ripley (Sigourney Weaver) wird wiedergeboren und rettet die Welt vor der ausgebrochenen Brut von Monster-Setzlingen, die als perfekte Kampfmaschinen ihrer Bestimmung folgen wollen. Jeunets von der Wettbewerbsleitung des Filmfestivals Cannes abgelehnter „Amélie“ wurde per Mundpropaganda 2001 ein Sensationserfolg in Frankreich und führte sogar Staatspräsident Jacques Chirac ins Kino, der dem Volk aufs Maul schauen wollte.

Erneut mit seinem „Amélie“-Star Audrey Tautou drehte er eine ebenso „fabelhafte“ Liebesgeschichte im Ersten Weltkrieg, die die Heldin auf eine lange und beschwerliche Suche nach ihrem als tot gemeldeten Geliebten schickt und die Greuel des Krieges erleben lässt: „Mathilde – Eine große Liebe“ ging lange vor Kinostart durch die Presse – nicht nur als eine der teuersten Produktionen Frankreichs, sondern auch wegen der Beteiligung des US-Studios Warner.

Mit Dany Boon, mit „Willkommen bei den Sch’tis“ auch als Regisseur extrem erfolgreich, als Hauptdarsteller erzählte Jeunet in „Micmacs“ (2009) ein weiteres in Paris angesiedeltes Märchen für Erwachsene.

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