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Brot und Spiele in Berlin

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Iris Berben Poster
© Kurt Krieger

Die Berlinale geht auf die Zielgerade. Langsam beginnt man, das Gesehene zu ordnen, zu werten und abzugleichen. Und sich Gedanken darüber zu machen, wer denn nun ein Anwärter auf einen der begehrten Preise sein könnte.

Eine bezaubernde Natalie Portman präsentierte "V for Vendetta" Bild: Kurt Krieger

Keine leichte Aufgabe bei diesem Jahrgang, der zwar besser ist als 2005, aber sich trotzdem kratzbürstig, zickig und wenig zugänglich zeigt. Viele Studien der Langsamkeit gab es zu sehen - „Studien der Langeweile“, wie andere sagen.

Gewisse keine Zumutung, und doch wurde dem Publikum einiges zugemutet. In jedem Fall will man nicht unbedingt, dass Dramen der Ödnis wie „El custodio“ oder „Invisible Waves“ Preise kriegen. Himmel, hilf! Dann schon lieber der altersweise Robert Altman für seinen leichten „A Prairie Home Companion“ oder Michael Winterbottom für seinen engagierten „The Road to Guantanamo„. Oder mein persönlicher Wettbewerbsfavorit „Slumming“ von Michael Glawogger. Der hatte was. Ansonsten war das Beste ohnehin außer Konkurrenz zu entdecken: „The New World„, „The Science of Sleep„, „V for Vendetta“ oder „Capote„, der beste Film der Berlinale.

Amüsierte sich prächtig auf der Berlinale: Hannelore Elsner Bild: Kurt Krieger

Die besten Berlinale-Bilder

Vielleicht sollte man aber auch das Rätseln lassen und lieber die besten Bilder des Festivals Revue passieren lassen. Die gibt es nämlich für gewöhnlich auf den Partys, die in diesem Jahr so vehement und in so großer Anzahl gefeiert wurden, als wären sie nächstes Jahr verboten.

Da konnte man entdecken, wie Hannelore Elsner die Kollegin Iris Berben küsste. Oder wie ein Kritikerkollege mit einem bekannten deutschen Produzentenpapst im Zustand fortgeschrittener Trunkenheit um halb vier Uhr morgens den Edelclub verließ, um gemeinsam an einem Büdchen Pommes essen zu gehen.

N wie Natalie

Ewan McGregor und Marc Forster zeigten das Drama "Stay" Bild: Kurt Krieger

Oder Ewan McGregor, der zwar sagte, dass er Partys nicht mag, dann mit seinem „Stay„-Regisseur Marc Forster aber doch so lange blieb, bis sich die prall gefüllte Galiere am Ku’damm wieder halbwegs geleert hatte.

Oder natürlich die elfengleiche Natalie Portman, deren Schönheit so betörend war, dass man beinahe nicht bemerkte, wie wenig los bei der Party von „V wie Vendetta“ war - trotz Natalie und schöner Location in der DZ Bank.

Auch in Bärenstimmung: Iris Berben Bild: Kurt Krieger

Das Kreuz mit den Kreuzberger Nächten

So viele Partys, so wenig Zeit. Und egal, wie viele Einladungen man auch abgreifen kann, immer bleibt die Angst, man hat die eine, die entscheidende Party verpasst. Oder man ist zu früh gegangen. Oder zu spät gekommen. Oder man konnte gar nicht erst alle Locations besuchen, für die man sich angemeldet hatte.

So lang sind auch Kreuzberger Nächte nicht. Es bleibt die Gewissheit, dass man am nächsten Tag von Kollegen erzählt bekommt, was einem entgangen ist und warum man denn nun da ausgerechnet war. Seufz. Gut nur, dass man mit seiner Angst, nachts ohne Party dazustehen, nicht allein ist.

Franka Potente gibt mit "Der die Tollkirsche ausgräbt" ihr Regiedebüt Bild: Kurt Krieger

Neugierige Taxifahrer und hungrige Tiger

Ein Berliner Taxifahrer bot nach verrichtetem Party-Hopping allen Ernstes an, ich müsste meine Fahrt nicht bezahlen, wenn ich ihm stecken würde, wo am nächsten Tag die wichtigsten Partys stattfänden. Besoffene Berlinale-Kundschaft ist offenkundig die beste.

Aber sorry, stehe da selbst im Wald. Heiße Tickets waren jedenfalls die Punk-Party von X Verleih anlässlich des Regiedebüts von Franka Potente. Oder das beschwingte Schwofen im Café Keese für „Der Rote Kakadu„. In meinem persönlichen Partyranking liegt gegenwärtig die Edelparty im China Club des Adlon zu Ehren des Theatergenies Robert Wilson ganz weit vorn. Denn da durfte man live den kompletten deutschen Hochadel bewundern. Das war lustig. Und wie mein Gegenüber bemerkte: „Wenn man hier jetzt drei hungrige Tiger durchtreiben würde, dann hätte man das Event des Jahres.“ Brot und Spiele also. Wer denkt da allen Ernstes noch an ein paar läppische Bären.

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