Gisela Uhlen

Schauspielerin • Drehbuchautorin
Gisela Uhlen Poster

Leben & Werk

Deutsche Schauspielerin (1919-2007) und Bundesfilmpreisträgerin. Sie begann als Tänzerin, stand zeitlebens auf Theaterbühnen, spielte in nationalsozialistischen Propaganda- und Unterhaltungsfilmen, wurde nach dem Krieg als „unbelastet“ eingestuft, lebte aus privaten Gründen fünf Jahre in der DDR, spielte in den 60er-Jahren in Edgar-Wallace-Filmen sowie vermehrt in Fernsehkrimiproduktionen. Für die Rolle der mit jungen Männern schlafenden lebenstüchtigen Mutter von Hanna Schygulla in Rainer Werner Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“ wurde Gisela Uhlen 1979 mit dem Bundesfilmpreis in Gold ausgezeichnet. In zahlreichen Fernsehkrimis (Straßenfeger „Der Tod läuft hinterher“) dabei, erlangte Uhlen als Oma Inge in der TV-Serie „Forsthaus Falkenau“ (44 Folgen 1989-2006) späte Popularität. Ihr turbulentes Leben verarbeitete die vielseitige Schauspielerin in drei Memoirenbänden.

Gisela Friedlinde Schreck wurde in Leipzig als Tochter eines Opernsängers und Spirituosen-Fabrikanten geboren, riss mit elf Jahren von Zuhause aus, kam bis Hamburg. Mit fünfzehn besuchte sie Mary Wigmans Tanzschule, trat heimlich in Leipziger Kabaretts auf und nahm den Künstlernamen Uhlen an. Sie erhielt ihre Schauspielausbildung bei Lilly Ackermann. Heinrich George holte sie 1938 ans Berliner Schiller-Theater, wo sie bis 1945 zum Ensemble gehörte. 1936 stand sie als junge Organistin in „Annemarie“ zum ersten Mal vor der Kamera und wurde Star der Ufa, verkörperte Soldatenbräute und junge Naive, war französische Theaterschauspielerin in „Tanz auf dem Vulkan“ (1938), als Hendrickje Stoffels Muse und Frau von Maler „Rembrandt“ (1942) und in den Propagandafilmen „Ohm Krüger“ (1940; als dessen Tochter) und „Die Rothschilds“ (1940) dabei.

Nach dem Krieg fielen mehrere ihrer Filme durch, so „Die große Liebe“, zu dem sie das Drehbuch verfasst hatte, und „Ein Leben lang“. Uhlen blieb am Theater und trat in Bochum, Frankfurt, Stuttgart, Hamburg, München und Berlin auf, sorgte 1990 in Zürich für einen Skandal, als sie den Schauspieler Oskar Werner verkörperte. Mit Wolfgang Kieling lebte sie von 1954 bis 1958 in Ost-Berlin, wo sie auch in Spielfilmen zu sehen war. Zurück in der Bundesrepublik, gehörte sie mit ihrer markanten, hart prononcierenden Stimme und dem durchdringenden Blick als strenge Adelige und bebrillte Erbschleicherin in den Edgar-Wallace-Gruselkrimis „Die Tür mit den sieben Schlössern„, „Das indische Tuch“ und „Der Bucklige von Soho“ zu den wichtigen Nebenfiguren des Subgenres, später auch in zwei Wallace-TV-Filmen der 90er-Jahre. Für „Die Ehe der Maria Braun“ ausgezeichnet, blieb der Welterfolg ihr einziger Berührungspunkt mit dem Jungen Deutschen Film. Stattdessen war sie in den 70er-Jahren mit einer eigenen Wanderbühne unterwegs. International war Uhlen in Jaco von Dormaels „Toto, der Held“ (1991) zu sehen.

Gisela Uhlen war sechsmal verheiratet, unter anderem mit Ballettmeister Herbert Freund, den Regisseuren Hans Bertram (NS-Zeit) und Herbert Ballmann (Defa) und dem Schauspieler Wolfgang Kieling, mit dem sie 1954 wegen eines Rechtsstreits um das Sorgerecht ihrer Tochter Barbara (von Bertram) über die Schweiz nach Ost-Berlin floh. Mit Kieling hatte sie Tochter Susanne, ebenfalls Schauspielerin.

Gisela Uhlen verarbeitete ihr Leben in den Memoirenbänden „Mein Glashaus“ (1978), „Meine Droge ist das Leben“ (1993) und „Umarmungen und Enthüllungen. Collage eines Lebens“ (2002). Sie lebte zurückgezogen in Köln und starb dort an Lungenkrebs. Uhlen ist in Köln auf dem Melatenfriedhof begraben. (geh)

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