Til Schweiger dreht Action-Kracher "Schutzengel"

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Die Latte legt Til Schweiger hoch: Sein Actionthriller „Schutzengel“ soll dem Vergleich mit amerikanischem und französischem Genre-Kino standhalten!

Til Schweiger ist der erfolgreichste Filmemacher Deutschlands. In seinem neuen Actionthriller "Schutzengel" spielt er auch wieder selbst die Hauptrolle. Bild: Warner

Til Schweiger

Was er damals nicht verriet, war, dass er bereits an einem Actionthriller feilte, den er schließlich von Februar bis März dieses Jahres in Berlin und Umgebung in 45 Drehtagen drehte.

„Den deutschen Actionthriller gibt es ja eigentlich nicht“, erzählt er denn auch am Drehort – und räumt sofort ein: „‚Schutzengel‚ macht jetzt den Anfang. Ich hatte ja angekündigt, dass ich es versuchen würde. Als Tempowechsel begreife ich den Film dennoch nicht. Ich würde es eher einen Themenwechsel nennen. Weil sich meine Einstellung zum Filmemachen nicht geändert hat: Ich will hochprofessionelle, schnelle, emotionale Filme für ein großes Publikum drehen. Das trifft auf meine Komödien genauso zu wie auf ‚Schutzengel‘.“

Im Mittelpunkt der Produktion von Schweigers Company „Barefoot Films“ steht ein von seinen Kampferfahrungen gezeichneter ehemaliger KSK-Soldat Fischer, der bei einem Job als Personenschützer aushilft: Es gilt ein auf sich allein gestelltes Mädchen zu bewachen, das die einzige Zeugin eines brutalen Mordes ist. Als die eigentlichen Bewacher des Teenagers getötet werden, kann Fischer mit ihr entkommen. Auf der Flucht vor den Häschern eines Gangsterchefs entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft.

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Schweiger selbst spielt die Hauptrolle. In der Rolle des Mädchens gibt seine 15-jährige Tochter Luna Schweiger ihr Filmdebüt in einer Hauptrolle. Bis in die kleinste Nebenrolle ist der Film hochkarätig besetzt: So sind Moritz Bleibtreu, Hannah Herzsprung, Heiner Lauterbach, Karoline Schuch, Rainer Bock, Herbert Knaup, Jacob Matschenz, Kostja Ullmann, Niels Bruno Schmidt, Axel Stein und Oliver Korittke mit von der Partie.

„Nicht nur Amerikaner beherrschen den Actionfilm“

Im Mittelpunkt stehen aber nicht all die großen Namen, sondern die emotionale Geschichte zwischen dem alten Kämpfer und dem jungen Mädchen, die zumindest auf den ersten Blick gewisse Parallelen zu „Barfuss“ aufweist, sich aber eben vor dem Hintergrund einer Abfolge höchst explosiver Actionszenen abspielt.

Schweiger sagt: „Mein Anspruch bei ‚Schutzengel‘ ist ganz simpel, ich habe das meiner Crew auch bei meiner Ansprache beim Warm-up einen Tag vor Drehstart schon gesagt: Wir werden der Welt zeigen, dass nicht nur die Amerikaner und Franzosen den Actionfilm beherrschen. Wir können das genauso gut. Und den werden wir einlösen. Das verspreche ich.“

Beim Setbesuch wird in Kreuzberg im dritten Stock eines Wohnhauses gedreht, in dem Schweiger auf ein paar Etagen seine eigene Wohnung hat, inklusive eigens eingerichtetem Schnittraum. Es ist faszinierend, Schweiger bei der Arbeit zuzusehen: Sowie er mit einer Einstellung zufrieden ist und neu eingerichtet werden muss, verschwindet er, um an der Seite seines Cutters Constantin von Seld – seit „Barfuss“ bereits zum vierten Mal mit dem Schnitt eines Schweiger-Films betraut – das bereits gedrehte Material zu montieren.

„Wenn ich nichts zu tun habe, werde ich ungeduldig“, gesteht Schweiger. „Als wir den Schneideplatz am Set eingeführt haben, war das für alle Beteiligten eine Befreiung. Für mich, weil ich etwas Sinnvolles zu tun habe und mit dem Schnitt viel schneller vorankomme. Für die anderen, weil sie meine Ungeduld nicht mehr ertragen müssen. Das gibt mir etwas, ich mache das wahnsinnig gern: Der Schnitt ist für mich der schönste Prozess beim Filmemachen. Ich kann es oft nicht erwarten, endlich das Material in der Hand zu halten, damit ich die Szenen schneiden kann, wie ich mir das ausgemalt habe.“

Das Ergebnis ist, dass Schweiger oft schon bei Drehschluss einen fast komplett geschnittenen Film vorweisen kann, zumal er das Material bereits zur fertig komponierten Filmmusik zusammenstellt.

„Wenn ich die fertig geschnittenen Szenen montiere, stelle ich fest, ob sie auch miteinander harmonieren. Dann gehe ich noch einmal ran und verfeinere. Entscheidend ist für mich, dass ich zu diesem Zeitpunkt all meine Energie darauf verwenden kann, dem Film den richtigen Rhythmus zu verpassen.“

Obwohl zum Zeitpunkt des Setbesuchs erst seit ein paar Tagen gedreht wurde, kann Schweiger bereits eine ausgedehnte Actionszene vom Beginn des Films herzeigen, die selbst im Rohzustand absolut atemberaubend ist – ein Shootout auf engstem Raum in einer Wohnung, die auch emotional bewegt, weil hier erstmals die beiden Hauptfiguren Vertrauen zueinander fassen müssen. Schweiger freut sich diebisch, dass die Szene bereits so gut funktioniert, räumt aber auch ein:

„Was Sie gesehen haben, ist noch gar nichts. Wir haben das Material erst vor vier Tagen gedreht und schon mal vorläufig montiert. Ich verspreche: Die Szene wird noch viel besser, aufregender, länger.“

Überhaupt ist Schweiger trotz seiner hochkonzentrierten Arbeit sehr großzügig gegenüber den Anwesenden. Kostja Ullmann schaut kurz vorbei, um Hallo! zu sagen, und Til Schweiger zeigt ihm sofort alle Szenen mit sich, die bereits gedreht wurden. Der Regisseur ist sichtbar stolz auf das Geleistete: „Mir geht es darum, als Filmemacher besser zu werden. Und das bedeutet, sein Handwerk immer weiter zu perfektionieren. Ich denke, das von mir wie auch von den Leuten, mit denen ich an meinen Filmen arbeite, behaupten zu können. Perfekt ist es nie, das ist klar. Aber man lernt dazu. Wenn man an sich arbeitet, dann kann man eigentlich immer nur besser werden.“

„Schutzengel“ mag Neuland bedeuten für Schweiger. Aber es ist auch ein sichtbarer Quantensprung in seiner Entwicklung als Filmemacher, so professionell und pures Kino wie seine Komödien davor, aber auch von einer filmemacherischen Reife, wie man sie noch nicht bei ihm gesehen hat.

Nicht von ungefähr prophezeit Til Schweiger: „Ich glaube, das wird mein bester Film. Davon bin ich fest überzeugt. Es wird ein kraftvoller Film sein, der die Zuschauer mit auf eine unglaubliche Reise nimmt, mit viel Traurigkeit und Spannung, aber auch einer Portion Humor.“

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