Jacques Deray

Producer • Regisseur • Drehbuchautor

Leben & Werk

Er inszenierte alle bedeutenden französischen Filmstars, sorgte mit „Borsalino“ für das cineastische Gipfeltreffen von Alain Delon und Jean-Paul Belmondo, drehte mit „Der Swimmingpool“ 1969 einen der erotischsten Filme aller Zeiten, sah sich in der Tradition von Regisseuren wie Henri-Georges Clouzot und Jacques Becker und wurde in der Generation von José Giovanni, Georges Lautner, Henri Verneuil und Claude Sautet einer der Meister des französischen Film noir. Deray stand mit seinem elegant-fließenden Inszenierungsstil im Dienst der Geschichte, erzählte geradlinig und schnörkellos und lehnte die (falsche) Ehre, ein „französischer Hitchcock“ zu sein, stets ab, verwies lieber auf den Otto Preminger von „Laura“ und verband Anleihen beim amerikanischen Gangsterfilm mit französischer Sensibilität.

1929 in Lyon als Sohn eines Industriellen geboren, ging Deray nach dem Abitur nach Paris, schauspielerte und wurde Assistent von Regisseuren wie Luis Bunuel, Jules Dassin und Verneuil. Seine erste Regiearbeit „Der Gigolo“ (1960) wurde allerdings ein Liebesfilm mit Alida Valli. Mit seinem zweiten Film „Rififi in Tokyo“, der sich noch an Dassins epochalem „Rififi“ (1954) orientierte, fand Deray sein Genre. „Die Haut des anderen“ (1965) war ein Agentenfilm mit Lino Ventura, der sich in seiner illusionslosen Haltung - eine Rettungsaktion scheitert - neben den Spionagefilmen der nach Len Deighton oder John Le Carré gedrehten britischen Filme sehen lassen konnte.

Mit „Der Swimmingpool“ erreichte Deray Meisterschaft. In dem zweistündigen, mit Minimaldialog auskommenden Thriller knistert es vor Spannung zwischen Alain Delon und Romy Schneider in Szenen erotischer Lust, verführt Delon die Tochter seines besten Freundes (Jane Birkin und Maurice Ronet), bringt ihn im Pool um und kommt ungestraft davon. Seitdem war Delon in zehn Filmen der bevorzugte Hauptdarsteller Derays: in „Borsalino“, der eine Hutmode kreierte, als Nadelstreifengangster im Marseille der 30er Jahre, der sich mit Belmondo boxt, in „Flic Story“ als Kommissar, in „Le Gang“ als Anführer einer Ganoventruppe, in „Killer stellen sich nicht vor“ als Zocker und in „Der Teddybär“ als Anwalt. Aber auch Belmondo als Kommissar in „Der Außenseiter“, Lino Ventura im kafkaesken Polit-Thriller „Mord in Barcelona“ oder Jean-Louis Trintignant als Auftragskiller in „Brutale Schatten“ spielten für Deray. Zwischen Charlotte Rampling als Mörderin und Michel Serrault als Kommissar kommt es in „Mörderischer Verdacht“ zu einem spannenden und erotischen Psychoduell, in „Dunkle Leidenschaft“ wird Béatrice Dalle in einem Landhaus in unheimliche Vorgänge verwickelt. Außerhalb des gewohnten Genres drehte Deray 1983 mit Jean-Louis Trintignant ein Kammerspiel um einen Professor, der von der Bürokratie eines kommunistischen Staates zerreiben wird. Nach dem Misserfolg von „Der Teddybär“ arbeitete Deray fürs Fernsehen.

Er starb 2003 74jährig in Boulogne-Billancourt bei Paris nach langer Krankheit. „Das Filmfestival von Cannes ist in Trauer und verwaist“, würdigte Gilles Jacob, Chef des Festivals, den Regisseur. Deray war 1981 Jury-Präsident in Cannes und danach im Verwaltungsrat des Festivals aktiv. „Seine Leidenschaft für das Kino und die großen Akteure, sein Gespür für Atmosphäre, Feinheiten und Stil haben aus ihm einen der großen Meister des französischen Film noir gemacht“, so Jacob.

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