Leben & Werk

Britischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Hanif Kureishi war mit seinen Drehbüchern wesentlich am Aufschwung des New British Cinema der 80er- und beginnenden 90er-Jahre beteiligt. Der Sohn einer Engländerin und eines Pakistani beschreibt das England des Thatcherismus, die ethnischen und sozialen Gemengelage in satirisch-grotesken Theaterstücken, Romanen, Kurzgeschichten und Drehbüchern, deren prägnante Szenen mit absolut respektlosem, wildem und politischer Korrektheit spottendem Witz daherkommen. Kureishis Sprache ist unanständig bis zur Schmerzgrenze, die Genauigkeit der Beobachtung bestechend; gnaden- und schonungslos beschreibt er den „Karneval des Konsums“, ohne Sentimentalität analysiert er Rollenmodelle und Familie und ist der menschliche Gegenpol zum zynischen Michel Houellebecq („Elementarteilchen“), weil er nicht auf der bequemen Position des Franzosen bleibt, sondern Gegenutopien entwickelt, die tief berühren und die Liebe noch nicht aufgegeben haben. Norman Mailer schrieb: „Niemals lässt er eine Spitze aus, nur weil sie zu grausam ist.“

Hanif Kureishi wurde 1954 in London geboren und wollte von Jugend an schreiben. 1981, noch während des Studiums, gewann er mit seinem zweiten Stück „Outskirts“ den George Devine Award, wurde 1982 Stadtschreiber von London und gewann 1990 mit seinem ersten Roman „Der Buddha aus der Vorstadt“, der 1993 von Roger Michell als TV-Vierteiler für die BBC verfilmt wurde, den Whitbread Award für das Beste Erstlingswerk. 1998 war sein Roman „Gefährliche Nähe“ ein viel diskutiertes Werk, das das Ende der Gefühle durch die sexuelle Liberalisierung thematisiert. Daraus entwickelte er das Drehbuch zu Patrice Chéreaus 2000 mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichneten Skandalfilm und Drama „Intimacy„. Kureishi schrieb Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften wie „Granta“, „Atlantic“ und Lettre“. 2004 erschien seine Autobiografie „My Ear at His Heart“, die seine Jugend und das Schicksal seiner Eltern beschreibt.

Im Filmbereich machten Kureishi (Originaldrehbücher) und Regisseur Stephen Frears Furore mit ihren Filmen „Mein wunderbarer Waschsalon“ (1985, Oscar-Nominierung), der Rassen-, Immigranten- und Schwulenprobleme beschreibt, und mit „Sammy & Rosie tun es“ (1988), in dem es in Londons Vorstädten brennt, eine englische Sozialarbeiterin und ein pakistanischer Anwalt eine freie Ehe führen und Sammys Geliebte auf beiden Pobacken ein „W“ tätowiert hat, was im Falle eines Falles ein „WOW“ ergibt (so viel zu Kureishis Offenheit). Weniger erfolgreich als diese das englische Kino prägenden Produktionen war Kureishis erste und bislang einzige Regiearbeit „London Kills Me“ (1999, nach eigener Vorlage), die mit einem Dealer, der für einen Job als Kellner dringend neue Schuhe braucht, in die Drogenszene um Notting Hill eintaucht.

Hanif Kureishi schrieb die Originaldrehbücher zu zwei Filmen von Roger Michell: In „The Mother – Die Mutter“ (Skandalfilm Cannes 2003) liebt eine Großmutter und Hausfrau (Anne Reid) einen halb so alten Mann (Daniel Craig), in „Venus“ (2006) werden zwei alternde Schauspieler (Peter 0’Toole, Richard Griffiths) durch einen vorwitzigen Teenager in die Sinnkrise getrieben.

Hanif Kureishi lebt mit Frau und drei Kindern in London.

Filme und Serien

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