Der große Helmut Dietl ist tot

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Der begnadete Filmemacher hinterlässt legendäre TV-Serien und kultgewordene Spielfilme.

Filmemacher Helmut Dietl ist im Alter von 70 Jahren verstorben.. Bild: Constantin

Die deutsche Film- und Fernsehwelt trauert um einer ihrer ganz Großen: Helmut Dietl ist tot. Der Regisseur, Autor und Produzent („Schtonk„) verstarb am Montagvormittag im engsten Familienkreis in seiner Münchner Wohnung.

Dietl hatte im Jahr 2007 einen Schlaganfall erlitten und erkrankte im Oktober 2013 an Lungenkrebs; seine Heilungschancen bezifferte er selbst auf zehn Prozent. Ende 2014 erklärte Dietl im Gespräch mit der Zeitschrift ‚Bunte‘, das Karzinom sei kleiner geworden, was dies zu bedeuten habe, ließ er aber offen.

Helmut Dietl, geboren 1944 in Bad Wiessee, begann seine Karriere beim Fernsehen mit Serien, die alle in München spielten („Münchner Geschichten„, „Der ganz normale Wahnsinn“).

Großen Erfolg hatte er mit der zehnteiligen Serie „Monaco Franze – der ewige Stenz“ (mit Helmut Fischer und Ruth-Maria Kubitschek), die um den titelgebenden Frauenhelden und Aufschneider kreist und das Münchner Lokalkolorit geschickt und gewitzt mit einbezieht. Der Sechsteiler „Kir Royal“, in dem Franz Xaver Kroetz den Klatschkolumnisten Baby Schimmerloos spielte, brachte ihm den Grimme-Preis ein. Beide Produktionen schrieben Fernsehgeschichte und waren über Jahrzehnte populär.

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Entlarvende Mediensatiren

Auf Helmut Dietls Konto gehen auch eine Reihe bedeutender deutscher Spielfilme, darunter die Mediensatiren „Schtonk„, „Rossini“ und „Late Show“. Dietls Fähigkeit der Schauspielerführung verband sich mit intelligenten Drehbüchern, die teils in Zusammenarbeit mit Patrick Süskind entstanden, pointierten Dialogen und Sinn für satirische Zuspitzungen und Überzeichnungen.

„Schtonk“ (1990/91), der Spielfilm über die authentische Affäre der gefälschten Hitler-Tagebücher (das Debakel der Illustrierten „Stern“ 1983) und eine entlarvenden Satire über die Presse, wurde ein großer Publikumserfolg, der mit „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ noch übertroffen wurde.

Dietls Süffisanz, Ironie und Sarkasmus kamen ebenso in der TV-Satire „Late Show“ zum Tragen, die den Fernsehbetrieb aufs Korn nimmt und einen ihrer Effekte durch die realen Star-Moderatoren Thomas Gottschalk und Harald Schmidt in den Hauptrollen erzielte. Zuletzt führte Dietl 2012 bei der Mediensatire „Zettl“ Regie.

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