Leben & Werk

Er schuf die düstersten Films noirs der französischen Filmgeschichte und mit dem Welterfolg „Lohn der Angst“ den Klassiker des existenzialistischen Abenteuerfilms schlechthin. Henri-Georges Clouzot (1907 - 1977) sollte zur Marine gehen, was jedoch von seiner Kurzsichtigkeit vereitelt wurde. Er wurde Reporter, schrieb Drehbücher, Liedertexte und Bühnenstücke, und assistierte in den 30er Jahren bei der Ufa in Berlin bei der Herstellung französischer Versionen deutscher Filme. Im Zweiten Weltkrieg debütierte er 1942 als Regisseur mit einem Kriminalfilm und wurde mit der Verfilmung eines authentischen Kriminalfalls in „Der Rabe“ (1943) berühmt, in dem eine Reihe anonymer Briefe eine Provinzstadt in ein Nest von Denunzianten verwandelt. Der Film, der bereits Clouzots pessimistische Weltsicht ahnen ließ, wurde vom Vichy-Regime als anti-französisch, von der Kirche als blasphemisch verschrien und nach dem Krieg als Vorwand benutzt, um Clouzot Deutschfreundlichkeit vorzuwerfen. Nach zwei Jahren Arbeitsverbot meldete er sich glanzvoll mit dem Polizeifilm „Unter falschem Verdacht“ zurück, für den er den Regiepreis in Venedig erhielt. Während einer Brasilienreise lernte er die Schauspielerin Vera Amado Gibson kennen, die er heiratete und die als Vera Clouzot bis zu ihrem frühen Tod im Jahre 1960 in drei seiner Filme spielte. Der erste war „Lohn der Angst“ (1952), der in Cannes die „Goldene Palme“ erhielt und den Transport von Nitroglyzerin auf zwei Lastwagen über unwegsames Gelände schildert, die von vier gestrandeten Existenzen (Yves Montand, Folco Lulli, Peter Van Eyck und Charles Vanel) gelenkt werden. Als einer der spannendsten Filme aller Zeiten, sorgte „Lohn der Angst“ für eine vorbildliche Dramaturgie der permanenten Steigerung von aufregenden Suspense-Situationen. „Die Teuflischen“ (1954, mit Vera Clouzot und Simone Signoret) entstand nach einem Roman von Boileau-Narcejac und schildert, wie sich zwei Lehrerinnen einer Privatschule ihres Mannes und Liebhabers entledigen und in einen Strudel des Terrors geraten. Der Film erfuhr 1996 als „Diabolisch“ ein US-Remake mit Isabelle Adjani und Sharon Stone. Clouzots Künstlerfilm „Picasso“ (1957) zeigt das Jahrhundertgenie bei der Arbeit und macht seine Methode durch eine transparente Leinwand aufregend sichtbar: auch ein Spannungsfilm. Mit dem Gerichtsfilm „Die Wahrheit“ (1960), in dem Brigitte Bardot in einer ihrer besten Leistungen als Mordangeklagte agierte, näherte sich Clouzot der „Nouvelle Vague“ an. Sein 1964 wegen gesundheitlicher Probleme abgebrochenes Projekt „Die Hölle“ wurde erst 1994 von Claude Chabrol realisiert. Sein letzter Film war „Seine Gefangene“, wie alle Clouzots eine Studie in Desillusionierung mit pessimistischer Grundierung. Die fortschreitende Verschlechterung seiner Gesundheit zwang Clouzot zum Abschied vom Spielfilm. Er drehte noch einige Musikdokumentationen (u.a. mit Herbert von Karajan) für das Fernsehen.

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