Jan Sverák

Schauspieler • Producer • Regisseur • Drehbuchautor
Jan Sverák Poster

Leben & Werk

Tschechischer Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Darsteller. Seine Filme gehören zu den bei Publikum und Kritik erfolgreichen tschechischen Produktionen, „Kolya“ gewann 1997 Oscar und Golden Globe als Bester Ausländischer Film, „Leergut“ avancierte 2007 zum erfolgreichsten tschechischen Film aller Zeiten. Mit seinem Vater Zdenek Sverak bildet Regisseur und Drehbuchautor Jan Sverak ein Dreamteam. In fünf Spielfilmen seines Sohnes („Die Volksschule“, „Akkumulator 1“, „Die Reise“, „Kolya“, „Leergut“), für die er das Drehbuch schrieb oder am Drehbuch beteiligt war, spielte Zdenek Sverak in Paraderollen, drei Mal („Die Volksschule“, „Kolya“, „Leergut“) übernahm er die Hauptrolle.

Jan Sveraks Filme sind stille und heitere, von warmherzigem Humor und Lebenserfahrung geprägte unterhaltsame Tragikomödien über den Verlust von Heimat, die Würde des Menschen, den sanften Abhang des Alters und die Integrität des Lebens in instabilen Verhältnissen. Auf dieser Ebene liegt der politische Subtext, der Verhältnisse der damaligen Tschechoslowakei und heutigen Tschechischen Republik spiegelt. Sveraks Helden sind in der Tradition der „böhmischen Seele“ stehende Nonkonformisten, die sich wie „Der brave Soldat Schwejk“ (Jaroslav Hasek) oder die Helden in den Filmen von Jiri Menzel („I Served the King of England“, 2007) in antiautoritärer Verweigerung üben, eine Flucht nach innen antreten und Glück in der Selbstbestimmung im Alltag finden.

Jan Sverak wurde 1965 in Zatec geboren und studierte 1983-88 an der Prager Filmhochschule Famu Dokumentarfilm. In der Zeit entstanden vier Kurzfilme über die Folgen von Umweltverschmutzung, für „Die Ölfresser“ erhielt er 1989 den Oscar der Studentenfilme. Gleich mit seinem Debütfilm „Die Volksschule“ (1991), der das Leben in der Provinz nach dem Zweiten Weltkrieg schildert, gelingt Sverak der erfolgreichste tschechische Film seit der „Samtenen Revolution“ von 1989 – „Die Volksschule“ wird für den Oscar nominiert. Sveraks Science-Fiction-Parodie „Akkumulator 1“, in der ein Jugendlicher durch TV-Konsum Energie verliert und um seine Liebe und gegen das Medium kämpfen muss, war 1994 der bis dahin teuerste Film des Landes und wurde in Venedig ausgezeichnet. Das Road Movie „Die Reise“ (1994), eine Low-Budget-Produktion um zwei Aussteiger, die mit einem Auto, dessen Dach sie abgesägt haben, als Cabrio durch den Süden des Landes touren, gewann den Hauptpreis als Bester Film auf dem Festival in Karlovy Vary 1995.

International machten die Sveraks mit „Kolya“ (1996) Furore. Die Geschichte um die Scheinehe eines politisch verfolgten Cellisten (Zdenek), der von der Frau verlassen, mit ihrem Kind allein gelassen wird und mit dem Jungen zusammenwächst, erzielte Besucherrekorde und ist der erste von Sveraks eigener Firma Biograf Jan Sverak Pictures produzierte Film. Der Kriegsfilm „Dark Blue World“ (2001) entstand als Ko-Produktion mit Großbritannien und Deutschland und erzählt von zwei tschechischen Exilpiloten im Zweiten Weltkrieg, Freundschaft, Liebe und Eifersucht. In „Leergut“ (2007) ist Zdenek, der ein Jahr am Drehbuch schrieb, Lehrer Beppo, der den Beruf aufgibt und als Fahrradkurier, bei der Leergutannahme, mit seiner Frau und in Tagträumen vergnüglich skurrile und lebensweise Abenteuer erlebt.

Über seinen Vater drehte Jan Sverak 2004 die Dokumentation „Tatinek“. 2007 produzierte Sverak das Frauendrama „Little Girl Blue“ der tschechischen Regisseurin und Drehbuchautorin Alice Nellis.

Jan Sveraks Filme wurden insgesamt 28 Mal ausgezeichnet.

Filme und Serien

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