Hollywood zeigt sich dieses Jahr ausgesprochen weltoffen.

Heiße Oscar-Kandidaten: Alejandro González Iñárritu für "Babel" und das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" Bild: Kurt Krieger / Buena Vista

Denn bei den Oscar-Nominierungen ist das beeindruckende Drama „Babel“ des Mexikaners Alejandro González Iñárritu der große Gewinner. Ganze sieben Goldjungs könnte es für die philosophische Weltreise rund um die Tücken menschlicher Verständigung geben - darunter in den Königskategorien Bester Film und Beste Regie.

Zwar hat der im Vorfeld hoch gehandelte Musicalfilm „Dreamgirls“ mit acht Nominierungen rein zahlenmäßig die Nase vorn, doch geht es für das Soul-Stück über ein Damentrio nur in Nebenkategorien um die Statuen. Überraschend ist dabei die Nominierung als Bester Nebendarsteller für den einstigen Klamauk-König Eddie Murphy als Sanges-Veteran.

Wie Murphy begann auch Will Smith seine Karriere als Comedy-Star - nun heimste er sensationell eine Nominierung als Bester Hauptdarsteller ein für seine Rolle als vom Leben benachteiligter Vater in „Das Streben nach Glück„. Für ihn ist es nach „Ali“ die zweite Oscar-Chance und endgültig der Abschied vom Image des Sitcom-Stars aus „Der Prinz von Bel Air“. Allerdings ist in dieser Kategorie die Konkurrenz sehr stark, unter anderem mit dem großen Peter O’Toole für „Venus„, Leonardo DiCaprio für „Blood Diamond“ und dem Kritikerfavoriten Forest Whitaker für „The Last King of Scotland„.

"Babel": Adriana Barraza brachte der Part als mexikanisches Kindermädchen auf Abwegen eine Nominierung als Beste Nebendarstellerin Bild: Tobis

Großes Lob für deutschen Kandidaten

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Aus deutscher Sicht darf man sich über die Nominierung des feinfühligen Stasi-Dramas „Das Leben der anderen“ als Bester-nicht englischsprachiger Film freuen. Hier stehen die Chancen auf einen Sieg bei der Verleihung am 25. Februar sogar ausnehmend gut, da „Babel“ und Clint Eastwoods auf Japanisch gedrehtes Kriegsdrama „Letters from Iwo Jima“ überraschend nicht in dieser Kategorie, sondern gleich als Bester Film nominiert wurden.

Das sieht auch Roger Michell so, Regisseur der Erfolgskomödie „Notting Hill“ und wahlberechtigtes Academy-Mitglied: „‚Das Leben der Anderen‚ ist für mich fast ein perfekter Film - dabei ist es ein Erstlingswerk! Es ist ein wunderbarer, wunderbarer Film, der jede Anerkennung verdient.“ Beobachter räumen dem Film von Florian Henckel von Donnersmarck auch deshalb gute Chancen ein, weil sich die von Ulrich Mühe eindringlich dargestellte Hauptfigur vom Fiesling zum Helden wandelt - das kommt den amerikanischen Sehgewohnheiten entgegen.

Kritikerliebling Clint Eastwood am Set von "Letters from Iwo Jima", der die Geschichte von "Flags of our Fathers" aus japanischer Sicht erzählt Bild: Warner

Nächste Runde zwischen Clint und Marty

Dagegen nimmt es schon Wunder, dass ein Außenseiter-Drama wie „Little Miss Sunshine“ als Bester Film nominiert wurde - unterhöhlt die kleine Indie-Produktion doch den US-Schönheitswahn, für den gerade pompöse Showbiz-Institutionen wie die Oscar-Verleihung stehen. Allerdings machen den Sieg in dieser Kategorie wohl ohnehin „Babel“, „Departed“ und „Letters from Iwo Jima“ unter sich aus, „Die Queen“ hat hier wohl ebenfalls nur Außenseiterchancen.

Alle vier Filme sind übrigens auch für die Beste Regie nominiert und viel deutet auf eine Revanche zwischen Clint Eastwood und Martin Scorsese hin, die 2004 mit „Million Dollar Baby“ und „Aviator“ um die Oscars rangen. Damals holte Eastwood alle wichtigen Preise wie Bester Film, Regie und Hauptdarstellerin, „Aviator“ wurde mit Nebenkategorien wie Ausstattung und Kostüm abgespeist - „Marty“ ging wieder einmal leer aus. Dass dies einem der größten Regisseure seiner Generation nicht schon wieder passieren kann, gilt als sicher.

Eastwoods Konkurrent Martin Scorsese am Set von "Departed" - Mark Wahlberg ist als Bester Nebendarsteller nominiert Bild: Warner

Britische Ladys auf Goldkurs

Liebling der Kritiker ist auch die große Dame Judi Dench, die als eifersüchtige reife Frau in „Tagebuch eines Skandals“ begeistert. Sie und Golden-Globe-Gewinnerin Helen Mirren als „Die Queen“ werden den Oscar für die Beste Hauptdarstellerin wohl unter sich ausmachen.

Fast genauso wichtig wie die Frage, wer am Ende die Goldjungs mit nach Hause nehmen darf, ist aber auch dieses Jahr wieder der inoffizielle Wettbewerb um das beste Outfit. Denn wer auf dem roten Teppich glänzen kann, findet sein Foto garantiert auf den Titelseiten - auch wenn Mann oder Frau darauf keinen Oscar im Arm hält.

Eifersucht einer reifen Frau: Für "Tagebuch eines Skandals" sind sowohl Judi Dench als auch Cate Blanchett nominiert Bild: Fox

Verkehrte Welt beim Klamotten-Erwerb

Doch Hollywood wäre nicht Hollywood, wenn es dabei so liefe wie im wirklichen Leben: Statt wie der Normalmensch Unsummen für das schicke Abendoutfit auszugeben, lassen sich die Stars und Sternchen von den Top-Designern sogar dafür bezahlen, dass sie deren Kreationen vor der Weltöffentlichkeit spazieren tragen. Sechsstellige Beträge wechseln dabei den Besitzer und generell gilt: je größer der Name, desto mehr Handgeld.

So verspricht auch diese Oscar-Nacht wieder das zu bieten, was die Faszination der Traumfabrik ausmacht: Eine wilde Mischung aus Kunst und Klischees, Stars und Sternchen, Schein und Sein.

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