Leben & Werk

Jean-Luc Godard war in den Jahren 1959 - 1967 der innovativste, produktivste und umstrittenste Regisseur der „Nouvelle Vague“, der Erneuerungsbewegung des französischen Films, und er hat wie kein zweiter Künstler die Filmsprache verändert. Sein Motto: „Aber sind diese Bilder und Töne auch notwendigerweise die richtigen?“, weist auf Godards Arbeitsweise, der sich vom Bewunderer des US-Kinos zu seinem Kritiker wandelte: Godard spiegelt die Realität in seinen Filmen nicht wieder, sondern er zitiert sie, montiert sie und setzt sich in diesem Prozess mit seiner Arbeit auseinander, bringt sich selbstreflexiv ein, was seine Filme sperrig macht in Bezug auf Konventionen des Erzählkinos. Als intellektuelle Entwürfe, gedanklich und montagetechnisch faszinierende Denk-Arbeiten, sind Godards Werke von großem Einfluss gewesen, als Kino nehmen sie eine Außenseiterstellung ein. Sein erster Spielfilm „Außer Atem“ mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg, eine Hommage an den B-Film der 40er und den Film noir fing noch den Geist der rebellierenden Jugend Frankreichs ein und wurde in einem damals bahnbrechenden Stil mit Jump Cuts, Handkamera und improvisiertem Dialog gedreht. Seine „romantische Periode“, in der er sich an Komödien („Eine Frau ist eine Frau„), Gangsterfilmen („Die Außenseiterbande„), Science-Fiction („Alphaville“), Film-im-Film („Die Verachtung“, mit Brigitte Bardot und Michel Piccoli) und Melodramen („Die Geschichte der Nana S.“) spielerisch versuchte und mit „Pierrot le Fou“ (mit Belmondo) den wichtigsten französischen Film der 60er Jahre schuf, gehört zu seinen fruchtbarsten und zugänglichsten Perioden. Nach einem Motorradunfall und den Ereignissen der Pariser Studentenunruhen des Mai 1968 wandte sich Godard demonstrativ mit „Weekend“ vom kommerziellen Kino ab, arbeitete in einem Kollektiv, dessen Filme unvollendet blieben oder nie gezeigt wurden, und begann 1974, inzwischen in der Schweiz, mit Video-Produktionen und Arbeiten für das Fernsehen eine zweite Karriere. 1980 bis 1985 arbeitete er wieder für die Filmindustrie („Vorname: Carmen“), zog sich aber Mitte der 80er definitiv auf die Video-Arbeit für das Fernsehen zurück, für das er sehr persönliche Studien und Reflexionen über die Geschichte des Kinos in seinem Video/Film/Buch-Projekt „Histoire(s) du Cinéma“ herstellte und so ketzerische wie kluge, persönliche wie elitäre Gedanken formuliert. Godard war mit der dänischen Schauspielerin Anna Karina, die bis 1966 Hauptrollen in seinen Filmen spielte, und der Schauspielerin Anne Wiazemsky („One plus One“, der Film mit den Rolling Stones) verheiratet und lebte mit der Regisseurin Anne-Marie Miéville („Das Buch von Marie“, Vorfilm zu Godards „Maria & Joseph“) zusammen, mit der er die Produktionsgesellschaft Sonimage gründete. Zu seinem Film „Nouvelle Vague“ (1990, mit Alain Delon), einer Tristan-und-Isolde-Version, mit der er kurzfristig wieder im Kino vertreten war, erschien eine eigenständige CD. Für Deutschland interessant ist sein 1991 entstandener „Allemagne Neuf Zéro“ (mit Eddie Constantine), in dem er in der für ihn typischen Bild-Ton-Collage die Zeit nach der Wiedervereinigung reflektiert.

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