Zwei Superstars und eine bildhübsche Newcomerin als Nackedeis - doch die wahre Sensation ist Schauspielkunst vom Allerfeinsten im bisher besten Film des Wettbewerbs.

Überzeugen in Cannes mit "Where the truth lies": Colin Firth und Kevin Bacon Bild: Boris Sunjic

Bis heute gab’s nur in den Nebenreihen Glanzpunkte. Aber nun atmen die Filmfans in Südfrankreich nach zähen ersten Tagen auf: Mit „Where the Truth Lies“ hat der Wettbewerb zum Wochenende den ersten, im doppelten Sinne „heißen“ Tipp auf die Goldene Palme.

Kevin Bacon

Eine heiße Beziehungskiste mit Folgen: "Where the truth lies" Bild: Serendipity Point Films

Die Wahrheit über Sex

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„Where the truth lies“ besticht durch exzellente Darsteller. Vor allem Firth spielt genial gegen sein Image an: Er mimt einen scheinbar beherrschten britischen Gentleman, hinter dessen Fassade sich aber ein drogenabhängiger, gewalttätiger Sexomane verbirgt.

Auch in der gut gelaunten Fragerunde zum gefühlvollen und dabei hoch spannenden Film ging es vor allem um diesen Aspekt: Sex. So wunderte sich ein kanadischer Journalist, dass sich alle Darsteller in den Nacktszenen offensichtlich sehr wohl gefühlt hätten, „sogar“ Colin Firth! Regisseur Egoyan scherzte: „Das lag schlicht daran, dass ich hinter der Kamera ebenfalls nackt war!“

Regisseur Atom Egoyan mit seinen Hauptdarstellern Bild: Boris Sunjic

Nackte Tatsachen

Die US-Kritiker befürchten natürlich Probleme mit der Altersfreigabe. Kevin Bacon dazu: „Beim Sex ist man nun mal nackt und genau damit haben viele Menschen Probleme - deswegen wird es im Film meist anders gezeigt. Gut, ich persönlich lasse manchmal auch ein paar Sachen an, ich weiß jetzt nicht, wie ihr das macht. Aber für mich sind die Nackt-Szenen in unserem Film absolut ok.“

Viel wichtiger war den Darstellern ohnehin das menschliche Drama um den Unterschied zwischen der öffentlichen Rolle eines Stars und der Privatperson. Auf die Frage, wie authentisch ein Schauspieler in der Öffentlichkeit überhaupt sein könne, meinte Bacon hintergründig:

Zwei Komiker, denen die Welt zu Füßen liegt Bild: Serendipity Point Films

Alles eine Frage der Übung

„Ich zeige mich, so wie jetzt, immer völlig offen und persönlich - und versuche dabei zu verbergen, dass ich das natürlich nur spiele. Das ist eine ganz gute Übung!“

Für Lacher sorgte auch die Frage, ob die Darsteller wie ihre Figuren das Verblassen des Ruhms fürchteten. Firth gab mit einem feinen Lächeln schweigend an Kevin Bacon weiter, der den Fragesteller mit seinen blauen Augen fixierte und tönte: „Ich war vor fünfzehn Jahren berühmt. Und ich bin heute berühmt.“ Dann lächelte auch er sanft und sagte: „Bitte drückt mir die Daumen, dass es auch so bleibt.“ Wenn er weiter so spielt wie in „Where the truth lies“ und zuletzt „The Woodsman„, wird sich das von selbst ergeben.

Cobain-Darsteller Michael Pitt zusammen mit Gus van Sant Bild: Boris Sunjic

Ein Hoch auf Kurt Cobain

Dass Ruhm auch tödlich sein kann, davon erzählt der anspruchsvolle „Last Days“ von Palme-Gewinner Gus van Sant. Applaus gab es nicht, wie sonst üblich, am Anfang des Abspanns, sondern bezeichnenderweise erst an dessen Ende - als die Widmung „In Erinnerung an Kurt Cobain“ erschien. Aus rechtlichen Gründen betont van Sant, sein Film sei „fiktional“ und nennt ihn „eine Meditation über Cobains letzte Tage“.

Und genau das ist das Problem: Keine Handlung, kaum Dialoge, nur ein unverständlich vor sich hin brabbelnder Michael Pitt, der durch ein verfallenes Haus und die umliegenden Wälder irrt - dabei allerdings Cobain erschreckend ähnlich sieht. Gänsehaut stellt sich ein, wenn Pitt den Song „Death to Birth“ in die Kamera schreit, den der musikerfahrene Jungmime selbst geschrieben hat. Den Tod des Helden gibt’s wider Erwarten nicht zu sehen, dafür aber seinen Geist, der sich vom Körper löst und eine Art „Stairway to heaven“ emporklettert.

Gromit geht am Boulevard Croisette Gassi Bild: Dreamworks Animation and TM Aardman Animations

Auf den Hund gekommen

Viel Tod gibt’s dagegen am Abend in „Land of the Dead„. 20 Minuten aus der lange erwarteten Fortsetzung der kultigen Horror-Franchise von George A. Romero werden die Genre-Fans verzücken. Das despotische Regime in der von Zombies bedrohten Stadt ist dabei laut Romero „der Bush-Regierung nachempfunden“.

Der Größte am Boulevard Croisette war aber weder ein Filmstar noch ein Zombie, sondern ein Hund: Ein neun Meter hoher „Gromit“-Ballon schwebte den Strand entlang, als Vorgeschmack auf den ersten Spielfilm mit dem beliebten Knetfiguren-Duo: „Wallace & Gromit - Der Fluch des Wer-Hasen„. Auch daraus gab’s schon einen viel versprechenden Kurzausschnitt zu sehen.

Am Sonntag bekommt Gromit allerdings starke Konkurrenz. Pünktlich zur Festival-Mitte werden anlässlich des diesjährigen US-Highlights „Star Wars: Episode III“ Jedi-Ritter und Sith-Lords den Boulevard-Croisette stürmen - jene berühmte Strandpromenade, auf der sich zwischen Palais de Festival und den Luxushotels die Stars und Sternchen ihr Stelldichein geben.

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