Günther Kaufmann

Günther Kaufmann

Leben & Werk

Deutscher Schauspieler. Sohn eines Besatzungssoldaten und Stammschauspieler in Filmen von Rainer Werner Fassbinder (von “Whity” bis “Berlin Alexanderplatz“). In Nebenrollen präsent als Typ, der wegen seiner massigen Statur unverkennbar bleibt, sorgte Günther Kaufmann für einen der spektakulären Kriminalfälle Deutschlands. Verhaftet wegen eines Mordes, den er gestanden aber nicht begangen hatte, saß er 33 Monate unschuldig im Gefängnis und wurde 2005 freigesprochen. Seitdem arbeitete Kaufmann wieder regelmäßig als Schauspieler, so als lustiger böser Wikinger “Der schreckliche Sven” in Michael Bully Herbigs Real-Verfilmung der TV-Zeichentrick-Serie “Wickie und die starken Männer” (2009) und deren Fortsetzung “Wickie auf großer Fahrt” (2011; in 3D). Er war 2011 ebenfalls als DW Court in Adnan Köses Musik-Romanze “Homies”, und als Betrüger in Köses Krimi-Drama “Kleine Morde” zu sehen.

Günther Kaufmann wurde 1947 im Münchner Stadtteil Schwabing als Sohn einer Deutschen und eines schwarzen amerikanischen Besatzungssoldaten geboren. Er zog mit der Mutter ins Viertel Hasenbergl, machte eine Lehre, leistete seinen Wehrdienst ab und arbeitete in einer Drückerkolonne. Von Rainer Werner Fassbinder, der ihn zur Schauspielerei überredete, entdeckt und in seine “Factory” aufgenommen, war Kaufmann zwischen 1970 und 1982 Stammschauspieler in Nebenrollen in 15 Filmen von Fassbinder. In RWFs Südstaatenmelodram “Whity” (1971), das in Spanien in Almeria gedreht wurde, spielte er die Hauptrolle des ausgebeuteten Dieners auf einer Plantage. Fassbinder-Schauspieler zu sein war zu der Zeit eine Auszeichnung, brachte ihm Rollen bei Hans Jürgen Syberberg (“Ludwig”), Peter Zadek (“Die wilden Fünfziger”), Wolf Gremm (“Kamikaze 1989“), in “Heute spielen wir den Boss” (einzige Regiearbeit von Komponist Peer Raben) und als US-Soldat in “Otto – Der Film” (1985).

Nach Fassbinders Tod nahm die Zahl der Engagements ab. Kaufmann spielte in den Serien “Derrick”, “Der Alte”, im Pilotfilm der “Küstenwache” (1997) sowie in den Serien “Es muss nicht immer Kaviar sein” (1977) und “Ein Schloss am Wörthersee” (1991). 1986 zog er mit seiner zweiten Frau Alexandra an die Algarve. Als sie an Krebs erkrankte, brauchten Medikamente und Therapien die finanziellen Mittel auf. In dieser Situation wurde Kaufmann 2001 wegen Mord an seinem Steuerberater, der Geliebter seiner Frau war, verhaftet und 2002 wegen “schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge” zu 15 Jahren Haft verurteilt. Mit dem Geständnis wollte Kaufmann seine abgöttisch geliebte Frau schützen, die drei Mittäter zu der Tat angestiftet hatte. Nach Alexandras Tod wurden die wirklichen Täter gefasst und verurteilt, Kaufmann wiederrief sein Geständnis und erreichte eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Nach 33 Monaten in Haft wurde er vom Landgericht Augsburg 2005 freigesprochen. 2006 wurde er wegen Falschaussage zu einer Geldstrafe verurteilt.

Nach seiner Freilassung arbeitete Kaufmann zunächst als Theaterschauspieler in Bremen (“Die zehn Gebote”), München (Musical “Robin Hood”) und Berlin, bevor er 2007 als Vater des jungen Leroy in der Anti-Rassismus-Komödie “Leroy” wieder in einem Spielfilm mitwirkte. Es folgten Rollen als Busfahrer in der Weihnachtskomödie “Meine schöne Bescherung” (2007, mit Martina Gedeck), als Mafiapate Salvatore in “Mord ist mein Geschäft, Liebling” (2009) und als Gauner Joe Brandenburg in “Jerry Cotton” (2010). 2009 war Kaufmann in 16 Folgen des RTL-Dschungelcamps “Ich bin ein Star – holt mich hier raus!” zu sehen.

2005 veröffentlichte Kaufmann seine Autobiografie “Der weiße Neger vom Hasenbergl” (Diana Verlag, München), in der er hauptsächlich den Kriminalfall aufarbeitet.

Kaufmann hat einen Sohn (1969) und eine Tochter (1970) aus erster Ehe. Von 2006-2010 war er mit der Bremer Kellnerin Patrizia verheiratet.

Im Mai 2012 erlag Günther Kaufmann einem Herzinfarkt.

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