Goran Paskaljevic

Producer • Regisseur • Drehbuchautor

Leben & Werk

Serbischer Regisseur. Die Filme des sich an der prägnanten Einfachheit und lebendigen Gefühlswelt der italienischen Neorealisten orientierenden Goran Paskaljevic kreisen um alltägliche Gewalt, Heimatlosigkeit, Kriegsfolgen und Gesellschaften am Abgrund. In ihrer Mischung aus Drastik und Härte, schwarzem Humor und Beklemmung sind sie sarkastische Vetter der Werke von Emir Kusturica („Schwarze Katze, weißer Kater„) und eine Art „Short Cuts“ auf dem Balkan. „Paradies, Brooklyn„, „Das Pulverfass“ und „Optimisti“ bilden die Trilogie von zwischen Hass, Verzweiflung, Freude und Überlebenskraft pendelnden Menschen, die in lose verknüpften Episoden wie ihr Regisseur ein Zuhause suchen.

Goran Paskaljevic wurde 1947 in Belgrad als Sohn eines Journalisten und einer Lehrerin geboren und wollte, seit er 17 war, Regisseur werden. Sein Stiefvater war Leiter der Kinemathek in Belgrad, wo Paskaljevic begierig Filmgeschichte in sich aufnahm. Von 1967 bis 1977 studierte er an der FAMU, Filmhochschule in Prag u.a. bei Milos Forman („Amadeus“) und dem Schriftsteller Milan Kundera („Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins„) und war Teil der sogenannten Prager Schule, der Regisseure wie Goran Markovic, Srdjan Karanovic und Emir Kusturica angehörten. Nach über 50 meist für das Fernsehen entstandenen Dokumentarfilmen inszenierte Paskaljevic 1976 seinen ersten Spielfilm „The Beach Guard in Winter“.

Zu Paskaljevic‘ international ausgezeichneten Filmen gehören „Twilight Time“ (Preis der Unesco), „Time of Miracles“, „Guardian Angel“ und „Tango Argentino“ (1992), der von einem zwölfjährigen Jungen erzählt, der in der Familie keinen Rückhalt findet und durch die Arbeit mit alten Leuten Kraft gewinnt. Die Wiedergeburt-Parabel erhielt Publikumspreise in Venedig und San Francisco. Ihr folgte die Tragikomödie „Paradies, Brooklyn“ (1995, mit Tom Conti) um die Freundschaft europäischer Einwanderer in New York. Zu Paskaljevic‘ bevorzugten Hauptdarstellern zählen der aus Filmen von Kusturica („Underground“) bekannte Miki Manojlovic und Mirjana Karanovic („Grbavica - Esmas Geheimnis“).

Paskaljevic‘ Hauptwerk entstand 1998: „Bure Burata - Cabaret Balkan - Das Pulverfass“ schildert virtuos eine Busfahrt durch Belgrad, wo ein Taxifahrer Wagen und Wohnung eines anderen zertrümmert, eine Frau vor den Augen ihrer Freundin vergewaltigt wird und ein Boxer einen Rivalen tötet. „Bure Burata“ wurde 1998 in Venedig mit dem Fipresci-Preis und beim Europäischen Filmpreis 1998 ebenfalls mit dem Fipresci-Preis ausgezeichnet.

Entspannter ging es in der internationalen Ko-Produktion „How Harry Became a Tree“ (Drehbuchpreis Filmfestival Flandern 2001) zu, eine mit Colm Meany, Adrian Dunbar und Cillian Murphy attraktiv besetzte absurde Komödie um eine irische Dorffehde im Jahr 1920. Mit seinem Sohn Vladimir als Ko-Drehbuchautor inszenierte Paskaljevic 2006 mit „Optimisti“ eine in fünf Espisoden erzählte Allegorie auf serbischen Fatalismus.

2002 wurde Goran Paskaljevic auf dem Filmfest München mit dem Bernhard-Wicki-Filmpreis ausgezeichnet.

Goran Paskaljevic, der zwischen Paris und Belgrad pendelt, ist in zweiter Ehe mit einer Französin verheiratet.

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