István Szabó

Schauspieler • Producer • Regisseur • Drehbuchautor
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Leben & Werk

Vom wichtigen Vertreter des neuen ungarischen Kinos entwickelte sich István Szabó zum Großmeister europäischer Produktionen, die das Thema Macht, Gewalt und Kunst reflektieren und sich mit dem Nationalsozialismus und seinen Herrschaftsformen auseinander setzen. Speziell in der Trilogie „Mephisto“ (1981), „Oberst Redl“ (1984) und „Hanussen“ (1987) setzte Szabó spannungsvoll die Wechselwirkungen zwischen Karrieristen und dem System, dem sie dienen oder dienen müssen, um. In allen drei Filmen ist Klaus Maria Brandauer der ideale Darsteller: Als Schauspieler und Theaterintendant Hendrik Höfgen (in Klaus Manns Romanvorlage ist Gustav Gründgens gemeint) geht er ein Zweckbündnis mit den Nazis ein, deren Gefährlichkeit er unterschätzt und deren Marionette er wird; als „Oberst Redl“ ist er in der K.u.k.-Monarchie Chef des Geheimdienstes und scheitert, weil man ihn wegen seiner homosexuellen Neigungen zur Preisgabe von Staatsgeheimnissen und zum Selbstmord zwingt; der Hellseher „Hanussen“ schließlich kann in der Weimarer Republik den Aufstieg der Nazis, falsche Zauberer wie er, nicht verhindern.

István Szabó wurde 1938 in Budapest geboren und erlebte den niedergeschlagenen Aufstand von 1956 als sein Bewusstsein bestimmendes historisches Ereignis. In jenem Jahr begann er an der Filmhochschule zu studieren und legte 1963 mit „Zeit der Träumereien“ seinen ersten langen Spielfilm vor, der die Frische und den rebellischen Geist der European 60s atmet und von einer Gruppe junger Leute, Studenten und Elektrotechniker, erzählt, die wie ihre Zeitgenossen aus der Nouvelle Vague und des Free Cinema ein anderes Leben erhoffen und erleben, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt. Szabó wurde wie Márta Mésáros und Miklós Jancsó zum Inbegriff der Aufbruchstimmungen im Land. Dabei haftet den Produktionen bereits jener Hauch von positiv zu verstehender Melancholie an, der Hoffnung kündet und sich durch sein Gesamtwerk zieht. Bezeichnend die „Budapester Legende“ (1977), in der ein umgekippter Straßenbahnzug wieder auf die Schienen gestellt wird.

Bis 1977 drehte Szabó in Ungarn, nach der Brandauer-Trilogie wechselte er zwischen einheimischen Produktionen und Koproduktionen. In „Süße Emma, liebe Böbe“ (1992) schlagen sich zwei Lehrerinnen (eine ist der niederländische Star Johanna ter Steege) in Budapest und in der Provinz nach der Wendezeit von 1989 mit Prostitution durch, um zu überleben. „Ein Hauch von Sonnenschein“ (1999) führt drei Stunden durch das wechselhafte Leben der titelgebenden Fabrikantenfamilie, die ihre schwersten Zeiten während des Zweiten Weltkriegs erlebt. Dieser sowie der Musikerfilm „Zauber der Venus“ versammelten internationale Stars wie Glenn Close oder Ralph Fiennes in den Hauptrollen.

István Szabó ist filmpolitisch einer der „Motoren“ der 1988 gegründeten Europäischen Filmakademie. Seine Filme, vor allem „Mephisto“, der mit dem Oscar ausgezeichnet wird, erhalten zahlreiche Festivalpreise.

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