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Jean-Marie Straub

Schauspieler • Producer • Regisseur • Drehbuchautor • Cutter • Kameramann

Leben & Werk

Der radikale Minimalist, Formalist und Asket des Neuen Deutschen Films, später des europäischen Films, ein in den Weltanschauungen so dogmatischer wie streitbarer bewusster Außenseiter. Jean-Marie Straub reduziert die Filmsprache auf Bilder, die auf keinen Fall Emotionen wecken sollen, die als absolute Bilder von Personen und Landschaften karg bleiben, dem Zuschauer zur Verfügung stehen, dafür aber mit Musik von Johann Sebastian Bach und Neutöner Arnold Schönberg gefüllt werden, die oft in merkwürdigem Kontrast zu den Bildern stehen.

Straub wurde 1933 in Metz geboren und musste seit der deutschen Besetzung Frankreichs 1940 Deutsch lernen. Nach dem Krieg legte er sein Abitur bei den Jesuiten ab, leitete Filmclubs, ging 1954 nach Paris und 1958 nach Deutschland. Mit geliehenen 115.000 DM drehte er die Heinrich-Böll-Adaptionen „Machorka-Muff“ (1962) und „Nicht versöhnt oder es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht“ (1965), die ihn in der Festivalkultur bekannt machten. Ebenso unkonventionell geriet 1967 sein bekanntester Film: „Die Chronik der Anna Magdalena Bach“ führt in Form von Tagebuchberichten Szenen aus dem Leben des Musikers vor, der tägliche Kleinkämpfe ausfechten muss, um zu überleben. Wegen der fehlenden Fördermittel geht Straub mit seiner Frau Daniéle Huillet (geb. 1936), die wesentlichen Anteil an seinen Filmen hat, nach Frankreich zurück, verfilmt Corneille („Othon“, erster Film in Farbe), Brecht („Geschichtsunterricht“) und Arnold Schönbergs Opernfragment „Moses und Aron„, das 1974 als eine der ersten Ko-Produktionen von über zehn Sendern Europas in die TV-Geschichte eingeht.

Von der Musik abgesehen, zielen einige Filme von Straub/Huillet auf dialektische Zwecke, arbeiten mit ellenlangen lehrbuchhaften und poetischen Titeln („Othon. Die Augen wollen sich nicht zu jeder Zeit schließen oder Vielleicht eines Tages wird Rom sich erlauben seinerseits zu wählen“) und gehen konsequent gegen Sehgewohnheiten an. Daraus entsteht im besten Fall Filmkunst von karger Schönheit, aber auch Theater, das belehren will.

1992 entsteht „Antigone“ auf Sizilien in den Ruinen des griechischen Theaters auf Segesta (das Woody Allen für „Geliebte Aphrodite“ nutzte). Italien inspirierte Straub außer bei „Othon“ zu weiteren Filmen wie der Elio-Vittorini-Adaption „Sicilia!“ (1999), die die Heimkehr eines verlorenen Sohnes schildert, und „Arbeiter, Bauern“ (2001), der Schicksale von Bauern und Flüchtlingen in der Nachkriegszeit schildert.

Filme und Serien

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